Ausflugstipp: Entdecken Sie ein Stück des Wienerwaldes

Wien ist in vielerlei Hinsicht ein weltweites Unikat. Während andere Metropolen mit einem Mangel an Grünflächen und überhitzten Straßen kämpfen, hat die österreichische Hauptstadt ihre Lungen direkt zum Greifen nah. Man muss nur in die ikonische Straßenbahnlinie 43 einsteigen und sich bis zur Endhaltestelle fahren lassen.
Dort, wo die Gleise im Stadtteil Neuwaldegg enden, beginnt eine Welt, die irgendwie nicht ins 21. Jahrhundert zu gehören scheint. Es ist die Welt des Wienerwaldes – ein Ort, an dem die Geschichte adliger Familien mit der wilden Natur verschmilzt und wo der städtische Stress unter den Kronen von Buchen und Eichen weicht.
Von der Straßenbahn in die tiefe Geschichte des 17. Bezirks
Neuwaldegg ist nicht nur ein gewöhnlicher Vorort. Seine Wurzeln reichen tief ins 14. Jahrhundert zurück, als in Chroniken erstmals von Schloss Waldeckh die Rede war. Obwohl wir den heutigen Namen Neuwaldegg seit 1535 kennen, war das Schicksal dieses Ortes nicht immer friedlich. Ein tragischer Meilenstein war das Jahr 1683, als die Gemeinde während der zweiten türkischen Belagerung Wiens der verheerenden Zerstörung zum Opfer fiel. Das, was wir heute als idyllischen Stadtteil mit prächtigen Villen sehen, ist das Ergebnis von Jahrhunderten der Wiederherstellung und Kultivierung.
Unser Weg beginnt genau hier, an der Grenze zwischen Stadt und Wald. Die ersten Schritte führen uns über die Dornbacher Straße und Waldegghofgasse, bis wir von der monumentalen Schwarzenbergallee in den Bann gezogen werden. Diese lange, gerade Allee ist das Eingangstor zu einem der bedeutendsten Landschaftsparks Mitteleuropas.
Der aufklärerische Versuch von Marschall Lacy
Der Schwarzenbergpark, den wir in der ersten Drittel der Strecke durchqueren, ist kein Zufallsprodukt. Ursprünglich handelte es sich um einen Privatpark des irischen Grafen und Feldmarschalls Franz Moritz von Lacy. Lacy, ein enger Mitarbeiter von Kaiser Joseph II., ließ hier etwas für die damalige Zeit Revolutionäres schaffen – den ersten Garten im englischen Stil in ganz Österreich. Im Gegensatz zu den strengen französischen Parks sollte dieser natürlich und harmonisch wirken.
Als der Park im 19. Jahrhundert von der Familie Schwarzenberg übernommen wurde, wuchs seine Bedeutung nur noch. Seit 1956 ist er jedoch im Besitz der Stadt Wien. Für den heutigen Touristen bedeutet das eines: endlose Flächen zum Laufen, Spazieren und Picknicken. Die Route führt uns um den malerischen Teich Parapluieteich, dessen Oberfläche das umliegende Grün widerspiegelt und den ersten ernsthaften Moment zum Durchatmen bietet.
Hameau: Wo Wien an Holland erinnerte
Die größte Attraktion und zugleich der höchste Punkt unserer Expedition ist Hameau. Für viele Wiener ist dieser Ort unter dem Namen Holländerdörfl, also Holländisches Dorf, bekannter. Warum sollte jedoch mitten in den Wiener Hügeln ein holländisches Gehöft stehen? Die Antwort finden wir erneut bei Graf Lacy.
Ende des 18. Jahrhunderts ließ er hier siebzehn Holzhäuser errichten, die als Unterkunft für Gäste und Personal dienten. Vor jedem Häuschen stand ein Obstbaum, und die gesamte Lokalität sollte ein einfaches, rustikales Leben evozierten, das zu dieser Zeit unter dem Adel im Trend lag (ähnlich wie bei Marie Antoinette in Versailles). Obwohl von dem ursprünglichen Dorf bis heute nichts erhalten geblieben ist, ist der Genius Loci des Ortes geblieben. Hameau ist heute eine weitläufige Wiese mit einem Unterstand, die Ruhe und Raum für Besinnung fernab des Stadtlärms bietet.
Über Grenzsteine zurück in die Zivilisation
Der Weg von Hameau ist kein fade Abstieg. Wir halten am Dreimarkstein. Dieser historische Grenzstein ist ein stiller Zeuge der einstigen administrativen Teilung. Hier trafen sich einst die Fluren der Gemeinden Hernals, Döbling und Weidling. Heute ist es vor allem ein Orientierungspunkt für Wanderer und Radfahrer, die den Wienerwald in alle Richtungen durchqueren.
Wir steigen in Richtung des beliebten Gasthofs Gasthaus am Roan ab. Für Inhaber des Wiener Wanderpasses (Wanderpass) ist dies ein wichtiger Halt – es ist der offizielle Ort, an dem Sie Ihren Stempel in Ihr Buch drücken können, um sich dem Erhalt des Wanderabzeichens der Stadt Wien zu nähern. Es ist eine nette Tradition, die ganze Generationen von Wienern motiviert, sich in der Natur zu bewegen.
Der Rückweg führt uns unter der Höhenstraße, einer einzigartigen Panoramastraße, die in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Über die Waldwege Waldrandweg und Kleeblattweg kehren wir allmählich in die Wohngegend zurück. Wir durchqueren den Michaeler Wald und die Geroldgasse, wo wir uns erneut mit der bekannten Schwarzenbergallee verbinden. Der Kreis schließt sich.
Gastronomie als Belohnung für die Leistung
Keine ordentliche Wanderung in der Umgebung Wiens wäre vollständig ohne den Besuch lokaler gastronomischer Betriebe. Wien ist in dieser Hinsicht besonders – die Grenze zwischen Stadt und Land wird hier gerade durch die Dichte von Wirtshäusern und Restaurants definiert.
Direkt auf der Strecke im Bereich Marswiese finden Sie ein modernes Sportzentrum mit Restaurant, aber wenn Sie etwas Authentischeres suchen, wird Sie die Manameierei mit ihrer Atmosphäre verzaubern. Für diejenigen, die nach 10,5 Kilometern in den Beinen Lust auf etwas Traditionelles haben, gibt es die berühmten Heurige in den Gebieten Dornbach und Neustift am Walde. Ein Glas frischen Weins und ein Teller mit hausgemachten Aufstrichen sind der beste Abschluss eines aktiven Tages.
Warum sich auf diesen Weg begeben?
In einer Zeit, in der immer mehr über die Bedeutung der psychischen Gesundheit und digitalen Entgiftung gesprochen wird, stellt die Strecke von Neuwaldegg nach Hameau eine ideale Therapie dar. Sie bietet eine ausgewogene Mischung aus körperlicher Aktivität (der Anstieg ist sanft, aber spürbar), ästhetischem Erlebnis und Bildung im Freien.
Es ist keine spezielle Ausrüstung erforderlich, nur festes Schuhwerk und die Lust zu entdecken. Dank der mobilen Karten der Stadt Wien mit Standortbestimmung verirrt sich heute nur selten jemand im Wald, dennoch fühlt man sich im tiefen Michaeler Wald wie in einer anderen Welt. Diese Strecke erinnert uns daran, dass man für Abenteuer nicht stundenlang mit dem Auto fahren muss. Manchmal reicht ein Ticket für die Straßenbahn und ein offener Geist, der die Geschichten wahrnimmt, die in den Steinen und Bäumen um uns herum verborgen sind.
Der Wienerwald war schon lange vor uns hier und wird dank strenger Schutzmaßnahmen (er ist Teil des UNESCO-Biosphärenreservats) auch für zukünftige Generationen hier sein. Unser Besuch in Neuwaldegg ist somit nur ein kurzer, aber umso intensiverer Einblick in die Lungen der Stadt, die sich weigert, ihre Verbindung zur Natur aufzugeben.
Sehenswürdigkeiten und Erfrischungsmöglichkeiten im Überblick
- Neuwaldegg: Die Geschichte dieses Ortes reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, als „Schloss Waldeckh“ erwähnt wurde. Der Name Neuwaldegg taucht erstmals 1535 auf. Die Gemeinde wurde während der zweiten türkischen Belagerung Wiens 1683 zerstört.
- Schwarzenbergpark: Ursprünglich ein Schlosspark des irischen Grafen Lacy, wurde er später von der Adelsfamilie Schwarzenberg übernommen. Seit 1956 ist dieser weitläufige Park im Besitz der Stadt Wien und dient als beliebte Erholungszone.
- Hameau: Auch bekannt als „Holländerdörfl“ (holländisches Dorf), stand hier einst eine Siedlung mit 17 Holzhäusern, vor jedem wuchs ein Obstbaum.
- Dreimarkstein: Historischer Grenzstein, der den Punkt markiert, an dem die Grenzen der drei ehemaligen Gemeinden Hernals, Döbling und Weidling zusammentrafen.
Während oder nach der Wanderung können die Dienste mehrerer Restaurants und Cafés in Anspruch genommen werden. Direkt auf der Strecke oder in unmittelbarer Nähe befinden sich das Café und Restaurant Marswiese, das Waldgasthaus „Zur Allee“, die Manameierei und das erwähnte Gasthaus am Roan. In der weiteren Umgebung in den Stadtteilen Dornbach, Neuwaldegg und Neustift gibt es ebenfalls ein reichhaltiges Angebot an traditionellen Heurigen.
Quelle: https://www.wien.gv.at/umwelt/wald/freizeit/wandern/wege/wanderweg3.html Foto: https://www.herrundfrauwanderlich.at/uploads/6/2/0/7/62072789/img-8829_orig.jpg
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