Illegaler Arzt in Wien: Praxis geschlossen und Ermittlungen eingeleitet

Ein Ort, der eigentlich für medizinische Hilfe und Sicherheit stehen sollte, entpuppte sich als Schauplatz illegaler Machenschaften. In Wien-Favoriten wurde eine Arztpraxis geschlossen, nachdem sich herausstellte, dass dort jahrelang ein Mann ohne gültige Lizenz praktizierte. Die Behörden versiegelten die Räumlichkeiten, tauschten die Schlösser aus und leiteten Ermittlungen wegen schwerwiegenden Betrugs und Gefährdung der öffentlichen Gesundheit ein.

Eine überraschende Inspektion durch eine spezielle städtische Einsatztruppe brachte Erkenntnisse zutage, die in der österreichischen Hauptstadt selten sind. Die Ermittler deckten den Betrieb einer Praxis auf, in der medizinische Dreistigkeit mit systematischem Betrug am Sozialstaat einherging. Der Einsatz war keine bloße Verwaltungsmaßnahme, sondern das Ergebnis längerer Beobachtungen verdächtiger Aktivitäten, die sich im 10. Wiener Bezirk unbemerkt von den Patienten ausbreiteten.

Zehn Jahre ohne Lizenz und missbrauchter Stempel

Im Zentrum des Skandals steht ein Mann, der vor über zehn Jahren das Recht verloren hatte, als Arzt zu praktizieren. Trotz fehlender gesetzlicher Befugnis betrieb er eine reguläre Praxis und führte eine Vielzahl von Eingriffen durch, für die er weder qualifiziert noch versichert war. Sein Tätigkeitsfeld umfasste nicht nur Routineuntersuchungen bei Erwachsenen und Kindern, sondern auch invasive Eingriffe wie Botox-Injektionen und sogar chirurgische Beschneidungen.

Um sein Vorgehen vor der Öffentlichkeit und Institutionen zu verschleiern, bediente er sich der Identität eines legitimen Kollegen. Laut Ermittlern nutzte er systematisch und ohne Wissen oder Zustimmung den offiziellen Arztstempel eines anderen Arztes, der seine Praxis erst kürzlich an dieser Adresse eröffnet hatte. Dieser Trick ermöglichte es ihm, Leistungen abzurechnen, Dokumente auszustellen und den Eindruck einer legal funktionierenden medizinischen Einrichtung zu erwecken.

Die Zusammenarbeit mehrerer Institutionen vor Ort zeigte, dass es sich nicht nur um Verstöße gegen medizinische Vorschriften handelte. Am Einsatz beteiligt waren das Magistrat MA 6 für Vollstreckung, die Gesundheitsabteilung MA 15, die Sozialabteilung MA 40, die Wiener Polizei, die Ärztekammer und die spezialisierte Organisation ÖQMed, die sich auf die Qualität medizinischer Einrichtungen konzentriert. Der koordinierte Schlag deckte ein Netz verschiedener Delikte auf, darunter illegale Beschäftigung von Schwarzarbeitern und unrechtmäßiger Bezug von finanzieller Unterstützung aus dem Wiener Mindestsicherungssystem.

Abgelaufene Medikamente und unsachgemäße Lagerung

Die Bedingungen, unter denen der selbsternannte Arzt praktizierte, waren aus hygienischer und sicherheitstechnischer Sicht katastrophal. Die Kontrolleure fanden Dutzende Packungen von Medikamenten, deren Haltbarkeitsdatum längst abgelaufen war, sowie abgelaufene Spritzen und Infusionsmaterial. Auf Regalen und Tischen lagen angebrochene Medikamentenfläschchen, die völlig unsachgemäß gelagert wurden, was das Risiko einer bakteriellen Kontamination und Vergiftung der Patienten erheblich erhöhte.

Besonders schwerwiegend war der Fund von Arzneimitteln, die keine Zulassung und Registrierung auf dem EU-Markt hatten. Diese unbekannten Präparate wurden sofort für weitere Laboranalysen sichergestellt. Ein Beweis für die völlige Gleichgültigkeit gegenüber elementarer Sicherheit war auch, dass ein Teil der Medikamente in einem unverschlossenen Plastikbehälter direkt im Wartezimmer stand, wo Erwachsene und Kinder ungehinderten Zugang hatten.

Ein solches Versagen grundlegender Sicherheitsmechanismen setzte die Besucher der Praxis einem unmittelbaren Risiko aus. Hätte ein Kind oder Erwachsener in einem unbeobachteten Moment in die Schubladen des mobilen Wagens gegriffen, hätte es zu fatalen Unfällen oder versehentlichen Überdosierungen kommen können. Die Einrichtung erfüllte keinerlei grundlegende Standards für den Umgang mit gefährlichen Stoffen und biologischem Abfall.

Fehlende Geräte und gefährliche Elektroinstallation

Die Liste der Verstöße setzte sich auf diagnostischer und technischer Ebene fort. In der gesamten Praxis fehlte jegliche vorgeschriebene Ausrüstung zur Bewältigung lebensbedrohlicher Notfälle. Im Falle eines plötzlichen Herzstillstands, eines anaphylaktischen Schocks nach Medikamentengabe oder eines anderen kritischen Zustands stand dem Personal weder ein Defibrillator noch die gesetzlich vorgeschriebenen grundlegenden Reanimationshilfen zur Verfügung.

Die Geräte, die der Arzt zur Diagnose von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich Elektrokardiogrammen, verwendete, hatten keine Dokumente über regelmäßige technische Prüfungen und Sicherheitsüberprüfungen. Die Nutzung ungetesteter Technik konnte zu völlig falschen Diagnosen und zur Vernachlässigung schwerwiegender Erkrankungen bei Dutzenden Menschen führen. Zudem wies das Gebäude ernsthafte Mängel in der Elektroinstallation auf, darunter aus den Wänden gerissene Steckdosen und provisorisch verlegte elektrische Kabel, die Patienten der Gefahr eines Stromschlags oder Brandes aussetzten.

Nulltoleranz und sofortige Schließung

Die Reaktion der zuständigen Behörden erfolgte umgehend und ohne jegliche Kompromisse. Das Wiener Magistrat reichte vor Ort umfangreiche Anzeigen wegen Verstößen gegen das österreichische Ärztegesetz ein. Die Polizei übernahm den Fall mit dem Verdacht auf besonders schweren Betrug und weitere Straftaten im Zusammenhang mit Gesundheitsgefährdung und illegaler Bereicherung.

Um jegliche weitere Gefährdung der Öffentlichkeit und Manipulation von Beweismaterial zu verhindern, versiegelten Techniker das Gebäude und tauschten die Sicherheitsschlösser aus. Walter Hillerer, Leiter der Sofortmaßnahmen-Gruppe, erklärte, dass der Arztberuf ein hohes gesellschaftliches Vertrauen genießt und jeglicher Missbrauch von Patienten in ihrem verletzlichsten Zustand eine rote Linie überschreitet. Die Wiener Stadtverwaltung kündigt an, auch in Zukunft kompromisslos ähnliche Kontrollen in risikobehafteten Einrichtungen durchzuführen.

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Quellen:

Stadt Wien

Symbolbild: Copyright: Gruppe Sofortmaßnahmen

Autor: Boris Zima

Mail: boris.zima@viedencan.at