Während Familien jeden Euro umdrehen, feiern Energieriesen milliardenschwere Gewinne

Neue Inflationsdaten enthüllen eine unangenehme Wahrheit. Während die allgemeine Teuerung in Österreich im Juli 3,6 Prozent erreichte, steigen die Rechnungen für Strom, Lebensmittel und Wohnen viel dramatischer. Dieser Druck trifft mit überwältigender Kraft die am wenigsten Begünstigten: Familien mit Kindern in materieller Not, Alleinerziehende und Haushalte mit mehreren Kindern. Paradoxerweise, während für viele der tägliche Einkauf und die Bezahlung von Rechnungen zu einer existenziellen Herausforderung werden, kumulieren die Energieunternehmen Rekordgewinne, von denen der Staat laut Kritikern nur einen Bruchteil abbekommt.

Offizielle Statistiken mögen auf den ersten Blick milder erscheinen, doch der Teufel steckt im Detail. Laut einer Pressemitteilung von Volkshilfe Österreich, veröffentlicht am 20. August 2025, ist die Inflationsrate von 3,6 Prozent im Juli nur ein Durchschnitt, der die tatsächliche Belastung für einkommensschwache Haushalte verschleiert. Schlüsselposten, die einen wesentlichen Teil ihres Budgets ausmachen, sind nämlich um ein Vielfaches teurer geworden. Der Preis für elektrische Energie ist im Jahresvergleich um alarmierende 35,3 Prozent gestiegen, Lebensmittel sind um 5,2 Prozent teurer und die Wohnkosten, repräsentiert durch die Miete, sind um 4,2 Prozent gestiegen.

Ein noch genaueres Bild der Realität der Menschen bietet der sogenannte Mikrowarenkorb, der Artikel des täglichen Bedarfs wie Brot, Milch oder Kraftstoffe umfasst. Dieser ist um bis zu 5,1 Prozent teurer geworden, was deutlich über der allgemeinen Inflationsrate liegt. Auf diese Diskrepanz weist auch der Direktor der humanitären Organisation Volkshilfe, Erich Fenninger, hin. „Für Menschen mit niedrigem Einkommen ist nicht der durchschnittliche statistische Warenkorb entscheidend, sondern wie viel ihr tägliches Leben kostet. Wer fast sein ganzes Einkommen für Wohnen, Energie und Essen ausgeben muss, hat keine Möglichkeit zu sparen. Vor der Teuerung kann man sich einfach nicht verstecken“, erklärt Fenninger.

Spirale der Energie- und Lebensmittelarmut

Die gegenwärtige Situation dreht somit direkt eine gefährliche Spirale der Armut. Es geht nicht mehr nur um Lebensmittelarmut, bei der sich Familien qualitativ hochwertige Nahrung verweigern müssen, sondern zunehmend auch um Energiearmut. Die Angst vor der nächsten Rechnung für Strom oder Gas wird für viele Österreicher zur alltäglichen Realität.

Fenninger kritisiert scharf die aktuelle Marktverfassung, die seiner Meinung nach in der Krise versagt. „Während Familien nicht wissen, wie sie den täglichen Einkauf oder die nächste Stromrechnung bezahlen sollen, melden die Energieanbieter übermäßige Gewinne in Milliardenhöhe – und die meisten davon können sie behalten. Der Markt reguliert hier nichts, im Gegenteil, er vertieft nur die bestehende Ungleichheit“, behauptet der Direktor von Volkshilfe. Seine Organisation unterstützt daher eindeutig die kürzlich eröffnete Diskussion über mögliche staatliche Preisinterventionen, die vom Vizekanzler und Finanzminister initiiert wurde, und fordert die sofortige Annahme von Maßnahmen.

Milliardengewinne und symbolische Abgaben

Die Worte über enorme Gewinne werden auch durch Daten bestätigt. Eine Analyse des Momentum Instituts zeigt, dass neun Hauptanbieter von Energie in Österreich im letzten Jahr einen gemeinsamen Gewinn von 2,6 Milliarden Euro erzielt haben. Das sind etwa 1,5 Milliarden Euro mehr als ihr Durchschnitt in den Jahren vor der Krise. Wenn wir den Zeitraum von 2022 bis 2024 betrachten, haben ihre kumulierten übermäßigen Gewinne sogar 3,4 Milliarden Euro erreicht.

Der Staat hat zwar versucht, auf diese Situation mit der Einführung eines sogenannten Energiekrisenbeitrags zu reagieren, mit dem ein Teil dieser außergewöhnlichen Gewinne besteuert werden sollte. Die Effektivität dieses Instruments ist jedoch laut Kritikern fraglich. Von der gesamten Summe der übermäßigen Gewinne konnte der Staat durch diese Steuer nur 5,5 Prozent zurückgewinnen. Der Rest blieb bei den Unternehmen, die ihn an Aktionäre ausschütten oder für weitere Investitionen verwenden können.

Diese Kluft zwischen der alltäglichen Realität von Tausenden von Familien und den finanziellen Ergebnissen der Energiekonzerne schafft in der Gesellschaft starken Druck. Während die Öffentlichkeit zum Sparen und Verzicht aufgefordert wird, profitieren die Schlüsselakteure auf dem Energiemarkt von einer Situation, die die normalen Menschen in die Knie zwingt. Die Frage, ob der Staat energischer in die Preisgestaltung eingreifen und die Last der Krise gerechter verteilen sollte, wird somit zu einem der drängendsten politischen und gesellschaftlichen Themen der Gegenwart. Die Antwort darauf wird nicht nur die wirtschaftliche Stabilität der Verwundbarsten bestimmen, sondern auch das Maß an sozialer Kohäsion im Land.

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Quelle: Volkshilfe Österreich Foto: https://images.pexels.com/photos/19867372/pexels-photo-19867372.jpeg