Wenn Schulden Sie einholen, verlangt die Bank dreihundert Euro. Die österreichische Schande-Rangliste zeigt, wie Finanzinstitute Menschen in Not bestrafen

Wir leben in Zeiten, in denen finanzielle Sicherheit für Hunderttausende Haushalte ein relativer Begriff geworden ist. Ein unerwarteter Einkommensausfall, eine längere Krankschreibung oder unvorhergesehene Ausgaben im Haushalt können das präzise geplante Familienbudget wie ein Kartenhaus zum Einsturz bringen. Eine Person, die bis dahin ihre Verpflichtungen gewissenhaft erfüllt hat, steht plötzlich an einem Scheideweg, an dem sie ihre Bank um Hilfe bitten muss – sei es um einen vorübergehenden Zahlungsaufschub oder um eine Anpassung des Tilgungsplans.

Die Logik des gesunden Menschenverstandes würde sagen, dass die Finanzinstitution, mit der Sie eine langjährige Beziehung haben, versucht, Ihnen entgegenzukommen und Ihnen hilft, die schwierige Zeit zu überbrücken. Die Realität auf dem Bankensektor zeigt jedoch ein völlig anderes Gesicht. Wenn Sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten, drücken Banken Sie oft statt mit einer helfenden Hand mit absurden Gebühren zu Boden. Dies geht aus der neuesten detaillierten Überwachung der österreichischen Arbeiterkammer – AK hervor, die das Verhalten der dortigen Banken unter die Lupe genommen hat.

Ihre Erkenntnisse sind ein frostiger Einblick in die Art und Weise, wie ein Geschäftsmodell, das auf Gebühren basiert, auf Menschen, die tief in die Tasche greifen müssen, parasitiert. Fünf von elf überprüften Banken haben im vergangenen Jahr erneut flächendeckend die Preise erhöht. Der durchschnittliche Anstieg liegt zwar bei etwa drei Prozent, doch der Teufel steckt im Detail – insbesondere bei den Gebühren im Zusammenhang mit Kreditprodukten.

Strafe dafür, dass Sie kein Geld haben

Analysten der Kammer haben mehr als fünfzig verschiedene Gebührenposten bei neuen Verträgen untersucht. Das Ergebnis? Wenn Sie um einen Zahlungsaufschub bitten, weil Ihnen die Zahlungsunfähigkeit im Nacken sitzt, erhalten Sie in einigen Institutionen sofort eine Ohrfeige in Form einer Strafgebühr, die die Grenze von dreihundert Euro erreicht.

Stellen Sie sich vor, Sie können die zweihundert Euro monatliche Rate für Ihre Hypothek oder Ihren Konsumkredit nicht bezahlen. Sie gehen mit reinem Gewissen und dem Willen, die Situation zu klären, zur Bank. Im Austausch dafür, dass die Bank Ihnen für ein paar Monate erlaubt, keine Raten zu zahlen, wird Ihnen jedoch sofort eine Verwaltungsgebühr in Rechnung gestellt, die die monatliche Rate übersteigt. Dies ist ein klassischer Paradox: Die Bank bestraft den Kunden für Geldmangel, indem sie von ihm zusätzliches Geld verlangt.

In dieser imaginären Rangliste der Rücksichtslosigkeit dominiert eindeutig die österreichische bank99. Diese hat im beobachteten Zeitraum von Januar letzten Jahres bis Januar dieses Jahres die Preise für vierzehn ihrer Dienstleistungen erhöht. Wenn Sie bei ihnen um einen Zahlungsaufschub (sogenannte stundung) bitten, zahlen Sie eine feste Gebühr von 299 Euro. Etwas gnädiger sind Giganten wie Erste Bank oder HYPO NOE, die für denselben Vorgang ohne zu zögern 250 Euro verlangen. Die traditionelle Bank Austria bleibt bei 63 Euro und die Allianz BAWAG/easybank bei fünfzig Euro.

Eine noch absurdere Situation entsteht, wenn Sie die Rückzahlung nicht vollständig unterbrechen, sondern versuchen, mit der Bank einen neuen, realistischeren Plan zu vereinbaren – beispielsweise eine Senkung des monatlichen Betrags und eine Verlängerung der Gesamtlaufzeit. Dann kehrt sich das Blatt und am härtesten trifft es BAWAG/easybank, die für die Vertragsänderung und die Anpassung des Tilgungsplans satte 300 Euro berechnet. Die erwähnte bank99 bleibt nur um einen Euro zurück und das Duo Erste Bank und HYPO NOE bleibt seiner zweihundertfünfundzwanzig Euro Gebühr treu.

Diese Zahlen beweisen eindeutig, dass die Gebührenpolitik vieler Banken völlig den sozialen Kompass verloren hat. Eine Person in Not wird zum idealen Ziel für die Generierung zusätzlicher Gewinne. Darüber hinaus betrifft die Preiserhöhung nicht nur Krisensituationen. Die erwähnte bank99 hat beispielsweise die Gebühr für einen einfachen Verwaltungsakt im Grundbuch von 94 Euro auf 116 Euro erhöht.

Wie sich verteidigen, wenn die Bank Ihnen im Nacken sitzt?

Wenn Sie sich in einer Situation befinden, in der Sie ernsthaft Gefahr laufen, die nächste Rate nicht zu überweisen, raten Verbraucherschützer, nicht in Panik zu geraten, sondern vor allem nicht totzustellen. Das Ignorieren von Mahnungen ist die schlechteste Strategie, die Sie schnell zum Vollstrecker führt. Es gibt mehrere Schritte, die Sie unternehmen können, bevor die Bank über Ihnen den Stock bricht.

Der erste und entscheidende Schritt ist sofortige Verhandlung. Viele Menschen leben in der Vorstellung, dass die Preisliste der Bank in Stein gemeißelt ist und nicht veränderbar. Die Wahrheit ist jedoch, dass Banken insbesondere bei langjährigen Kunden mit guter Historie bereit sind, über Gebühren für Zahlungsaufschübe oder Vertragsänderungen zu diskutieren und in Einzelfällen diese zu senken oder zu erlassen. Die Finanzinstitution bevorzugt letztendlich den Kunden, der kommuniziert, gegenüber jemandem, der einfach aufhört zu zahlen.

Wenn Sie sich für einen Zahlungsaufschub entscheiden, müssen Sie auf versteckte Fallstricke achten. Ein Aufschub bedeutet nämlich nicht, dass Ihre Schulden eingefroren werden. In den meisten Fällen laufen die Zinsen auch während der Zeit weiter, in der Sie tatsächlich nichts zahlen. Diese Zinsen werden dann zur Gesamtschuld addiert, was bedeutet, dass Ihre Gesamtschuld nach dem Aufschub paradoxerweise höher sein wird als zuvor. Experten empfehlen daher, zu versuchen, mit der Bank eine sogenannte Zinsobergrenze zu vereinbaren, obwohl Banken nur sehr ungern darauf eingehen.

Falls Ihre finanziellen Probleme nicht nur ein kurzfristiger Ausfall sind, sondern eine tiefgreifende, langfristige Verschuldung darstellen, bei der Sie nicht einmal die grundlegenden Lebenshaltungskosten decken können, ist es an der Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In jeder modernen Gesellschaft gibt es staatlich anerkannte und kostenlose Schuldenberatungen. Diese Experten können Ihre Situation objektiv analysieren, professionell mit Gläubigern kommunizieren und Lösungen vorschlagen, einschließlich Privatinsolvenz oder Schuldenkonsolidierung, für die Sie selbst nicht die rechtliche Kraft oder das Wissen hätten.

Der Markt hat versagt, der Staat und neue Gesetzgebung sind am Zug

Die systematische Ausbeutung verletzlicher Bevölkerungsgruppen durch Finanzinstitute zeigt deutlich, dass es naiv ist, sich auf die Selbstregulierung des Marktes in diesem Sektor zu verlassen. Aus diesem Grund wird in Österreich derzeit intensiv über eine neue Form des Verbraucherkreditgesetzes diskutiert, das im November 2026 in Kraft treten soll.

Die Arbeiterkammer schlägt im Rahmen des Anhörungsverfahrens Alarm und fordert eine radikale Stärkung des Verbraucherschutzes. Der aktuelle Gesetzesentwurf wird als zahnlos und unzureichend angesehen. Verbraucherschützer fordern, dass der Staat mit harter Hand eingreift und klare Grenzen setzt, die es den Banken nicht erlauben, auf menschlichem Unglück zu parasitieren.

Zu den Hauptforderungen gehört ein vollständiges Verbot und die Streichung sogenannter Wuchergebühren für Zahlungsaufschübe und Vertragsänderungen. Laut der Kammer ist es inakzeptabel, dass die Genehmigung von zwei Zeilen im System den Kunden dreihundert Euro kostet. Ein zweiter wesentlicher Punkt ist die Änderung der Regeln für die sogenannte Fälligkeit von Krediten. Heute kann die Bank bei einem einzigen Zahlungsverzug theoretisch den Prozess einleiten, bei dem sie sofort den gesamten Restbetrag von Ihnen einfordert, was für eine Familie sofortige Liquidation bedeutet. Der neue Vorschlag verlangt, dass dieser Schritt erst erfolgen kann, wenn der Kunde mindestens zwei Monatsraten schuldet und die Gesamtschuld mindestens fünf Prozent des gesamten Kreditvolumens erreicht.

Nicht zuletzt richtet sich die Kritik gegen fehlende Obergrenzen für Zinssätze. Der Leiter der Verbraucherschutzabteilung der AK, Christian Prantner, weist darauf hin, dass das geplante Gesetz die Begrenzung von Überziehungszinsen völlig ignoriert, was insbesondere junge Menschen betrifft, die oft in tiefen Minuszahlen auf ihren Girokonten enden. Die aktuellen allgemeinen Paragraphen über Wucher im Bürgerlichen Gesetzbuch sind in der Praxis nämlich schwer durchsetzbar und für den Durchschnittsbürger ineffektiv.

Die Aufgabe eines modernen Staates und seiner Institutionen ist es, die Schwächeren vor den Stärkeren zu schützen. Der Finanzsektor verfügt über einen riesigen Apparat von Juristen und Analysten, während der durchschnittliche Verbraucher oft nicht weiß, was er in den kleinen Buchstaben am Ende des Vertrags unterschreibt. Wenn das Bankensystem vertrauenswürdig sein soll, kann es nicht auf dem Prinzip basieren, dass es von der Unfähigkeit seiner Kunden, zu überleben, profitiert. Die geplante Gesetzgebung für 2026 wird ein Lackmustest dafür sein, ob die Politiker mehr Mut haben, sich für die Bürger einzusetzen, oder ob sie erneut der starken Bankenlobby nachgeben.

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Verwendete Quellen:

https://www.arbeiterkammer.at/beratung/konsument/Geld/Konto/AK_Bankenmonitor.html

Foto: https://www.pexels.com/de-de/foto/ledernote-mit-euro-banknoten-und-pflanze-30423876/