Sisi: Die wahre Kaiserin Elisabeth jenseits des Mythos

Vergessen Sie den kitschigen Film mit Romy Schneider! Die echte Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sisi, war ein Stoff für die Klatschpresse, der selbst heutige Promis vor Neid erblassen ließe. Sie war nicht nur die unglückliche Kaiserin, sondern vor allem eine furchtlose Rebellin, die mit ihrer Familie und dem Hof kämpfte, um ihr eigenes, extremes Leben zu führen. Ständig floh sie aus Wien, war besessen von Schönheit und Diäten, und ihre extravaganten Reisen durch Europa sowie ihre Beziehung zu Ungarn machten sie zur europäischen Superheldin. Genau diese Art von Klatschgeschichte verdient einen Platz in der Geschichte. Die Erzählung einer Frau, die wie eine Disney-Prinzessin wirkte, aber ein Leben wie aus einem Horrorfilm führte.
Sisi war für den Wiener Hof eine so unglückliche Wahl, als hätte man eine Hippie-Frau der 60er Jahre nach Versailles gesetzt. Sie kam aus der freien, bayerischen Umgebung, wo das Leben sich um Pferde und Natur drehte. Und plötzlich – der Hofburg!
Hier herrschte das strenge „spanische Hofzeremoniell“, was bedeutete, dass jeder ihrer Schritte, jedes Wort und sogar wann sie lächeln durfte, streng reglementiert war. Dazu kamen die Konflikte mit ihrer Schwiegermutter, Erzherzogin Sophie, einer so eisernen Lady, dass selbst Maria Theresia daneben wie eine liebe Großmutter wirkte. Sophie nahm ihr die ersten Kinder weg, um sie „kaiserlich“ zu erziehen, was Sisi ihr nie verzieh.
Ihre Reaktion? Totale Flucht! Schon nach wenigen Jahren begann sie, Wien zu meiden. Und ihr Liebesleben mit Franz Joseph? Nach der Geburt von vier Kindern und der Sicherung des „Thronfolgers“ durfte sich der Kaiser angeblich anderweitig trösten (und fand Trost bei der Schauspielerin Katharina Schratt), während Sisi auf der Flucht war.
Diätwahn: Kaiserin als Fitness-Guru und ihr Schönheitsfimmel
Ihre Besessenheit mit Schönheit war nicht nur eine Laune, sondern eine politische Aussage. Wenn sie ihr Leben nicht kontrollieren konnte, so doch ihren Körper. Und den kontrollierte sie rigoros:
Gymnastik im Thronsaal: Stellen Sie sich vor, Sie betreten die Gemächer in der Hofburg und finden die Kaiserin nicht beim Sticken, sondern beim Klimmzüge machen an Stangen, die sie heimlich in Türrahmen montieren ließ! Sie trainierte bis zu drei Stunden täglich. In ihren Zimmern gab es auch Barren und schwedische Leitern.
Haarterror: Ihr Haar, das bis zum Boden reichte, war buchstäblich ihre Krone. Es wurde mit einem Shampoo aus rohen Eiern und Cognac gewaschen. Der ganze Vorgang dauerte einen halben Tag. Da sie nervös war, musste ihre Friseurin, Fanny Feifalik, währenddessen singen und sie unterhalten. Die unglückliche Friseurin musste der Kaiserin dann die Schüssel mit den ausgekämmten Haaren zeigen!
Flüssiges Mittagessen: Ihre Diät war verrückt. Manchmal aß sie nur Orangen, manchmal Brühe oder nur rohe Milch. Um ihren 50-Zentimeter-Taille zu halten, ließ sie sich nachts in feuchte, lederne Tücher wickeln, um sich „zusammenzuziehen“. Wenn sie schlechte Laune hatte, zog sie schwarze Kleider an und verweigerte das Essen. Es war ihre stille Rebellion.
Tätowierungen und verbotene Liebschaften: Freiheit auf See
Sisi war einfach eine Abenteurerin. Sie floh vor dem Hof auf lange Reisen inkognito, erkundete Häfen und führte ein geheimes Reisetagebuch.
Schockierendes Tattoo: Auf einer ihrer Reisen ließ sie sich in einer Hafenstadt etwas machen, das heute eine Schlagzeile wert wäre: ein Anker-Tattoo auf der Schulter (oder laut anderen Quellen auf der Taille). Es war ein Symbol ihres Freiheitsdrangs, doch für eine Kaiserin des 19. Jahrhunderts ein echter Skandal!
Andrássy, der verständnisvolle Ungar: Der größte Skandal (obwohl nie bestätigt) war ihre Beziehung zum ungarischen Grafen Gyula Andrássy, den Wien als Revolutionär betrachtete. Sisi verbrachte lange Stunden mit ihm auf Schloss Gödöllő bei Budapest, führte tiefgründige Gespräche, und ihre Liebe zu Ungarn war unbestreitbar. Gerüchte über eine Affäre kursierten, doch er war wohl der einzige Mensch, der ihre Seele wirklich verstand.
Dunkles Finale: Mayerling und der Tod in Genf
Ihr Leben zerbrach 1889, als ihr einziger Sohn, Kronprinz Rudolf, im Jagdschloss Mayerling tot neben seiner jungen Geliebten Mary Vetsera gefunden wurde.
Vertuschung der Wahrheit: Der kaiserliche Hof versuchte, diesen Selbstmord aus Liebe/Verzweiflung/politischer Verschwörung zu vertuschen und behauptete, Rudolf sei an einem Herzinfarkt gestorben. Die Leiche der jungen Mary Vetsera musste nachts heimlich im Wagen hinausgeschmuggelt werden, damit es so aussah, als sei sie noch am Leben. Die ganze Aktion war eine reine Tragikomödie.
Schwarze Sisi: Rudolfs Tod zerstörte Sisi. Den Rest ihres Lebens trug sie fast ausschließlich schwarze Kleider (nur in Ungarn erlaubte sie sich Farben). Sie verlor den Lebenswillen. Sie wurde zur „fliegenden Kaiserin“, reiste durch ganz Europa, fast inkognito, das Gesicht hinter einem großen schwarzen Sonnenschirm und Fächer versteckt.
Ihr Ende war absurd prosaisch. 1898 wurde sie in Genf von dem italienischen Anarchisten Luigi Lucheni mit einer Feile ins Herz gestochen. Sisi bemerkte zunächst nicht einmal, dass sie verletzt war. Sie stand auf, ging ein paar Schritte und brach dann zusammen. Sie starb am Pier, bereit, ein Schiff zu besteigen und den Ort zu verlassen, wie sie es ihr ganzes Leben lang getan hatte. Die Kaiserin, die den Hof und die Rituale hasste, fand den Tod auf der Flucht. Ein Ende, das sich kein Klatschblatt hätte ausdenken können.
Info: Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten sind die des Autors und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten des Herausgebers wider. Für den Inhalt dieses Artikels ist der Autor verantwortlich.
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Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_von_%C3%96sterreich#/media/Datei:Elisabeth_of_Austria,_by_Franz_Xaver_Winterhalter.jpg Von Franz Xaver Winterhalter – Hofburg Palace, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2130346
Verwendete Quellen:
Illustrationsfoto:
Autorin: Eva Vengrická
Mail: eva.vengricka@viedencan.at












