Überlegungen zur Zukunft der Arbeit

In der heutigen Zeit begegnen wir immer häufiger den Meinungen der Generation 55 plus, die behauptet, dass junge Menschen im Alter von achtzehn Jahren nach Wegen suchen, um der täglichen und oft auch stereotypen Arbeit zu entkommen. Die junge Generation hat ihre Dynamik, Pläne und Wünsche, wobei viele von ihnen lieber gefeierte Stars in sozialen Netzwerken wären, als im Büro zu sitzen. Doch den Status eines Stars zu erreichen, ist nicht so einfach, und deshalb haben viele junge Menschen keine Wahl und müssen arbeiten.

Die Nachtschichten, die Teil meiner Arbeit mit Menschen mit Behinderungen sind, nutze ich für Gespräche mit einem Kollegen. In meiner Einrichtung sind wir zu zweit in der Nachtschicht und finden immer Zeit für „Cik und Pokec“. Diese Diskussionen sind für uns sehr wichtig. Ich habe die Möglichkeit, meine Kollegen näher kennenzulernen, über Arbeitsprobleme, Erfolge oder kleine Freuden zu diskutieren. Bei einer kürzlichen Nachtschicht haben meine Kollegin und ich über die nahe Zukunft unseres Teams nachgedacht, und es hat uns buchstäblich erschüttert. Jeder der Kollegen, und das sind 15 von uns, hat seine Pläne für die Zukunft. Mein Kollege und ich sehen die Ziellinie zur Rente, die frühestens in fünf Jahren erreicht wird. Die anderen Teammitglieder, die vor und um die dreißig sind, haben ihre Pläne. Sie ergänzen ihre Ausbildung neben der Arbeit, studieren an Universitäten und denken langsam über die Gründung von Familien nach. An dieser Stelle möchte ich jedoch anmerken, dass viele nur darüber nachdenken, „einmal“ eine Familie zu gründen, aber ob das jemals kommt, kann niemand beantworten.

Herausforderungen in der Sozialarbeit

Unsere Arbeit ist zeitaufwendig, offen gesagt, sehr schwer mit dem Familienleben zu vereinbaren. Ein Elternteil, der allein mit einem Kind lebt, kann diese Arbeit nur mit großer Unterstützung von Familie oder Freunden ausüben. Jedes zweite Wochenende Dienst von 9 bis 20 Uhr, dazu jede Woche 1-2 Mal Nachtschicht. Am schlimmsten sind die sogenannten Tagschichten, die von 14 bis 20 Uhr gehen, zu einem Zeitpunkt, wenn die Kinder von der Kita oder Schule nach Hause kommen. Am Nachmittag kommen unsere Klienten aus den Tagesstätten zurück und benötigen Betreuung bis zum Abend, bevor sie schlafen gehen. In der Firma haben wir mehrere Paare, die mit ihren Kindern in ihren Teams Dienste organisieren, sodass einer zu Hause und der andere bei der Arbeit ist.

In der Realität bedeutet das jedoch, dass sich die Partner nur bei den Kindern abwechseln, und bei vielen hat das im Laufe der Zeit zu Entfremdung und auch zur Trennung geführt. Aus eigener Erfahrung kann ich belegen, dass auch mein Mann mit Menschen mit Behinderungen arbeitet und bei uns gibt es Wochen, in denen wir mehr telefonieren, als uns sehen. Es kommt nicht selten vor, dass einer in die Nachtschicht geht (die unterschiedlich beginnt, einige bereits um 15 Uhr) und der andere von der Nachtschicht gegen zehn Uhr morgens zurückkommt, sodass wir uns vielleicht 5 Stunden zusammen sehen. Wir versuchen, jeden Monat mindestens zweimal etwas zusammen zu unternehmen – Kino, Abendessen, wir planen, wie es geht. Meine jüngeren Kollegen haben ihre Familien oder Lebenspartner außerhalb von Wien und so versuchen wir, ihnen entgegenzukommen und tauschen Dienste, damit sie länger zu Hause sein können. Drei von den Kollegen haben uns bereits im Voraus mitgeteilt, dass sie im nächsten Jahr geografische Veränderungen planen und in andere Bundesländer Österreichs ziehen werden.

Unsicherheit der Zukunft

Im Team stehen wir wieder dort, wo wir fast jedes Jahr stehen, und schauen mit Unsicherheit in die Zukunft. Mit einer jungen Kollegin haben wir darüber nachgedacht, wie man den Abfluss von Arbeitskräften aus dem sozialen Bereich verringern könnte, und viel haben wir nicht herausgefunden. Eines ist sicher, die schwere Arbeit, sei es von Pflegekräften, Krankenschwestern oder von denen, die mit Menschen mit Behinderungen arbeiten, kann nicht durch Roboter ersetzt werden. Sie können sicherlich helfen, aber sie ersetzen nicht den empathischen menschlichen Faktor. Mit meiner Kollegin waren wir uns einig, dass in Zukunft, vor allem wegen personeller und finanzieller Probleme, das gesamte System in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen vollständig überdacht werden muss. Neue Strategien erfordern auch neue Arbeitszeiten, und es ist fraglich, wie viele Mitarbeiter sich an das System anpassen werden.

Auf der einen Seite klopfen Politiker „an die Wand“ und das nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen europäischen Ländern und fordern, dass sich die Bevölkerung „wunderbar“ vermehrt. Priorität für die Zukunft: Kinder! Wer soll sie haben? Junge Menschen! Haben sie die passenden Bedingungen für Kinder? Darüber könnte man sicherlich stundenlang diskutieren! Was sind konkret die geeigneten Bedingungen für die Gründung einer Familie? Inwieweit muss der Staat am Familienleben teilnehmen? Finden wir als Gesellschaft einen Dialog? Mir bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Schon heute haben wir Probleme, in einem kleinen Team alle Arbeitsplätze zu besetzen. Ganz zu schweigen davon, wenn jemand wegen Krankheit ausfällt und wir ständig vertreten müssen. Überstunden werden uns nicht bezahlt und freie Tage sind nicht immer möglich. Realität des Tages. Aussichten für die Zukunft? Unsicher! In ein paar Jahren wird eine große Welle meiner Generation in Rente gehen. Gestern war es schon zu spät, um über die Zukunft nachzudenken.

Haben Sie mögliche Lösungen?

Verwendete Quellen:

Illustrationsfoto:

https://www.pexels.com/de-de/foto/hande-erde-begrifflich-illustration-7048012/

Autor: Jana Graff Löwbeer

Mail: jana.graff@viedencan.at