Aus Erde und Abfall ein grünes Paradies: Wie die Wiener Löwygrube eine neue Seele für Menschen und vierbeinige Freunde fand

Wenn man Wien sagt, stellt sich die Mehrheit von uns pompöse Architektur an der Ringstraße, gepflegte Gärten des Schlosses Schönbrunn oder den Duft von Kaffee in traditionellen Cafés vor. Die österreichische Metropole birgt jedoch auch andere, viel faszinierendere Geschichten der Transformation. Geschichten von Orten, die der Mensch zunächst bis zum Maximum ausgebeutet hat, dann in eine Wunde im Körper des Landes verwandelte, um ihnen schließlich mit Demut ihre natürliche Würde zurückzugeben.
Genau so ein Ort ist die Löwygrube – ein riesiges Stück Grün im zehnten Wiener Bezirk Favoriten, das heute vor fröhlichem Leben pulsiert, obwohl seine Vergangenheit von Fabriken und dem Gestank von Abfall geprägt war.
Wenn Sie einen Ort suchen, an dem sich städtische Urbanität mit wilder Freiheit verbindet und wo der müde Geist sofort einen Neustart findet, sollte diese Oase in der Natur im Stadtteil Oberlaa auf Ihrer Entdeckungsreise nicht fehlen. Sie ist der Beweis dafür, dass die Natur eine enorme Regenerationskraft hat, wenn wir ihr die Gelegenheit dazu geben.
Von harter Arbeit zu warmen Sonnenstrahlen
Der Name Löwygrube klingt für einen nicht deutschsprachigen Besucher vielleicht etwas geheimnisvoll, doch seine Herkunft ist prosaisch und tief in der Industriegeschichte Wiens verwurzelt. Alles begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Stadt einen enormen Bauboom erlebte. Am südlichen Stadtrand, im Gebiet Laaer Wald, befanden sich reiche Vorkommen an hochwertigem Ton. Dies nutzte der Unternehmer Jacob Löwy (1859–1942), der hier eine private Ziegelei gründete.
Jahrzehntelang wurde hier im Schweiße des Angesichts Erde abgebaut, Arbeiter formten Tausende von Ziegeln und Öfen spuckten Rauch, damit das moderne Wien wachsen konnte. Als die Vorräte erschöpft waren und die Ziegelei endgültig verstummte, blieben tiefe Narben in Form von abgebauten Gruben zurück. Doch die Natur gibt sich nicht so leicht geschlagen. Zwei dieser riesigen Gruben wurden mit Wasser gefüllt und es entstanden malerische Teiche, der Pfeifenteich und der Butterteich, die heute den romantischen Charakter des gesamten Gebiets prägen und an das industrielle Erbe dieser Region erinnern.
Dunkles Kapitel, das die Zeit geheilt hat
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schicksal dieses Ortes jedoch nicht freundlich. Wien musste eine enorme Menge an kommunalem Abfall loswerden und die verlassenen Ziegelei schien eine ideale, wenn auch aus heutiger Sicht barbarische Lösung zu sein. Von Anfang der 1950er Jahre bis zur Mitte der 1960er Jahre diente die Löwygrube als städtische Mülldeponie. Ein Ort, an dem einst die Industrie pulsierte, verwandelte sich in einen Haufen Müll.
Es dauerte Jahrzehnte, bis sich die Sichtweise auf die Ökologie änderte. Die Entscheidung, die ehemalige Mülldeponie in eine Erholungszone umzuwandeln, war mutig und erforderte enorme Anstrengungen. Ein entscheidender Meilenstein kam im Jahr 2011, als alle alten ökologischen Belastungen vollständig saniert und abgeschlossen waren. Die unterirdischen Schichten wurden sicher gesichert, um die Umwelt nicht zu gefährden. Aus der ehemaligen Deponie wurde ein sauberes, sicheres und geschütztes Landschaftsgebiet. Heute, wenn Sie über das weiche Gras gehen, würden Sie kaum erraten, welche Geheimnisse die Tiefen unter Ihren Füßen verbergen. Es ist ein Sieg des menschlichen Verstandes und der natürlichen Erneuerung.
Ein Paradies auf Erden für Hundebesitzer und Familien
Mit einer beeindruckenden Fläche von 164.000 Quadratmetern gehört die Löwygrube zu den wahren Giganten unter den Wiener Parks. Wenn Sie jedoch auf streng geschnittene englische Rasenflächen und betonierte Wege warten, werden Sie angenehm überrascht sein. Dieser Park wird nämlich mit sogenannter extensiver Pflege bewirtschaftet. Was bedeutet das in der Praxis? Es wird nur in dem notwendigen Maß gemäht, der natürliche Zyklus der Pflanzen wird respektiert und der Raum darf sein eigenes Leben leben. Das Ergebnis sind wunderschöne Wiesen voller Wildblumen und mächtige alte Bäume, die an heißen Sommertagen wohltuenden Schatten spenden.
Und jetzt eine riesige Besonderheit, die diesen Park zu einem weltweiten Unikat macht: Fast die gesamte Fläche der Löwygrube ist offiziell als sogenannte „Hundezone“ ausgewiesen – also eine Zone für den freien Auslauf von Hunden. Wenn Sie einen vierbeinigen Freund haben, ist dieser Ort für ihn ein absolutes Paradies auf Erden. Stellen Sie sich Hektar freien Laufens vor, wo Hunde ohne Leine herumtollen, sich sozialisieren und die Welt entdecken können. Die Atmosphäre ist unglaublich entspannt, voller Lachen der Besitzer und fröhlichem Gebell ihrer Lieblinge.
Der Park ist jedoch bei weitem nicht nur für Hunde gedacht. Die Stadtplaner haben an alle gedacht. Hier finden Sie einen hervorragend ausgestatteten Spielplatz, auf dem die kleinsten Besucher sich austoben können, und für Sportbegeisterte steht ein vollwertiges Fußballfeld bereit. Selbstverständlich gibt es auch moderne Infrastrukturen, die den Aufenthalt angenehm machen: saubere öffentliche Toiletten, zahlreiche Bänke zum Entspannen mit einem guten Buch in der Hand und natürlich erfrischende Trinkbrunnen, die während der Sommerhitze so manchen durstigen Hals retten.
Ein Ausblick, der Ihnen den Atem raubt
Die Löwygrube ist keine isolierte grüne Insel. Zusammen mit dem nahegelegenen Kurpark Oberlaa, dem Volkspark Laaerberg, dem bekannten Freizeitpark für Familien Böhmischer Prater und dem Waldgebiet Laaerwald bildet sie die riesigen grünen Lungen Wiens, bekannt als Großerholungsraum Laaerberg. Diese Orte sind miteinander verbunden und bieten endlose Möglichkeiten für Tagesausflüge, Joggen oder Radfahren.
Einer der größten Schätze des Parks Löwygrube ist jedoch seine geografische Lage und Geomorphologie. Für Geologie- und Erdgeschichtsliebhaber gibt es hier ein geschütztes Naturdenkmal mit der Bezeichnung 704. Es handelt sich um die ehemalige Abbauwand der historischen Ziegelei Rudolfsziegelöfen. Diese Wand gewährt einen Blick in die tiefe geologische Vergangenheit der Region und ergänzt ästhetisch den rauen, aber schönen Charakter der Landschaft.
Und dann gibt es da noch etwas für Romantiker und Fotografen. Da der Park auf einem erhöhten Hügel liegt, bietet er unerwartete Panoramablicke. Wenn Ihnen das Glück hold ist und der Wiener Himmel sich von Dunst befreit, eröffnet sich Ihnen von der Löwygrube ein Anblick, den Sie so schnell nicht vergessen werden. Wie auf einem Tablett sehen Sie das berühmte Wiener Prater mit seinem Riesenrad, dahinter erstreckt sich die Marchfeld-Ebene und am Horizont, zum Greifen nah, blitzen die Silhouetten unserer slowakischen Kleinen Karpaten auf. Es ist der Moment, in dem man erkennt, wie verbunden die Welt ist und wie nah wir unseren Nachbarländern sind.
Warum Sie hierher kommen müssen?
Die Löwygrube ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie eine moderne Großstadt ihre industrielle Vergangenheit in eine helle, ökologische Zukunft umwandeln kann. Es ist ein Ort, der nicht nach Heuchelei oder Snobismus riecht. Es ist ehrlich, wild, grün und voller Leben. Es lehrt uns, dass wir selbst die am meisten verwüsteten Stücke Erde mit ein wenig Willen und Respekt der Natur und der Gemeinschaft zurückgeben können.
Ob Sie ein müder Stadtbewohner sind, der nach einem Stück Ruhe sucht, ein begeisterter Hundebesitzer, eine Familie mit Kindern oder einfach ein Reisender, der Wien anders erleben möchte – ohne touristische Klischees – die Löwygrube heißt Sie mit offenen Armen willkommen. Packen Sie eine Decke ein, bringen Sie etwas zu essen mit und genießen Sie den Sonnenuntergang über dem Land, wo die Geschichte in pure Lebensfreude verwandelt wurde.
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Verwendete Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6wygrube
Illustrationsfoto: Von Gugerell – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41112458












