Wiener Experiment setzt auf kostenlose Karte und Open-Air-Veranstaltungen für Tausende von Jugendlichen

Während Inflation und steigende Lebenshaltungskosten die junge Generation zunehmend an den Rand des kulturellen und gesellschaftlichen Geschehens drängen, wählt die österreichische Metropole eine gegenteilige Strategie. Mit dem Beginn der Sommerferien startet das Wiener Jugendprogramm WIENXTRA-Frish ein ehrgeiziges Projekt, das sicherstellen soll, dass Freizeitaktivitäten in der Stadt nicht nur den wohlhabenderen vorbehalten sind. Die Lösung soll eine neue, vollständig kostenlose Vorteilskarte für Teenager und junge Erwachsene sein.

Das Projekt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Diskussion über soziale Inklusion von Jugendlichen an Intensität gewinnt. Der Zugang zu Sportaktivitäten, Filmpremieren oder Museen wird für das Budget von Studierenden oder Berufseinsteigern zunehmend spürbar. Die neue Initiative versucht daher, diese Barrieren systematisch abzubauen.

Wenn Freizeit kein Luxus mehr ist

Die Zielgruppe des Projekts ist klar definiert – es handelt sich um junge Menschen im Alter von 13 bis 26 Jahren. Gerade diese Kategorie spürt am stärksten den Mangel an finanziell erschwinglichen Alternativen im städtischen Umfeld. Laut den Vertretern des Programms sollte die Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben nicht von der Dicke der Geldbörse der Eltern oder dem begrenzten Einkommen von Studierenden abhängen.

„Vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung dürfen kein Luxus sein“, erklärte der Geschäftsführer der Organisation WIENXTRA, Vucko Schüchner. Das von der Stadt geförderte Programm strebt seiner Meinung nach langfristig an, dass Wien nicht zu einer Stadt der zwei Geschwindigkeiten wird, in der sich ein Teil der Jugend ein attraktives Programm leisten kann und der Rest zu Hause bleibt. Die Kombination aus neuen Rabatten und einem umfangreichen kostenlosen Programm soll garantieren, dass die kommende Saison für alle bunt und voller Erlebnisse sein wird.

Die Leitung der Plattform gibt offen zu, dass das Netzwerk der Partnerorganisationen, die an dem Projekt beteiligt sind, ständig wächst. Das Startangebot deckt jedoch bereits jetzt ein breites Spektrum an Interessen ab, von alternativer Kultur bis hin zu adrenalinhaltigen Aktivitäten.

Smartphone statt Bürokratie: So funktioniert der digitale Pass

Das aktuelle Management der städtischen Jugendprojekte kann sich nicht mehr auf veraltete bürokratische Verfahren verlassen. Das Projekt Frish setzt daher auf maximale Flexibilität und Anpassung an den Lebensstil einer Generation, die die meisten ihrer Aktivitäten über die Bildschirme ihrer Telefone koordiniert.

Die Karte ist primär als digitales Produkt konzipiert. Interessierte können sie kostenlos direkt von der offiziellen Website frish.at herunterladen oder einfach das visuelle Design als Screenshot in ihrer Galerie speichern. Bei der Einlösung von Rabatten bei Partnern reicht es aus, den Bildschirm des Smartphones zu zeigen.

Für diejenigen, die trotz der digitalen Ära eine physische Form bevorzugen oder kein kompatibles Gerät besitzen, gibt es auch eine klassische Alternative in der Größe einer Standard-Bankomatkarte. Die Plastikkarte wird von ausgewählten städtischen Jugendzentren verteilt, darunter das bekannte Wiener Jugendinfo, das Medienzentrum und die spezialisierte Spielhalle Spielebox.

Die Marketingkampagne verlagert sich ebenfalls dorthin, wo die Jugendlichen tatsächlich Zeit verbringen. Anstelle klassischer Flyer setzt das Projekt auf regelmäßige Informationen über die WhatsApp-App und dynamische Inhalte in den sozialen Netzwerken TikTok und Instagram, wo die einzelnen Standorte und Angebote in Form authentischer Videos präsentiert werden.

Von Open-Air-Kinos bis zur Geschichte kostenlos

Die Liste der ersten Vorteile deutet darauf hin, dass die Organisatoren versucht haben, das Angebot zwischen reiner Unterhaltung und informeller Bildung auszubalancieren. Die Wiener Szene der Freiluftkinos, die zu den traditionellen Symbolen des kulturellen Sommers dort gehört, wird für Karteninhaber mit einem Rabatt von einem Fünftel zugänglich sein – beispielsweise bei der beliebten Veranstaltung Kino am Dach.

Deutliche Preisnachlässe melden auch die Betreiber von Sportstätten und Spielzonen. Der Boulderbar im modernen Stadtteil Seestadt bietet während Juli und August ermäßigte Eintrittspreise für Kletterer an, während Fans digitaler Unterhaltung und E-Sports im August die Räumlichkeiten von Area 52 an Sonntagen zum halben Preis nutzen können. Für Anspruchsvollere steht eine virtuelle Realitätssimulation im Auhofcenter mit einem Rabatt von 20 Prozent oder ein organisierter Abonnements-Wassersport easy-canyoning für einen Festpreis von neun Euro zur Verfügung.

Ein wichtiges Signal ist auch der Zugang zu national bedeutenden Institutionen. Das Haus der Geschichte Österreich wird während der drei Sommermonate für alle Karteninhaber völlig kostenlos zugänglich sein, was den Bestreben der Stadt unterstreicht, Unterhaltung mit historischem Bewusstsein zu verbinden.

Laut Iris Gundacker, die das Programm WIENXTRA-Frish leitet, ist jetzt der ideale Zeitpunkt für eine Registrierung. Das Angebot an Vorteilen ist nicht endgültig und während des Sommers sollten weitere Betriebe hinzukommen, die ein junges Publikum ansprechen möchten.

Ferien ohne Geldbörse: Workshops, Musik und Filmwerkstätten

Obwohl die Rabattkarte das Herzstück der neuen Strategie bildet, startet die Stadt Wien parallel ein massives Paket an Aktivitäten, die für Jugendliche ohne jegliches Budget zugänglich sind. Die Saison wird symbolisch mit einer traditionellen Veranstaltung am Tag der Zeugnisausgabe eröffnet, die am Freitag, den 3. Juli, stattfinden wird. Junge Menschen, die ihre schulischen Leistungen nachweisen, erhalten in den Räumlichkeiten der Jugendinformation kostenloses Eis von einem lokalen Salon, Airbrush-Tattoos und die Möglichkeit, an interaktiven Stationen teilzunehmen.

Während der gesamten Ferien werden zudem thematische Workshops zur Förderung von Kreativität und handwerklichen Fähigkeiten stattfinden. Geplant ist ein Kurs zur Gestaltung von Manga-Charakteren in den Räumlichkeiten der Zeichenfabrik sowie die praktische Herstellung eigener Naturkosmetik. Sportlich orientierte Besucher erhalten zudem Platz in der Tischtenniszone SpinCity.

Das städtische Medienzentrum konzentriert sich auf die Entwicklung digitaler Kompetenzen. Junge Kreative erhalten hier Technik und fachliche Anleitung, sodass sie ihre eigenen Kurzfilme drehen und direkt für den Wiener Festival Video und Filmtage einreichen können. Für Liebhaber analoger Unterhaltung bereitet die Spielebox Nachmittage mit modernen Gesellschafts- und Erzählspielen vor.

Ein zentraler Punkt der Sommersaison in den Parks wird die Initiative Sunset Cinema sein. Das Projekt eines alternativen Freiluftkinos bringt Filmvorführungen in öffentliche Räume wie den Sigmund-Freud-Park oder das Areal Usus am Wasser, und das ohne Ticketkauf. Der musikalische Teil des Programms unter dem Banner WIENXTRA-Soundbase setzt auf eine offene Hip-Hop-Szene auf den Straßen und eine spezielle Workshop-Woche Musicweek, in der Amateurmusiker ihre Kreationen und Techniken direkt mit Profis aus der Musikindustrie besprechen können. Alle Details und Zeitpläne der Veranstaltungen hat die Stadt auf der zentralen Website bereitgestellt.

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Verwendete Quellen:

Stadt Wien / https://wienxtra.at/

Foto: (c) WIENXTRA/Kajetan Koren (. jpg )