Die Wiener Straßenbahnlinie 18 führt durch den Prater zur Donau

Die österreichische Hauptstadt bringt kurz vor Beginn des Schuljahres eine mehr als drei Kilometer lange Verlängerung der wichtigen Straßenbahnlinie in Betrieb. Es handelt sich nicht nur um Gleise – das Projekt definiert den öffentlichen Raum im zweiten und dritten Bezirk neu, bringt grundlegende Einschränkungen für Autos im beliebten Park und schafft einen strategischen Verkehrsumgehungsweg.
Die Verbindung der Stadtteile ohne die Notwendigkeit, ins überlastete historische Zentrum zu fahren, gehört zu den grundlegenden Herausforderungen der modernen urbanen Mobilität. Wien reagiert auf diese Herausforderung mit dem Abschluss eines seiner bedeutendsten Infrastrukturprojekte der letzten Jahre. Ab Samstag, dem 5. September 2026, wird die Straßenbahnlinie 18 offiziell von der bisherigen Endstation Schlachthausgasse bis zur U2-Station Stadion verlängert.
Die neue drei Kilometer lange Strecke durchquert den Grünen Prater, verbindet den zweiten Wiener Bezirk (Leopoldstadt) mit dem dritten (Landstraße) und verwandelt die bisherige Halbrundlinie in eine vollwertige Magistrale, die die westlichen, südlichen und östlichen Stadtteile der Hauptstadt verbindet.

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Strategische Verbindung der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte
Die Linie 18 wurde über Jahrzehnte hinweg vor allem als Arbeitspferd des inneren Rings (Gürtel) wahrgenommen. Sie gewährte einen schnellen Transport zwischen dem Westbahnhof, dem Hauptbahnhof und dem südöstlichen Rand des Zentrums. Das Ende der Strecke an der U3-Station Schlachthausgasse schränkte jedoch langfristig ihr volles Potenzial ein.
Mit der Inbetriebnahme des neuen Abschnitts über die Meiereistraße und die Stadionallee erhält die Strecke eine völlig neue Dynamik. Die Straßenbahn verbindet nun insgesamt fünf U-Bahn-Linien (U1, U2, U3, U4 und U6) und acht S-Bahn-Linien. Reisende aus den südlichen Vororten oder Reisende, die mit dem Zug am Hauptbahnhof ankommen, erreichen das Ernst-Happel-Stadion, die Wirtschaftsuniversität (WU Wien) oder die umliegenden Entwicklungsgebiete ohne Umstieg in etwa 25 Minuten.
Die Wiener Linien schätzen, dass die verlängerte Linie jährlich etwa sechs Millionen Fahrgäste befördern wird. Der neue Abschnitt bringt sieben moderne, vollständig barrierefreie Haltestellen, die nicht nur das umfangreiche Sport- und Freizeitangebot des Praters bedienen, sondern auch die neu entstehenden Wohn- und Büroviertel in der Umgebung.
Test vor einer großen Bahnsperrung
Der Zeitpunkt der Eröffnung der neuen Strecke ist nicht zufällig. Neben dem traditionellen Ansturm von Fahrgästen zu Beginn des Schuljahres steht der Wiener Verkehr im Herbst vor einer außergewöhnlichen Belastungsprobe. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) planen nämlich eine umfangreiche und langfristige Sanierung der wichtigen Stammstrecke der S-Bahn, die zu den am stärksten frequentierten Eisenbahnkorridoren in Mitteleuropa gehört.
In diesem Kontext wird die verlängerte Linie 18 eine Rolle als direkter Kapazitätsumgehungsweg spielen. Sie ermöglicht es den Fahrgästen, die gesperrten zentralen Eisenbahnabschnitte zu umfahren und an der U2-Station Stadion oder an der U3-Station Schlachthausgasse umzusteigen.
Rückzug des individuellen motorisierten Verkehrs aus dem Prater
Das Projekt zur Verlängerung der Straßenbahn wurde nicht isoliert als rein schienengebundene Bauweise geplant. Das Rathaus nutzte die Investition für eine umfassende Rekonstruktion des öffentlichen Raums und eine radikale Veränderung des Verkehrssystems im Erholungsgebiet Prater.
Die auffälligste Veränderung ist die Verdrängung des Transitverkehrs. Der Abschnitt zwischen der Lusthausstraße und dem Bereich des Stadionbads wurde für gewöhnliche Personenkraftwagen endgültig gesperrt. Der Zugang ist nun ausschließlich für Einsatzfahrzeuge und Anwohner mit Sondergenehmigung erlaubt. Die Straßenbahnen werden somit nicht mehr im Stau stecken bleiben, und der Park wird seinen ruhigen Charakter zurückgewinnen.
Parallel zur Strecke wurden über 2,1 Kilometer neue, getrennte Radwege geschaffen. Das bedeutendste Element ist der neue beidseitige Radweg entlang der Meiereistraße. Dadurch entstand eine durchgehende, mehr als vier Kilometer lange sichere Radroute, die vom Landstraßer Gürtel über das Viertel St. Marx führt, den Donaukanal überquert, den Grünen Prater durchquert und schließlich an der Donau bei Handelskai endet.
Der klimatische Aspekt wird durch die Pflanzung von etwa zweihundert neuen, ausgewachsenen Bäumen, die Schaffung von 14 kleineren Ruhebereichen mit Bänken und schattenspendenden Elementen sowie die Installation eines 70 Meter langen Abschnitts der sogenannten grünen Gleise mit Rasenbelag in unmittelbarer Nähe des Nationalstadions ergänzt.
Änderungen im nachfolgenden Busverkehr
Die Integration der neuen Straßenbahnlinie erforderte auch Anpassungen der Buslinien im betroffenen Gebiet. Da die Linie 18 die Hauptlast des Verkehrs übernommen hat, kommt es zu einer Optimierung der Linienführung:
Linie 77A:
Sie gibt ihre bisherige Strecke zum Stadion auf und verkehrt künftig auf einem verkürzten Abschnitt zwischen Rennweg und Neu Marx, wo sie einen Teil der Verbindungen der Linie 80A ersetzt.
Linie 80A:
Sie wird in verdichtetem Takt auf der Strecke zwischen den Knotenpunkten Praterstern und Schlachthausgasse verkehren, wodurch die Queranbindung über den Donaukanal gestärkt wird.
Neue Linie 78A:
Sie sorgt für eine lokale Mikroversorgung und eine direkte Verbindung zwischen dem historischen Restaurant Lusthaus und der U2-Station Stadion.
Modell nachhaltiger Entwicklung
Die Verlängerung der Linie 18 veranschaulicht die umfassendere Strategie der Wiener Stadtverwaltung, die massive Investitionen in den umweltfreundlichen öffentlichen Verkehr mit gezielten Einschränkungen des Raums für den individuellen Automobilverkehr kombiniert. Die Umwandlung von Transitkorridoren in grüne Zonen mit Priorität für Straßenbahnen, Fußgänger und Radfahrer zeigt, wie eine moderne Metropole ihre Infrastruktur auf den Klimawandel und das demografische Wachstum vorbereiten kann, ohne den Komfort der Bewohner zu verringern.
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Verwendete Quellen:
Wiener Linien
Illustrationsfoto: Copyright: Wiener Linien / Simon Wöhrer
Autor: Boris Zima
Mail: boris.zima@viedencan.at












