Wien verbannt Autos vor Schulen: Asphalt weicht Schatten und Wasser

In Wien setzt sich ein langfristiger Trend durch: Der Autoverkehr wird zunehmend aus dem direkten Umfeld der Schulen verbannt. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, systematisch gegen die gefährlichen Situationen am Morgen vorzugehen, bei denen Eltern mit ihren Autos bis direkt vor die Schultüren fahren wollen. Das Ergebnis sind zahlreiche umgestaltete Zonen, in denen statt Motorenlärm, Abgasen und riskanten Manövern geschützte Fußgängerbereiche, üppige Bepflanzungen und Radwege entstehen, die sich an die verletzlichsten Verkehrsteilnehmer richten.
Mit dem Schulbeginn nach den Sommerferien kehrt regelmäßig das Verkehrschaos in die Städte zurück. Doch Wien bemüht sich seit Jahren, diesem Szenario mit einem durchdachten städtebaulichen Konzept entgegenzuwirken, das Verkehrssicherheit mit Klimaanpassung verbindet. Die Stadt gestaltet die Schulumgebungen so um, dass der Schulweg für Kinder sicher, natürlich und eigenständig wird. Zu Fuß gehen, Radfahren oder Rollerfahren sowie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind nicht mehr nur Alternativen, sondern werden zur bevorzugten und sicheren Norm im Alltag.
Weniger Asphalt, mehr Grün vor den Schulen
Ein radikaler Ansatz im öffentlichen Raum zeigt sich in den neuesten Bauprojekten, die darauf abzielen, unfreundliche Beton- und Asphaltflächen zu beseitigen. Ein aktuelles Beispiel ist das Projekt im aufstrebenden Nordbahnviertel. Rund um den Bildungscampus Gertrude-Fröhlich-Sandner in der Ernst-Melchior-Gasse werden derzeit tausende Quadratmeter undurchlässiger Belag entfernt. Sie werden durch moderne, wasserdurchlässige Pflastersteine ersetzt, die die Umgebungstemperatur an heißen Tagen deutlich senken können.
Teil dieser Umgestaltung ist die Schaffung von über tausend Quadratmetern neuer Grünflächen und die Pflanzung von fast dreißig ausgewachsenen Bäumen. Für die Kinder installiert die Stadt interaktive Wasserspiele, Trinkbrunnen und kühlende Nebelanlagen. Dies ist kein isolierter Schritt, denn in der ganzen Stadt wurden bereits über zwanzig Schulvorplätze komplett umgestaltet und weitere Dutzende neu geschaffen. Inzwischen gibt es in der österreichischen Hauptstadt fast hundert Standorte bei Bildungseinrichtungen, an denen ein dauerhaftes und striktes Fahrverbot für motorisierte Fahrzeuge gilt, wodurch das Risiko von Unfällen zwischen Fußgängern und Autos eliminiert wird.
Schulstraßen verhindern gefährliche Morgenunfälle
Eines der effektivsten Mittel der Stadt Wien ist die Einführung sogenannter Schulstraßen. Dieses Verkehrskonzept sieht vor, die Zufahrtsstraßen vor Schulbeginn temporär zu sperren. In den 30 Minuten vor dem ersten Klingeln und bei Bedarf auch eine halbe Stunde nach Unterrichtsende wird der betreffende Abschnitt für den normalen motorisierten Individualverkehr komplett gesperrt. Chaotische Manöver, das Wenden in engen Gassen und das Halten in der zweiten Reihe gehörten in der Vergangenheit zu den riskantesten Situationen für die jungen Fußgänger.
Vertreter der städtischen Mobilität stellen fest, dass diese Maßnahme zu einer sofortigen Beruhigung und einer deutlichen Reduzierung der lokalen Emissionen und Lärmbelastung führt. Eltern verlieren den Anreiz, ihre Kinder bis vor das Schultor zu fahren, was zu einer erheblichen Verringerung des Autoverkehrs in der gesamten Nachbarschaft führt. Ein einzigartiges Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung dieses Ansatzes ist die Rohrwassergasse im zwölften Bezirk, die derzeit die längste Schulstraße auf dem gesamten europäischen Kontinent ist.
Erfolgreiche Umgestaltungen in der ganzen Stadt
Die Umgestaltung der Straßen vor Bildungseinrichtungen betrifft mehrere Wiener Bezirke und geht oft über gewöhnliche Verkehrsmaßnahmen hinaus. Im vierzehnten Bezirk wurde die Meiselstraße umfassend renoviert und in eine Fahrradstraße umgewandelt, während der Vorplatz der örtlichen Volksschule Lortzinggasse einen parkähnlichen Charakter mit Spielgeräten, Sitzgelegenheiten und neuen Bäumen erhielt. Auch die Galileigasse im neunten Bezirk erfuhr eine deutliche Veränderung, indem ein beruhigter Wohnraum geschaffen wurde, der die Bedürfnisse der Anwohner und Schüler respektiert.
Besondere Aufmerksamkeit erregte das Projekt des sogenannten Supergrätzls im zehnten Bezirk Favoriten. Hier wurde der Durchgangsverkehr an den Rand des Viertels verlegt, und im Innenbereich dominieren nun Fußwege, Klinkerpflaster in Erdtönen und üppiges Grün, das an einen ruhigen Innenhof erinnert. Der Vorplatz der örtlichen Mittelschule in der Herzgasse wurde zu einer vollwertigen Fußgängerzone und einem Zentrum des Gemeinschaftslebens, wobei das gesamte städtebauliche Konzept mit dem Österreichischen Verkehrssicherheitspreis ausgezeichnet wurde. Ähnlich wurde im achten Bezirk in der Pfeilgasse der ursprüngliche Parkplatz durch eine attraktive Aufenthaltszone mit Staudenbeeten und sprudelnden Brunnen ersetzt.
Intensive Vernetzung mit dem Radwegenetz
Parallel zur Umgestaltung der Fußgängerzonen wird intensiv an der Vernetzung der Schulen mit den Hauptfahrradrouten gearbeitet. Die Stadtverwaltung konzentriert sich im Rahmen ihres langfristigen Infrastrukturplans darauf, dass sichere Korridore direkt von den Wohnhäusern bis zu den Fahrradständern an den Schulen verfügbar sind. In letzter Zeit konnten fast 150 weitere Schulgebäude an qualitativ hochwertige und getrennte Radwege angeschlossen werden, sodass heute mehr als 220 Bildungseinrichtungen über eine problemlose Fahrradverbindung verfügen.
Die baulichen Maßnahmen werden durch umfassende Bildungsunterstützung direkt vor Ort ergänzt. Die Stadt versorgt Familien mit detaillierten Routenplänen, die die sichersten Übergänge und Gehwege im jeweiligen Viertel visuell darstellen. Für Kinder und ganze Schulklassen stehen spezialisierte Zeitschriften und praktische Geländespiele zur Verfügung. Ein wesentlicher Bestandteil der Prävention sind kostenlose Kurse, die auf das sichere Radfahren im Stadtverkehr abzielen und die die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Mobilitätsministerium während des regulären Unterrichts und an freien Wochenenden anbietet.
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Quellen:
Stadt Wien
Symbolfoto: Copyright Mobilitätsagentur Wien / Stadt Wien
Autor: Boris Zima
E-Mail: boris.zima@viedencan.at












