Wien schließt das Jahr des Königs der Operette großartig ab

Das Jubiläumsjahr von Johann Strauss 2025 neigt sich dem Ende zu. Die österreichische Metropole jedoch endet nicht in nostalgischen Erinnerungen an das 19. Jahrhundert. Im Gegenteil, die letzten Wochen des Festivals zeigen, wie der „Walzerkönig“ Hollywood, den zeitgenössischen Tanz beeinflusste und warum seine Musik auch in der Science-Fiction funktioniert.

Wien hat ein Jahr hinter sich, das alles war, nur nicht eine konservative Auffrischung der Büsten des berühmten Komponisten. Unter dem Titel Johann Strauss 2025 Wien ist es den Organisatoren gelungen, etwas zu erreichen, was im Kulturmanagement nicht selbstverständlich ist – die Verbindung des historischen Kitsches, der oft mit Strauss assoziiert wird, mit moderner, kritischer und oft überraschender Kunst. Die letzte Phase des Festivals, die das Wortspiel „Wien in Strauss und Braus“ trägt, verspricht ein multimediales Erlebnis, das die Grenzen der Konzertsäle überschreitet.

Der letzte Monat des Jahres 2025 bringt nach Wien eine einzigartige Filmretrospektive, ein Tanztheater von Weltformat im MuseumsQuartier und einen symbolischen Abschluss an Silvester, der den Kreis des Jubiläumsjahres genau dort schließt, wo er begann.

Von Hitchcock bis Kubrick

Einer der interessantesten Aspekte von Strauss‘ Musik ist ihr visuelles Potenzial. Es ist kein Zufall, dass Melodien, die ursprünglich die Wiener Säle zum Tanzen brachten, ein unverzichtbarer Bestandteil der Filmsprache des 20. Jahrhunderts wurden. Das Filmarchiv Österreich (Filmarchiv Austria) hat sich entschieden, dieses Phänomen im Rahmen der Reihe Walzerkönig & Kino zu untersuchen, die vom 11. bis 30. Dezember im METRO Kinokulturhaus stattfinden wird.

Die kuratorische Auswahl an Filmen bietet einen faszinierenden Einblick, wie unterschiedlich mit dem Walzer gearbeitet werden kann. Die Zuschauer haben die Möglichkeit, auf der großen Leinwand das legendäre Werk von Stanley Kubrick 2001: Odyssee im Weltraum zu sehen. In diesem Film kam es zu einer der ikonischsten Verbindungen von Bild und Musik in der Geschichte des Kinos – der Tanz der Raumschiffe auf der orbitalen Bahn zu den Klängen von An der schönen blauen Donau. Mit diesem Gestus veränderte Kubrick für immer die Wahrnehmung von Strauss; von einem Wiener Café katapultierte er ihn direkt in den kalten, aber majestätischen Kosmos.

Das Programm reicht jedoch tiefer in die Geschichte. Auch der Meister der Spannung, Alfred Hitchcock, ist mit seinem weniger bekannten Werk Waltzes from Vienna vertreten, sowie Klassiker wie Grand Hotel und The Great Waltz, an denen Regiegrößen wie Victor Fleming oder Josef von Sternberg mitwirkten. Diese Filmvorführung handelt nicht nur von Musik, sondern auch davon, wie Wien und ihr berühmtester musikalischer Export die globale Popkultur prägten, lange bevor wir diesen Begriff überhaupt kannten.

Tanzrevolution im MuseumsQuartier

Während der Filmabschnitt die Vergangenheit untersucht, ist die Tanzproduktion in Halle E im MuseumsQuartier ein radikaler Sprung in die Gegenwart. Ab dem 3. Dezember verwandelt sich dieser Raum in einen Saal für den Imperial Ball. Es handelt sich jedoch nicht um einen klassischen Wiener Ball mit striktem Dresscode.

Hinter dem Projekt steht der belgische Star-Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui, der nach einer erfolgreichen Premiere in Genf nach Wien kommt. Cherkaoui ist bekannt für seine Fähigkeit, verschiedene kulturelle Einflüsse und Bewegungssprachen zu verbinden. In Zusammenarbeit mit dem Ensemble Ballet du Grand Théâtre de Genève und begleitet vom Wiener KammerOrchester unter der Leitung von Constantin Trinks bringt er ein Werk, das die traditionelle Wahrnehmung des Balls dekonstruiert.

Imperial Ball ist nicht nur eine Aufführung, sondern eine Untersuchung sozialer Rituale. Der Walzer ist hier nicht nur ein Tanz, sondern eine Metapher für gesellschaftliche Bewegungen, für das ständige Kreisen der Geschichte. Für diejenigen, die tiefer in diese Fusion von Stilen eintauchen möchten, ist auch ein exklusiver Workshop vorbereitet. Dieser findet am 4. Dezember unter der Leitung von Afshin Varjavandi statt und verspricht eine mutige Kombination: Urban Dance, House Music und zeitgenössische Interpretationen des Walzers. Es ist der Beweis, dass Strauss‘ Rhythmen kein totes museales Exponat sind, sondern ein lebendiger Organismus, der auch mit einer Generation kommunizieren kann, die auf Street Dance aufgewachsen ist.

Die Aufführung wird auch eine starke mediale Präsenz haben, wobei die offizielle Pressekonferenz mit dem Intendanten Roland Geyer und dem Choreografen selbst bereits am ersten Dezembertag in den barocken Räumlichkeiten des MQ geplant ist.

Silvester als symbolische Rückkehr

Der Jahresabschluss wird der Symbolik gewidmet sein. Am 31. Dezember 2025 kulminiert das Jubiläumsjahr mit dem Galakonzert By(e) Strauss im Theater an der Wien. Die Dramaturgie des Abends basiert auf dem Gedanken der Zyklen – auf der Bühne treffen sich nahezu identische Künstler, die das gesamte Festivaljahr vor zwölf Monaten eröffneten.

Namen wie Nikolaus Habjan (bekannter Puppenspieler und Regisseur), der phänomenale Perkussionist Martin Grubinger oder die Sängerin Ankathie Koi garantieren, dass es sich nicht um ein steifes Konzert handeln wird. Gemeinsam mit ihnen treten auch Max Emanuel Cencic und Miriam Kutrowatz auf. Der gesamte Abend wird im Geiste des Liedes von George Gershwin By Strauss stehen, das selbst eine Hommage ist, aber gleichzeitig ein ironischer Seitenblick auf die Wiener Tradition.

Während die Welt auf das Mitternachtsfeuerwerk wartet, wird im Theater an der Wien mit musikalischem Humor und Virtuosität gefeiert. Die Verbindung des klassischen Orchesters mit der Band von Johnny Bertl und der Gruppe Flying Schnörtzenbrekkers deutet darauf hin, dass Wien sich von ihrem „König“ in bester Form verabschiedet – entspannt, selbstbewusst und mit einem Augenzwinkern.

Kulturelle Spuren bleiben

Neben den Hauptattraktionen bietet der Dezember in Wien auch Nachklänge weiterer Projekte. In der Volksoper stehen die letzten Wiederholungen der Operetten Der Traum der Cinderella und Eine Nacht in Venedig auf dem Programm, während der alternative Raum Odeon das visuell fesselnde Theaterstück FLEDER.STRAUSS beherbergt.

Ein interessantes Phänomen ist, wie das Festival in den öffentlichen Raum eingreift. Auch wenn sich der „Zeitwalzer“ am ikonischen Riesenrad zum letzten Mal dreht, werden einige Spuren des Festivals dauerhaft bleiben. Ein Beispiel ist das immersive Escape Game Der Schatten des Zweifels von Deborah Sengl im MuseumsQuartier, das ganzjährig geöffnet bleibt. Es bietet einen Einblick in „den Kopf des Genies“ und erinnert daran, dass Genialität und Wahnsinn oft näher beieinanderliegen, als wir beim Hören eingängiger Melodien wahrnehmen.

Das Jahr 2025 in Wien hat gezeigt, dass die Feier einer historischen Persönlichkeit nicht nur das Ablegen von Kränzen sein muss. Es kann ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart sein, eine Konfrontation von Film und Musik und der Mut, die Klassik im Rhythmus der House Music erklingen zu lassen. Die Journalisten werden gespannt beobachten, ob Wien diesen progressiven Kurs auch nach dem Erlöschen der letzten Scheinwerfer im Theater an der Wien beibehalten kann.

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Quelle: Stadt Wien Foto: CopyrightGTG / Gregory Batardon