Wien gestaltet die Sommerferien stilvoll. Rekordverdächtige städtische Camps fördern Inklusion und japanische Marimba.

Während Tausende von Eltern in der Slowakei jedes Jahr mit der Frage kämpfen, wo sie ihre Kinder während der zwei Monate Schulferien unterbringen können, ohne das Familienbudget zu ruinieren, zeigt die österreichische Hauptstadt, wie ein systematisches städtisches Hilfesystem funktionieren kann. Das Wiener Projekt der städtischen Sommertageslager, die Summer City Camps, bricht erneut Rekorde. In diesem Sommer werden mehr als 11.000 Kinder die Tore passieren.
Ein qualitativ hochwertiges, sinnvolles und gleichzeitig finanziell erschwingliches Programm für Kinder während der neun Wochen Ferien zu gewährleisten, ist eine Herausforderung, die fast jeder berufstätige Elternteil gut kennt. Wien hat sich vor acht Jahren entschieden, sich diesem Problem zu stellen und ein Modell zu schaffen, das heute als strahlendes Beispiel für eine funktionierende Kommunalpolitik in der Freizeitbildung dient.
In der aktuellen Saison 2026, die Anfang Juli begann und bis zum 4. September dauert, stehen für Schulkinder insgesamt etwa 33.000 wöchentliche Plätze an 34 verschiedenen Schulstandorten in der ganzen Stadt zur Verfügung.
Es geht nicht nur um eine Kinderbetreuung, sondern um einen sozialen Ausgleich.
„Wir haben das Projekt 2019 mit dem klaren Ziel gegründet: die Bildungschancen von Kindern zu verbessern, unabhängig davon, aus welchem sozialen Umfeld sie stammen. Mit anderen Worten, wir gehen davon aus, dass jedes Kind Anspruch auf schöne Ferien hat“, erklärt die Fachbereichsleiterin der Organisation BiM – Bildung im Mittelpunkt, Tanja Sommer.
Laut ihr wird der Erfolg der städtischen Camps nicht nur an der Anzahl der angemeldeten Kinder gemessen, sondern vor allem an ihrem persönlichen Fortschritt. Die Kinder entdecken während des Sommers ihre eigenen Stärken, schließen neue Freundschaften und starten mit mehr Selbstbewusstsein und gefestigten sozialen Fähigkeiten ins neue Schuljahr.
Das Programm der städtischen Camps richtet sich an Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Inklusion gelegt wird. Für Kinder mit besonderen Bedürfnissen ist die Betreuung bis zum Alter von 14 Jahren angepasst – sei es in regulären Gruppen oder in kleineren, dafür vorgesehenen Gruppen unter der Aufsicht von Fachleuten.
angepasst bis zum Alter von 14 Jahren – sei es in regulären Gruppen oder in kleineren, dafür vorgesehenen Gruppen unter der Aufsicht von Fachleuten.
Wichtige Fakten zu den Summer City Camps.
Dauer: 6. Juli – 4. September 2026 (9 Wochen)
• Anzahl der Standorte: 34 Grund- und Mittelschulen in der ganzen Stadt.
• Gesamtkapazität: ca. 33.000 Plätze.
• Angemeldete Kinder: mehr als 11.000.
• Zielgruppe: 6 bis 12 Jahre (Freizeitprogramm), bis 14 Jahre (Kinder mit besonderen Bedürfnissen).
• Preise und Service: Ganztagsprogramm, Mittagessen, gesunde Snacks und Nachmittagsimbiss, Sport, Kultur, Schwimmunterricht und Radfahren.
Vielfältiges Angebot: Vom Radfahren bis zur japanischen Kunst.
Das Format der Wiener städtischen Camps basiert nicht darauf, dass die Kinder einfach den Tag in den Klassenräumen „überstehen“. Die übergeordneten Organisationen und städtischen Verbände bereiten für die Teilnehmer ein buntes Programm aus Bewegungs-, Kunst- und Gemeinschaftsaktivitäten vor. Teil des Programms sind Exkursionen in Museen, Bildungsworkshops, aber an mehreren Standorten auch praktische Kurse im Schwimmen oder Radfahren.
Dass es in den Camps nicht an außergewöhnlichen Erlebnissen mangelt, konnte auch die Wiener Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Bildung, Bettina Emmerling, bei ihrem Besuch an der Schule Roterdstraße im Stadtteil Ottakring mit eigenen Augen erleben. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum traditionellen Japan-Tag spielte hier ein Jugendorchester, das Hiroshima Junior Marimba Ensemble, das nach Wien gekommen war, um die langjährigen Partnerschaften zwischen Ottakring und Japan zu festigen.
„Diese Camps sind eine enorme Erleichterung für die Wiener Familien und fungieren gleichzeitig als echter Bildungsanreiz für die Kinder während des gesamten Sommers“, sagte Vizebürgermeisterin Emmerling direkt vor Ort. „Neben Spaß und neu gewonnenen Freundschaften erwerben die Kinder spielerisch auch neues Wissen. Dank gebührt allen Betreibern und Organisatoren, die täglich beweisen, wie wichtig eine zugängliche und qualitativ hochwertige Ferienbetreuung ist.“
Breite Koalition von Partnern unter einem Dach.
Hinter dem reibungslosen Ablauf dieser riesigen Maschinerie steht die koordinierte Zusammenarbeit der Stadt mit dem Nichtregierungs- und dem Bürgersektor. Das Projekt wird finanziell vom städtischen Bildungs- und Jugendamt (MA 13) unterstützt. Die Koordinations- und Organisationsstruktur wird von dem Verein Hi Jump Wien in enger Kooperation mit bekannten Organisationen wie Wiener Kinderfreunde, ASKÖ WAT Wien, Wiener Volkshochschulen und Rotes Kreuz getragen.
Das gemeinsame Ziel ist klar: Sinnvolle Pädagogik mit natürlicher kindlicher Freude zu verbinden und Eltern zu entlasten, die nicht die Möglichkeit haben, den ganzen Sommer über Urlaub zu nehmen.
„Die Eltern erhalten die Gewissheit, dass ihre Kinder an einem sicheren und anregenden Ort sind“, betont die Leiterin des MA 13, Brigitte Bauer-Sebek. „Wir sehen Kinder, die sogar in den Ferien mit einem Lächeln zur Schule gehen. Diese Leichtigkeit und das Gefühl der Zugehörigkeit bleiben auch nach dem Sommer bestehen.“
In ähnlichem Sinne ergänzt Daniel Bohmann von der Organisation Wiener Kinderfreunde: „Wir schaffen ein Umfeld, in dem Kinder mit und ohne Behinderung absolut natürlich nebeneinander funktionieren. Genau das ist der Weg zur Normalisierung von Inklusion in der Gesellschaft.“
Chance für Spätentschlossene und Ausblick in die Zukunft.
Für Eltern, die kurzfristig ein Ferienprogramm für ihre Kinder organisieren, hat das Wiener Rathaus gute Nachrichten. In den letzten drei Wochen der Ferien (also Ende August und Anfang September) gibt es in einigen Stadtteilen noch freie Kapazitäten. Interessierte können sich direkt bei der Kundenhotline der Organisation BiM oder über die offizielle E-Mail-Adresse info@summercitycamp.at informieren.
Die Stadt Wien sendet gleichzeitig ein klares Signal, dass sie auch in Zukunft mit dem erfolgreichen Projekt rechnet. Der Zeitplan für das nächste Jahr steht bereits fest – die Summer City Camps 2027 finden vom 5. Juli bis 3. September 2027 statt, wobei die Anmeldung für Eltern traditionell im März beginnt.
Das Beispiel aus Wien zeigt erneut, dass Investitionen in Freizeit- und Bildungsaktivitäten für Jugendliche keine Belastung für die Stadt sind, sondern eine Schlüsselinvestition in die soziale Stabilität und die Zukunft der Gemeinschaft.
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Verwendete Quellen:
Stadt Wien.
Illustrationsfoto: Copyright Stadt Wien / Markus Wache.
Autor: Boris Zima.
Mail: boris.zima@viedencan.at.












