Wien zieht nach scharfer Kritik zurück, radikaler Anstieg der Tourismussteuer wird verschoben

Das Magistrat der österreichischen Hauptstadt hat seine Pläne zur drastischen Erhöhung der lokalen Steuer für Touristen überdacht. Der ursprüngliche Vorschlag, der die Besucher ab diesem Winter mit einer fast dreifach höheren Rate belasten sollte, stieß auf heftigen Widerstand aus dem Geschäftssektor. Nun wird die Steuer schrittweise und mit erheblichem zeitlichen Aufschub erhöht.

Wien kann sich für einige Monate von der drohenden drastischen Verteuerung der Unterkünfte für Touristen erholen. Wie gestern die ORF berichtete, hat der Stadtrat beschlossen, von seinem ursprünglichen und sehr ambitionierten Plan abzurücken, nach dem die lokale Übernachtungssteuer, bekannt als Ortstaxe, von derzeit 3,2 Prozent auf 8,5 Prozent steigen sollte. Die Änderung sollte bereits ab dem 1. Dezember dieses Jahres gelten, was eine Welle der Unzufriedenheit unter Hoteliers und Vertretern der Wirtschaft auslöste.

Nach intensiven Verhandlungen und unter dem Druck der Kritik kam die Stadt mit einem Kompromissvorschlag, der ein wesentlich milderes und schrittweises Szenario darstellt. Anstelle einer schockartigen Erhöhung erfolgt nun eine Verschiebung und Aufteilung in zwei Phasen. Die erste Erhöhung werden die Besucher Wiens erst ab Juli 2026 spüren, wenn der Steuersatz auf 5 Prozent angepasst wird. Der zweite Schritt folgt ein Jahr später, im Juli 2027, wenn die Steuer die endgültige Höhe von 8 Prozent erreicht.

Obwohl der endgültige Satz immer noch deutlich höher sein wird als der aktuelle, stellt diese Verschiebung und schrittweise Erhöhung für den Beherbergungssektor eine entscheidende Entlastung dar. Sie gewinnen so die notwendige Zeit zur Anpassung und ein vorhersehbareres Geschäftsumfeld.

Druck der Wirtschaftskammer und der Hoteliers hat gewirkt

Hinter dem Kurswechsel des Wiener Magistrats steht vor allem die klare Haltung der Schlüsselakteure in der lokalen Wirtschaft. Gegen den ursprünglichen Vorschlag meldete sich lautstark Walter Ruck, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, zu Wort, der vor negativen Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt warnte. Er argumentierte, dass eine solche sprunghafte Erhöhung einen Teil der Touristen abschrecken und den Sektor schädigen könnte, der sich noch von den Folgen der Pandemie erholt.

Seiner Kritik schloss sich auch der einflussreiche Österreichische Hotelierverband (ÖHV) an, der die Interessen der Beherbergungsbetriebe vertritt. Ihrer Meinung nach war der ursprüngliche Plan nicht nur unangemessen, sondern auch schlecht getimt. Sie befürchteten, dass Wien seinen Ruf als preiswerte Metropole im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten wie Prag oder Budapest verlieren könnte. Ihre gemeinsame Argumentation und der Druck führten schließlich zum Erfolg und zwangen die Stadt, erneut an den Verhandlungstisch zu treten. Das Ergebnis ist eine Vereinbarung, die beide Seiten als funktionierenden Kompromiss betrachten.

Die Unternehmer im Tourismussektor schätzen nun, dass die Stadt ihre Bedenken gehört hat. Die Verschiebung bietet ihnen Raum für langfristige Planung und die Integration von Änderungen in ihre Preisstrategien, ohne hastige und chaotische Schritte kurz vor der Wintersaison unternehmen zu müssen.

Geld für Ökologie kommt später, aber mit größerer Sicherheit

Die Stadt Wien hat von Anfang an die Notwendigkeit einer Steuererhöhung mit einem legitimen Ziel verteidigt. Zusätzliche Einnahmen aus der Ortstaxe sollten nicht dazu dienen, Löcher im Budget zu stopfen, sondern waren zweckgebunden zur Finanzierung ökologischer Projekte. Geplant sind Investitionen in grüne Infrastruktur, Verbesserung des öffentlichen Verkehrs und Unterstützung nachhaltiger Tourismusformen. Mit der steigenden Zahl der Besucher wächst nämlich auch die Belastung für die städtische Umwelt und Infrastruktur, und genau diese Mittel sollten helfen, die negativen Auswirkungen zu mildern.

Dieser Plan bleibt auch nach der Annahme des neuen, schrittweisen Plans in Kraft. Der Zufluss von Mitteln in den „grünen Fonds“ wird zwar verzögert, doch dank des Kompromisses mit der Wirtschaft ist seine Umsetzung politisch durchsetzbarer und stabiler. Die Stadt hat so einen langwierigen Streit vermieden, der die Beziehungen zu einem Schlüsselbereich der Wirtschaft gefährden könnte.

Die Debatte in Wien spiegelt einen breiteren Trend in Europa wider, wo viele touristisch stark frequentierte Städte versuchen, ein Gleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen Vorteilen des Tourismus und dessen ökologischen sowie sozialen Kosten zu finden. Gebühren und Steuern für Touristen werden zu einem gängigen Instrument, um Besucher dazu zu bringen, zur Erhaltung und Entwicklung der Stadt, die sie besuchen, beizutragen. Das Beispiel Wiens zeigt jedoch, dass der Schlüssel zum Erfolg im Dialog und in der Suche nach Lösungen liegt, die für alle Beteiligten akzeptabel sind und die Gesundheit des Sektors nicht gefährden. Für die Besucher bedeutet dies, dass sie in den kommenden Jahren für einen Besuch der österreichischen Hauptstadt mehr bezahlen müssen, aber dieser Anstieg wird vorhersehbar und schrittweise erfolgen.

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Quelle: https://wien.orf.at/stories/3320996/ Foto: https://images.pexels.com/photos/18805373/pexels-photo-18805373.jpeg