Der Körper eines Slowaken reiste 200 Kilometer im Müll. Brutaler Mord aus einem Wiener Hotel wurde erst in Graz aufgedeckt

Am 22. März 2017 stießen die Mitarbeiter eines Entsorgungsunternehmens in Graz auf einen erschreckenden Fund. Zwischen Tonnen von Müll entdeckten sie einen verwüsteten menschlichen Körper. Die Ermittlungen wurden eingeleitet, die die Kriminalbeamten von der steirischen Hauptstadt bis nach Wien führten, zu einem Hotelzimmer, das zum Schauplatz eines kaltblütigen Mordes wurde. Das Opfer war ein 58-jähriger Slowake, und vor Gericht mussten sich vier seiner Landsleute wegen besonders brutaler Taten verantworten.
Früh am Morgen, um halb vier, hielten die Förderbänder in der riesigen Halle des Recyclingzentrums in Graz an. Die routinemäßige Schicht verwandelte sich in einem Augenblick in einen Horror. Zwischen dem gepressten Müll, der durch den Müllwagen gepresst worden war, lagen menschliche Überreste. Der Körper war in einem Zustand, der eine Identifizierung auf den ersten Blick unmöglich machte. Für die österreichischen Kriminalbeamten begann ein Fall, der an ein Drehbuch aus einem Kriminalfilm erinnerte. Wer war der Tote und wie kam sein Körper in die mehr als 200 Kilometer entfernte Stadt?
Die ersten Antworten lieferte erst die gerichtsmedizinische Untersuchung. Trotz der verheerenden Verletzungen, die durch die Mechanismen zur Abfallverarbeitung verursacht wurden, konnten die Pathologen die Todesursache feststellen. Der Mann starb nicht durch einen Unfall und landete auch nicht bewusstlos im Container. Er hatte tödliche Verletzungen am Hals, die ihm jemand noch zu Lebzeiten zugefügt hatte. Von diesem Moment an war klar, dass es sich um Mord handelte.
Die Ermittler begannen, das logistische Netz der Abfallwirtschaft zu entwirren. Sie stellten fest, dass die Ladung, in der sich der Körper befand, aus Wien nach Graz transportiert worden war. Die Suche verlagerte sich somit in die Hauptstadt und konzentrierte sich darauf, die Identität des Opfers zu klären. Dank DNA-Analysen und dem Abgleich von Aufzeichnungen gelang es, den 58-jährigen Slowaken zu identifizieren, der seit mehreren Jahren als Obdachloser in Wien lebte. Gelegentlich übernachtete er in Notunterkünften und nutzte die Dienste für Menschen ohne Dach über dem Kopf, doch sein Leben war von einem Überlebenskampf auf der Straße geprägt.
Von der Spur eines Zeugen zu den Hauptverdächtigen
Die Kriminalbeamten tauchten in die Umgebung der Wiener Obdachlosengemeinschaft ein. Dort fanden sie einen entscheidenden Zeugen. Dieser erinnerte sich, dass er den ermordeten Mann in letzter Zeit in Begleitung anderer Slowaken gesehen hatte – konkret eines Paares. Für die Polizei war das die erste heiße Spur.
Der Mann und die Frau, die der Zeuge beschrieben hatte, konnten ausfindig gemacht und vorläufig nur als Zeugen vernommen werden. Sie behaupteten, das Opfer gekannt zu haben, wussten aber nicht, was mit ihm geschehen war. Über das Hotel im Wiener Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus, in dem sich alle aufgehalten hatten, fiel kein Wort. Den erfahrenen Ermittlern gefielen jedoch ihre Aussagen nicht. Sie waren voller Widersprüche und Unklarheiten, die den Verdacht erweckten, dass sie etwas verheimlichten.
Während das Paar leugnete, arbeiteten die forensischen Teams bereits auf Hochtouren. Die Spur führte genau zu dem genannten Hotel. Dort hatte eine Gruppe von fünf Slowaken – vier Beschuldigte und ihr späteres Opfer – aus gemeinsam gesammelten Geldern, die sie durch Betteln erhielten, ein Zimmer gemietet. In der Nacht vom 16. auf den 17. März 2017 jedoch verwandelte sich das friedliche Zusammenleben in die Hölle. Nach einem Streit, der vermutlich auch durch Alkohol angeheizt wurde, stürzte sich die Gruppe auf ihren Mitbewohner und ermordete ihn brutal.
Kaltblütige Beseitigung des Körpers und Katz-und-Maus-Spiel
Nach dem Mord versuchten die Täter, alle Spuren kaltblütig zu verwischen. Sie räumten das Zimmer auf, um sich von Blut und anderen Beweisen zu befreien. Das Hotelpersonal bemerkte in den ersten Momenten nichts. Anschließend wickelten sie den Leichnam ein und brachten ihn in der Dunkelheit zu einem nahegelegenen öffentlichen Müllcontainer. Sie hofften, dass das Müllauto den Körper verschlucken und er für immer in der Anonymität von Tausenden Tonnen Müll verschwinden würde.
Dieser Plan hätte fast funktioniert. Der Körper durchlief tatsächlich den gesamten Abtransportprozess, doch sein Weg endete nicht in der Verbrennungsanlage, sondern an der Sortieranlage in Graz.
Aufgrund forensischer Beweise aus dem Hotelzimmer und anhaltender Unstimmigkeiten in den Aussagen des Hauptverdächtigenpaares wurden europäische Haftbefehle erlassen. Das Paar war inzwischen nach Slowakei geflohen, in der Annahme, in Sicherheit zu sein. Ein spezialisiertes Team von Ermittlern des österreichischen Bundeskriminalamts fand sie jedoch in Zusammenarbeit mit slowakischen Kollegen und nahm sie fest.
Die anschließenden Ermittlungen enthüllten auch die Identität von zwei weiteren Komplizen, ebenfalls slowakischen Staatsbürgern. Nach ihrer Festnahme begann ein Reigen von Vernehmungen, währenddessen sich das Bild der Ereignisse jedoch nicht klärte, sondern im Gegenteil, noch mehr verwirrte. Alle vier Beschuldigten begannen, die Schuld aufeinander zu schieben. Jeder von ihnen bot eine andere Version der Geschichte an und versuchte, seinen Anteil an der brutalen Tat zu mindern.
Der Fall, der mit dem grausamen Fund im Müll begann, mündete in einen Gerichtsprozess in Wien. Er zeigte nicht nur das abgründige Gesicht des Lebens am Rande der Gesellschaft, wo Alkohol und Streit zu fatalen Folgen führen können, sondern auch die Präzision und Hartnäckigkeit der Kriminalbeamten, die es schafften, scheinbar unzusammenhängende Punkte auf der Karte Österreichs zu verbinden und die Täter vor Gericht zu bringen.
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Quelle: https://kurier.at/chronik/oesterreich/graz-leiche-im-muell-vier-slowaken-vor-gericht/306.174.611# Foto: https://images.pexels.com/photos/128421/pexels-photo-128421.jpeg












