Prostitution und die Grauzone des Sexbusiness in Österreich

Österreich, das direkt an die Slowakei grenzt, stellt für viele Frauen aus Mittel- und Osteuropa, einschließlich Slowakinnen, einen wichtigen und attraktiven Arbeitsmarkt im Bereich der sexuellen Arbeit dar. Während die Slowakei sich in einem rechtlichen Vakuum bewegt, in dem Prostitution weder reguliert noch kriminalisiert ist, hat Österreich den Weg der regulierten Legalisierung gewählt, die jedoch auf der Ebene der neun Bundesländer kompliziert ist. Trotz der Regulierung schafft dieses System insbesondere für ausländische Arbeiterinnen eine umfangreiche und unübersichtliche Grauzone.

Österreich hat eine der strengsten und detailliertesten Regulierungen sexueller Arbeit in Europa. Für Frauen aus der Slowakei, wo dieses Thema in einem rechtlichen Vakuum bleibt, stellt der Nachbarmarkt die Aussicht auf ein lukratives und legales Einkommen dar, oft nur eine Stunde von zu Hause entfernt. Die Realität, der sie gegenüberstehen, ist jedoch paradox. Ein kompliziertes bürokratisches System, Sprachbarrieren und die Angst vor Stigmatisierung zu Hause drängen sie oft außerhalb des gesetzlichen Schutzes. Anstelle der Sicherheit regulierter Einrichtungen landen viele in der unübersichtlichen Grauzone, wo die Risiken um ein Vielfaches höher und der rechtliche Schutz nahezu null ist.

Zwei Welten durch eine Grenze getrennt

Der Zugang der Slowakei und Österreichs zur sexuellen Arbeit könnte nicht unterschiedlicher sein. Während die Slowakei seit Jahrzehnten in einem rechtlichen Vakuum agiert, in dem Prostitution nicht ausdrücklich verboten, aber auch nicht reguliert ist, hat Österreich den Weg der geregelten Legalisierung gewählt.

Dieses Modell ist jedoch nicht einheitlich. Österreich ist eine Föderation, und jedes der neun Bundesländer legt die Regeln selbst fest. Es gibt daher unterschiedliche Gesetze für Wien (Wiener Prostitutionsgesetz), Steiermark (Steiermärkisches Prostitutionsgesetz) und andere Regionen.

Trotz regionaler Unterschiede sind die grundlegenden Säulen der Regulierung gemeinsam und kompromisslos:

  1. Mindestalter: Die Person, die Dienstleistungen anbietet, muss mindestens 18 Jahre alt sein.
  2. Pflichtregistrierung: Grundlage ist die offizielle Anmeldung bei den Behörden und der Erhalt einer speziellen Genehmigung (Ausweis), die zur Ausübung der Tätigkeit berechtigt.
  3. Gesundheitsüberwachung: Mit der Genehmigung ist die Pflicht verbunden, regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen durchzuführen, in Wien beispielsweise in der Zuständigkeit des Magistrats MA 15. Diese Kontrollen sind in der Regel wöchentlich.
  4. Räumliche Einschränkungen: Städte und Gemeinden definieren strikt Zonen (Sperrgebiet), in denen die Ausübung von Prostitution absolut verboten ist. Dies betrifft insbesondere die Umgebung von Schulen, Kirchen, Wohngebieten oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Dieses System hat ein klares Ziel: das Sexbusiness von der Straße zu holen, es unter Kontrolle zu haben, die Arbeiterinnen und Arbeiter zu schützen und gleichzeitig die öffentliche Gesundheit zu überwachen. Für viele Frauen, die aus dem Ausland kommen, einschließlich Slowakinnen, wird dieser Versuch, Ordnung zu schaffen, jedoch zu einem unüberwindbaren Hindernis.

Motiv Geld, Preis Isolation

Die Gründe, warum sich Slowakinnen entscheiden, im österreichischen Sexbusiness zu arbeiten, sind nahezu ausschließlich wirtschaftlicher Natur. Die Aussicht auf ein Einkommen, das mit den slowakischen Lohnbedingungen nicht vergleichbar ist, ist der Hauptantrieb. Oft geht es darum, die Familie, Kinder zu versorgen oder Schulden und Exekutionen zu begleichen, die sie zu Hause in den Abgrund ziehen.

Die geografische Nähe, insbesondere zu Wien und den Grenzgebieten Niederösterreichs und Burgenlands, macht diese Arbeit zu einer zugänglichen Möglichkeit. Dies ermöglicht es ihnen, ein Doppelleben zu führen – in Österreich zu arbeiten und relativ regelmäßig nach Hause zurückzukehren.

Diese Dualität hat jedoch ihren Preis. In der Slowakei ist das Thema sexuelle Arbeit nach wie vor extrem stigmatisiert. Frauen verbergen daher ihre Arbeit akribisch nicht nur vor ihrem weiteren Umfeld, sondern oft auch vor der engsten Familie.

Dieser Druck führt zu sozialer Isolation direkt in Österreich. Sie sind auf sich allein gestellt oder auf enge Gemeinschaften anderer Frauen aus Osteuropa angewiesen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Die Angst vor Entdeckung ist konstant und hindert sie daran, Hilfe zu suchen oder sich vollständig in das legale System zu integrieren.

Versteckspiel: Escort und „Getränkbegleiterinnen“

Um das System zu umgehen und gleichzeitig die Natur ihrer Arbeit vor der Umgebung zu maskieren, werden in Österreich, wie anderswo, verschiedene beschönigende Begriffe verwendet. Am häufigsten handelt es sich um zwei Formen:

1. Escortdienste (Begleitservice) Dieses Modell bietet ein höheres Maß an Anonymität und Flexibilität. Frauen arbeiten nicht in einem Club, sondern treffen sich mit Kunden an diskreten, im Voraus vereinbarten Orten, wie Hotels oder privaten Wohnungen. Der Dienst wird offiziell als „Begleitung“, „Zeitgebühr“ oder „Massage“ deklariert.

Viele Slowakinnen bevorzugen dieses Modell, da es nicht mit der öffentlichen Stigmatisierung der Straßenarbeit verbunden ist und oft wohlhabendere Klientel anzieht. Aus rechtlicher Sicht ist es jedoch ein schmaler Grat. Wenn eine Frau sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung anbietet, betrachtet das österreichische Recht dies als Prostitution. Wenn sie dafür keine Registrierung und Genehmigung hat, übt sie diese Tätigkeit illegal aus.

2. Getränkbegleiterin (Animierdame oder Tischmädchen) Dies ist ein historisch etablierter Begriff, der mit der Arbeit in Nachtbars und Clubs verbunden ist. Die offizielle Aufgabe der „Dame am Tisch“ besteht darin, die Kunden aktiv zum Trinken und zum Konsum von teuren Getränken zu animieren. Der Lohn einer solchen Arbeiterin setzt sich in der Regel aus einem niedrigen Fixbetrag vom Betrieb und motivierenden Prozenten von der Rechnung des Kunden zusammen.

Dies erzeugt einen starken Druck auf die Frau, den Kunden zu überzeugen, so viel wie möglich auszugeben. Der sexuelle Akt gegen Bezahlung kann eine begleitende, aber nicht primär beworbene Dienstleistung sein, die oft außerhalb der Bar stattfindet.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Begriff Tischmädchen nicht automatisch ein Synonym für Prostitution ist. Insbesondere nach 2011 gab es Fälle und Erkenntnisse, dass viele Frauen diese Arbeit freiwillig verrichteten und es nicht unbedingt um versteckte sexuelle Dienstleistungen, sondern eher um eine Form bezahlter Gesellschaft ging. Dieses Phänomen werden wir in unseren zukünftigen Artikeln näher beleuchten.

Rettungsnetz von Nichtregierungsorganisationen

Dort, wo systemische Hilfe versagt oder wo Frauen Angst davor haben, treten Nichtregierungsorganisationen ein. In Österreich gibt es ein robustes Netzwerk von Beratungsstellen, die für Frauen in Not, insbesondere für Migrantinnen, oft der einzige Anlaufpunkt sind.

Eine Schlüsselrolle spielen Organisationen wie SOPHIE (unter der Schirmherrschaft von Volkshilfe Wien), die größte Beratungsstelle in Wien, oder LEFÖ, die sich direkt auf Migrantinnen im Sexbusiness spezialisiert hat. LEFÖ nutzt Streetwork, kulturelle Mediation und sogenannte „Peer Educators“ (Gleichaltrige), um Sprach- und Kulturbarrieren zu überwinden. Ähnlich funktionieren auch regionale Zentren wie LENA in Oberösterreich oder PIA in Salzburg.

Die Grundlage ihrer Arbeit ist ein akzeptierender Ansatz. Diese Organisationen bewerten die Wahl der Frauen, im Sexbusiness zu arbeiten, moralisch nicht. Ihr Ziel ist es, soziale, rechtliche und psychologische Beratung anzubieten, in Krisensituationen zu helfen, sie zu den Behörden zu begleiten und vor allem die Risiken, die mit ihrer Arbeit verbunden sind, zu minimieren.

Zusammenarbeit über Grenzen: Polizei ja, Sozialämter fast nicht

Angesichts der diametral unterschiedlichen Rechtssysteme ist die formale zwischenstaatliche Zusammenarbeit zwischen österreichischen und slowakischen Behörden im sozialen Bereich sehr begrenzt. Effektiv ist jedoch die Zusammenarbeit auf Ebene der Polizei und Staatsanwaltschaft. Diese konzentriert sich auf den Kampf gegen die organisierte Kriminalität, die von der Verwundbarkeit der Frauen profitiert.

Die effektivste Hilfe bei der Rückkehr und Reintegration von Opfern erfolgt jedoch erneut im Bereich des Nichtregierungssektors. Österreichische Organisationen wie LEFÖ stehen in Kontakt mit slowakischen Partnern wie La Strada oder STOP Human Trafficking. Wenn sie eine Slowakin als Opfer von Ausbeutung identifizieren, koordinieren sie ihre sichere Rückkehr und anschließende Hilfe in der Slowakei.

Eine interessante rechtliche Wendung in Österreich war die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) aus dem Jahr 2012. Bis dahin wurden Vereinbarungen über die Bereitstellung sexueller Dienstleistungen als „sittenwidrig“ (sittenwidrig) angesehen und waren somit rechtlich ungültig und nicht durchsetzbar. Das Gericht änderte diese Sichtweise, was in der Praxis bedeutet, dass Arbeiterinnen ihre Vergütung für die erbrachte Dienstleistung gerichtlich einfordern können.

Für Slowakinnen, die im System verloren sind, ist das jedoch ein schwacher Trost. Das österreichische Modell zeigt ein Paradoxon: Der Versuch, Regulierung und Ordnung zu schaffen, kann ohne ausreichende Unterstützung, Überwindung von Sprachbarrieren und Abbau von Bürokratie dazu führen, dass die Verwundbarsten tiefer in den Schatten gedrängt werden.

Boris und Eva.

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Quellen: Strafgesetzbuch (Strafgesetzbuch – StGB): Definiert Straftaten im Zusammenhang mit Prostitution, wie Zuhälterei (§ 216 StGB – Zuhälterei), Menschenhandel (§ 217 StGB – Prostitutionshandel) und Straftaten gegen die sexuelle Integrität. Diese Bestimmungen sind entscheidend im Kampf gegen die organisierte Ausbeutung von Frauen aus Osteuropa.
Zivilrecht: Bis 2012 wurden Verträge über sexuelle Dienstleistungen als sittenwidrig angesehen und waren somit ungültig. Durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) wurden sexuelle Dienstleistungen nicht mehr als sittenwidrig betrachtet, was die Durchsetzbarkeit von Zahlungen für erbrachte Dienstleistungen ermöglicht. Foto: https://images.pexels.com/photos/23363585/pexels-photo-23363585.jpeg