Arbeiten im Ruhestand wird in Österreich attraktiver: Parlament beschließt Steuerbonus von bis zu 1.250 Euro monatlich

Der österreichische Nationalrat hat die Einführung der sogenannten „Aktivpension“ beschlossen. Diese neue Regelung bietet erhebliche steuerliche und abgabenrechtliche Vorteile für Seniorinnen und Senioren, die auch nach Erreichen des regulären Pensionsalters im Berufsleben bleiben möchten.

Das Hauptziel dieser Maßnahme ist es, erfahrene Arbeitskräfte finanziell zu motivieren, freiwillig weiterzuarbeiten, und gleichzeitig den Fachkräftemangel in der österreichischen Wirtschaft zu lindern. Anstelle der bisherigen steuerlichen Belastung bei gleichzeitiger Pension und Gehalt bietet der Staat nun ein Modell, das es arbeitenden Pensionistinnen und Pensionisten ermöglicht, einen deutlich höheren Nettobetrag aus ihrem Einkommen zu behalten.

Wie der Steuerbonus in der Praxis funktioniert

Das Herzstück der Aktivpension ist ein Steuerbonus, der bis zu 1.250 Euro monatlich betragen kann, was auf das ganze Jahr gerechnet einer steuerfreien Summe von bis zu 15.000 Euro entspricht. In der Praxis bedeutet das, dass Einkünfte aus einer Beschäftigung neben der Altersrente bis zu dieser Grenze von der Einkommenssteuer befreit sind. Dadurch entfallen auch hohe Steuernachzahlungen bei der jährlichen Steuerveranlagung, die bisher durch die Addition von Pension und Gehalt entstanden sind.

Neben dem Steuerbonus bringt das Gesetz eine weitere direkte Verbesserung. Arbeitende Pensionistinnen und Pensionisten müssen nicht mehr den Arbeitnehmeranteil zur Pensionsversicherung von 10,25 Prozent ihres Bruttogehalts abführen. Dieser Betrag bleibt ihnen direkt auf der Gehaltsabrechnung erhalten.

Voraussetzungen und Übergangsregelungen für Frauen

Um die vollen steuerlichen Vorteile in Anspruch nehmen zu können, müssen zwei klare Kriterien erfüllt sein: Der Antragsteller muss das reguläre Pensionsalter von 65 Jahren erreicht haben und mindestens 40 Jahre in die Pensionsversicherung eingezahlt haben.

Für Männer gelten diese Regeln sofort mit Einführung der Neuerung. Für Frauen wurde ein schrittweiser Übergangsmechanismus eingeführt, da das gesetzliche Pensionsalter für Frauen in Österreich derzeit noch an das der Männer angeglichen wird. Diese Anpassung soll verhindern, dass Frauen während der Übergangsphase benachteiligt werden.

Chancen für bereits pensionierte Personen

Das Gesetz berücksichtigt auch Seniorinnen und Senioren, die bereits in Pension sind, aber die erforderlichen 40 Versicherungsjahre noch nicht erreicht haben. Eine spezielle Regelung betrifft Personen, die vor dem 1. Juli dieses Jahres in Pension gegangen sind.

Diesen Pensionistinnen und Pensionisten wird die Möglichkeit gegeben, fehlende Versicherungszeiten nachzuholen. Wenn sie weiterhin aus einer Beschäftigung oder selbstständigen Tätigkeit versichert sind, werden die neu erarbeiteten Monate zu den bisherigen Jahren hinzugezählt. Sobald sie die erforderliche Anzahl an Versicherungsjahren erreicht haben, qualifizieren sie sich automatisch für den neuen Steuerbonus.

Während der parlamentarischen Debatte äußerte sich auch die Opposition zur technischen Ausgestaltung des Gesetzes. Die Sozialsprecherin der FPÖ, Dagmar Belakowitsch, bezeichnete die Regelung als handwerklich unausgereift, und der Grünen-Abgeordnete Markus Koza wies darauf hin, dass besser verdienende Pensionistinnen und Pensionisten mehr von den Steuererleichterungen profitieren würden. Die Regierungskoalition verteidigt die Reform jedoch als entgegenkommenden Schritt für alle Seniorinnen und Senioren, die gesund und motiviert im Arbeitsleben bleiben möchten, um ihren Lebensstandard spürbar zu verbessern.

Was die Neuerung für Slowaken in Österreich bedeutet

Die beschlossenen Änderungen sind auch für die zehntausenden Slowakinnen und Slowaken direkt nutzbar, die in Österreich leben oder dort arbeiten. Bei der Berechnung der erforderlichen 40 Versicherungsjahre gelten europäische Koordinationsregeln, die es den österreichischen Behörden ermöglichen, auch in der Slowakei oder in anderen EU-Staaten geleistete und abgedeckte Arbeitsjahre zu berücksichtigen. Slowakische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Gesundheitswesen, Dienstleistungssektor, in der Industrie oder Verwaltung müssen somit nicht alle vier Jahrzehnte ausschließlich bei österreichischen Arbeitgebern gearbeitet haben, um von den neuen steuerlichen Vorteilen zu profitieren.

Diese Regelung ist ebenso vorteilhaft für Slowakinnen und Slowaken, die bereits eine österreichische oder kombinierte Pension beziehen und weiterhin in Österreich arbeiten oder selbstständig tätig sind. Die neue Gesetzgebung ermöglicht es ihnen, von einem bisher eingeschränkten Modell des Zuverdienstes neben der Pension zu einer vollwertigeren Beschäftigung überzugehen, ohne befürchten zu müssen, dass ein zusätzliches Einkommen die Steuerlast bei der Jahresabrechnung erheblich erhöht. Die Möglichkeit, fehlende Versicherungsjahre nachzuarbeiten, öffnet zudem die Tür zu Erleichterungen für jene slowakischen Seniorinnen und Senioren, denen nur noch wenige Monate oder Jahre aktiver Tätigkeit zur Erfüllung der Grenze fehlen.

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Verwendete Quellen:

https://www.bmf.gv.at/themen/steuern/aktivpension.html

https://www.bmf.gv.at/themen/steuern/aktivpension.html

Symbolfoto: https://www.pexels.com/de-de/foto/geld-kasse-wahrung-euro-20843728/

Autor: Boris Zima

Mail: boris.zima@viedencan.at