Achtung auf die Gehaltsstufe: Warum verlieren Slowaken in Österreich Geld?

Viele slowakische Arbeitnehmer in der österreichischen Gastronomie oder im Handel verlieren jährlich Tausende Euro, längeren Urlaub und bessere Bedingungen im Krankheitsfall. Der Grund ist oft nicht die Unwilligkeit des Arbeitgebers, sondern die Unkenntnis der Arbeitnehmer selbst. Der Schlüssel zu fairer Bezahlung und besseren Bedingungen liegt im Begriff „Vordienstzeiten“ – die Anerkennung früherer Berufserfahrung, die jedoch aktiv beantragt werden muss, während die Zeit drängt.
Stellen Sie sich eine Köchin mit zehn Jahren Erfahrung aus der Slowakei vor, die in einem Restaurant im Burgenland anfängt. Sie freut sich über die Arbeit im Ausland, ahnt jedoch nicht, dass ihr Einstiegsgehalt dem einer Anfängerin entspricht. Ähnlich ergeht es einer Verkäuferin aus Trnava in einem Wiener Supermarkt. Beide übersehen, dass ihre Jahre harter Arbeit und Erfahrung in Österreich einen genau bezifferten Wert haben.
Dieses Szenario erleben unzählige Slowaken. Der Eintritt in eine neue Umgebung, der Respekt vor einem fremden Rechtssystem und die Sprachbarriere schaffen eine Situation, die zu unnötigen finanziellen Verlusten führt. Obwohl österreichische Kollektivverträge klar vorschreiben, frühere Berufserfahrungen zu berücksichtigen, liegt die Verantwortung für deren Nachweis fast ausschließlich beim Arbeitnehmer. Unwissenheit wird so zu einem teuren Fehler, der sich Monat für Monat auf der Gehaltsabrechnung wiederholt. Das Problem betrifft nicht nur in Österreich erworbene Erfahrungen; am häufigsten wird vergessen, die in der Slowakei oder in anderen EU-Ländern geleisteten Jahre anzurechnen, worauf die Arbeitnehmer ein volles Recht haben.
Was Ihre Berufserfahrung wirklich bedeutet: Mehr als nur eine Zahl im Lebenslauf
Die Anerkennung der „Vordienstzeiten“ ist nicht nur eine kosmetische Anpassung im Arbeitsvertrag. Sie hat direkten und spürbaren Einfluss auf wesentliche Aspekte des Arbeitsverhältnisses, die die Lebensqualität beeinflussen. In erster Linie führt sie zu einem höheren Grundgehalt, da Kollektivverträge im Gastgewerbe und Handel ein System von Gehaltsstufen nutzen. Je mehr Jahre Berufserfahrung ein Arbeitnehmer nachweisen kann, desto höher wird er eingestuft, wobei der Unterschied mehrere hundert Euro im Monat betragen kann.
Ohne diesen Schritt bleibt man trotz seiner tatsächlichen Fähigkeiten auf der untersten Stufe. Ein weiterer Vorteil ist der Anspruch auf längeren Urlaub. Zwar garantiert das österreichische Gesetz fünf Wochen Urlaub, doch nach Erreichen einer bestimmten Anzahl von Arbeitsjahren entsteht ein Anspruch auf eine sechste Woche. Angerechnete Berufserfahrung bietet zudem mehr Sicherheit im Krankheitsfall und beim Ausscheiden, da die Dauer der Beschäftigung den Zeitraum verlängert, in dem der Arbeitnehmer Anspruch auf volle Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hat.
Von Bratislava nach Wien: Welche Erfahrungen zählen?
Das System ist flexibler, als viele denken, und berücksichtigt nicht nur die Arbeit beim letzten Arbeitgeber. Es werden beispielsweise fachlich relevante Erfahrungen aus der EU berücksichtigt, sodass, wenn Sie als Kellner in Tschechien oder als Verkäuferin in der Slowakei gearbeitet haben, diese Erfahrung bei der Aufnahme einer identischen Position in Österreich vollständig anerkannt werden muss. Kollektivverträge erlauben zudem die Anrechnung von Erfahrungen aus verschiedenen Unternehmen, wobei im Gastgewerbe bis zu drei Jahre und im Handel sogar bis zu sieben Jahre berücksichtigt werden. In einigen spezifischen Fällen werden auch Studienjahre an Fach- oder Hochschulen als Erfahrung angerechnet, wenn sie für die jeweilige Position relevant sind.
Wie Sie sich das sichern, worauf Sie Anspruch haben
Passivität zahlt sich in diesem Fall nicht aus, und die Initiative muss von Ihnen selbst kommen. Kollektivverträge legen in der Regel eine Frist fest – oft nur wenige Monate nach Arbeitsbeginn –, innerhalb derer die Nachweise vorgelegt werden müssen, sonst kann der Anspruch ohne Ersatz verfallen.
Sammeln Sie zunächst Beweise und bereiten Sie alle verfügbaren Dokumente vor, die Ihre berufliche Vergangenheit belegen, insbesondere Arbeitsverträge, Dienstzeugnisse, Bestätigungen ehemaliger Arbeitgeber, Maturazeugnisse oder Universitätsdiplome, denn jeder dokumentierte Monat zählt.
Wenden Sie sich anschließend an Experten. Sie müssen kein Arbeitsrechtsexperte sein, denn der wichtigste Partner der Arbeitnehmer in Österreich ist die Arbeiterkammer und die zuständigen Gewerkschaften, wie etwa die GPA für den privaten Sektor und Handel oder vida für Verkehr und Dienstleistungen einschließlich Gastronomie. Diese Institutionen bieten kostenlose Beratung, bewerten Ihre Situation und erklären Ihnen das genaue Vorgehen.
Schließlich handeln Sie offiziell. Mit den vorbereiteten Unterlagen und Empfehlungen fordern Sie Ihren Arbeitgeber schriftlich auf, die Gehaltsstufe zu überprüfen und die „Vordienstzeiten“ anzurechnen, damit Sie einen klaren Nachweis in der Hand haben.
Informiert und aktiv zu sein, ist in diesem Fall Gold wert. Unterschätzen Sie nicht den Wert Ihrer eigenen Arbeit und Vergangenheit. Sie sind ein qualifizierter und erfahrener Arbeitnehmer, kein Anfänger, daher überprüfen Sie, ob Ihr Gehalt und Ihre Bedingungen tatsächlich dem entsprechen, was Sie sich über die Jahre hart erarbeitet haben.
Begriffslexikon
Vordienstzeiten
Dies bezeichnet die Zeit, in der Sie vor dem Eintritt in die aktuelle Anstellung gearbeitet haben. Diese Erfahrungen können beim selben Arbeitgeber, bei anderen Arbeitgebern oder sogar im Ausland (einschließlich der Slowakei) erworben worden sein. Die Anrechnung der Vordienstzeiten ist entscheidend für die richtige Einstufung in die Gehaltsklasse, die Höhe des Gehalts, den Urlaubsanspruch und weitere Vorteile.
Kollektivvertrag
Dies ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, die Arbeitsbedingungen und Mindestlöhne für eine bestimmte Branche (z.B. Gastronomie, Handel, Industrie) festlegt. Der Kollektivvertrag steht über dem individuellen Arbeitsvertrag und seine Bestimmungen sind für den Arbeitgeber verbindlich. Er definiert auch die Regeln für die Anrechnung der Vordienstzeiten.
Arbeiterkammer
Die Arbeiterkammer ist die gesetzliche Vertretung der Arbeitnehmer in Österreich. Sie bietet kostenlos rechtliche Beratung und Unterstützung in Fragen des Arbeitsrechts, der sozialen Sicherheit und des Verbraucherschutzes. Wenn Sie Zweifel an der Richtigkeit Ihrer Einstufung, der Höhe Ihres Gehalts oder anderer Arbeitsbedingungen haben, ist die Arbeiterkammer die erste Anlaufstelle.
Falsche Einstufung
Dies bezeichnet die Situation, in der ein Arbeitnehmer in eine niedrigere Gehaltsklasse eingestuft wird, als ihm nach dem Kollektivvertrag und seinen früheren Berufserfahrungen zusteht. Die Folge ist ein niedrigeres Gehalt und möglicherweise auch geringere Ansprüche auf Urlaub oder andere Vorteile. In einem solchen Fall haben Sie das Recht, eine Überprüfung und Nachzahlung des Gehaltsunterschieds, oft rückwirkend, zu verlangen.
Berufsjahre
Dieser Begriff wird manchmal in Kollektivverträgen verwendet und bezeichnet die gesamte Dauer Ihrer beruflichen Erfahrung in der jeweiligen oder einer verwandten Branche, die Ihre Einstufung in die Gehaltsklasse und die Höhe des Gehalts beeinflusst.
Gehaltseinstufung
Dies bezeichnet die Festlegung der Höhe Ihres Gehalts basierend auf Ihrer Qualifikation, der Dauer Ihrer Berufserfahrung und der Position, wie sie im entsprechenden Kollektivvertrag definiert ist. Die richtige Einstufung ist entscheidend für eine faire Vergütung.
Lassen Sie sich Ihre Rechte nicht nehmen. Informieren Sie sich und machen Sie Ihre Ansprüche geltend, die Ihnen zustehen.
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Quelle: https://www.wko.at/kollektivvertrag/lohnordnung-gastronomie-wien-arbeiter-2025 https://ooe.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/Arbeitsvertrag/Vordienstzeiten.html
(r) und Foto: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-halt-trinkglas-580613/
Verwendete Quellen:
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Autor: Boris Zima
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