Letzte Chance für einen Besuch: Die Wiener Musikhäuser schließen für zwei Jahre

Das kulturelle Erbe Wiens macht eine vorübergehende Pause. Aufgrund von Sparmaßnahmen und geplanten Modernisierungen werden mehrere beliebte Zweigstellen des Wiener Museums für zwei Jahre geschlossen. Wenn Sie die Orte besuchen möchten, an denen Größen wie Haydn, Schubert oder Strauss wirkten, haben Sie nur bis Ende Februar Zeit.
Das Wiener Museum schließt ab dem ersten März mehrere seiner Filialen für einen längeren Zeitraum aus Gründen der Einsparung, aber auch wegen Renovierungen. Nur bis zum ersten März sind noch geöffnet: der Neidhart-Saal, das Haydn-Haus, das Geburtshaus Schuberts und die Wohnung von Johann Strauss. Alle Objekte sollen erst in zwei Jahren, im Jahr 2028, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Laut dem Online-Magazin OE24 plant das Wiener Museum im Rahmen der Sparmaßnahmen, aber auch teilweise wegen der Renovierung und Modernisierung seiner Filialen, die vorübergehende Schließung von Objekten, die Teil des Wien Museums sind.
Der Minnesänger Neidhart von Reuental (1180 – 1250) war in Wien als bekannter Sänger tätig, der die Verhältnisse am kaiserlichen Hof parodierte, und einige seiner Lieder sind bis heute in Archiven erhalten geblieben. Kurz nach 1400 ließ der Unternehmer Michel Menschein Fresken mit Motiven von Neidhart in der Bankhalle seines prächtigen Hauses in der Tuchlauben nahe dem Stephansdom im Zentrum Wiens malen. Bei späteren Umbauten im Haus und dem Anbau einer Treppe wurde ein Teil der Fresken beschädigt. Erst 1979 wurden die Fresken wiederentdeckt und restauriert.
Seit 1982 befindet sich das Gebäude in Privatbesitz, und das Wiener Museum konnte hier seine Filiale behalten. Die erhaltenen Fresken zeigen Szenen aus der Schneeschlacht, gegenseitige Duelle von Bauern und eine Szene mit einer jungen Frau. In einem Fresko sind Szenen aus Neidharts Spiel „Die violette Farce“ dargestellt. Im Museum befinden sich auch drei weitere leere Räume, die ein architektonisches Denkmal des 19. Jahrhunderts sind.
Spuren musikalischer Genies in Gumpendorf und Nussdorf
Nach der Rückkehr Josephs Haydn (1732 – 1809) aus England im Jahr 1793 kaufte der Komponist ein kleines Gartenhäuschen in der damaligen Steingasse, nahe der Windmühle in Gumpendorf, damals am Stadtrand von Wien. Er zog 1797 hier ein und lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1809. Hier komponierte er seine berühmten Werke „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“. Laut den Museumsexperten ist die Ausstellung im Haydn-Museum, das sich in der heutigen Haydnstraße befindet, bereits veraltet, es fehlt an multimedialen Elementen und eine Renovierung ist notwendig. Im Erdgeschoss des Museums werden die Besucher kurz mit der Geschichte Gumpendorfs vertraut gemacht, das 1809 von Napoleons französischen Truppen besetzt wurde, was der Komponist schwer ertrug und daraufhin starb. Auch die obligatorische Kanonenkugel in der Wand zeugt von der Anwesenheit der Franzosen. Im ersten Stock lernen die Besucher die Persönlichkeit des Komponisten kennen; hier sind seine Büste und originale Noten ausgestellt. Seit 1980 gibt es im Haydn-Museum auch eine Ausstellung über einen weiteren musikalischen Giganten – Johannes Brahms (1833 – 1897), dessen Haus in der Karlsgasse zerstört wurde.
Im neunten Bezirk Wiens, in der Nußdorfer Straße 54, befindet sich das Geburtshaus von Franz Schubert (1797 – 1828), wo er am 31. Januar das Licht der Welt erblickte. Zu dieser Zeit war hier eine Schule, und Schuberts Vater Franz Theodor war hier als Lehrer tätig. In der 1996 eröffneten Ausstellung sind Porträts von Schubert, seinen Verwandten und Orten, die er während seines kurzen Lebens (er starb mit 31 Jahren) besuchte, zu sehen. Auch die Musikinstrumente, mit denen der Künstler schuf und auftrat, Noten und Konzertprogramme sind erhalten. Eine neue Ausstellung wird anlässlich des 200. Todestages des Komponisten im Jahr 2028 eröffnet.
Von der „Blauen Donau“ bis zum kaiserlichen Schönbrunn
Johann Strauss (1825 – 1899), weltberühmt durch seinen Walzer „An der schönen blauen Donau“, lebte zusammen mit seiner Frau Henrietta Chalupetzky in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts in einer Wohnung in der Praterstraße 54, wo auch der genannte Walzer in den Jahren 1866/67 entstand. Hier komponierte er auch mehrere seiner Melodien, mit denen er nicht nur weltweit berühmt wurde, sondern auch unermesslich reich. Sein Reichtum ermöglichte es ihm, in die Nachbarschaft des Kaisers nach Schönbrunn zu ziehen, wo er eine geräumige Villa kaufte.
In der Ausstellung kann man sich mit der Geschichte des Wiener Vororts Leopoldstadt vertraut machen und die zahlreiche musikalische Familie der Strauss kennenlernen. Ausgestellt sind Bilder, Büsten, persönliche Gegenstände und die Totenmaske des Künstlers. Das Haus in der Praterstraße befindet sich im Privatbesitz einer deutschen Adligen, die sich beim Kauf verpflichtet hat, dass das Museum auch in Zukunft eine „friedliche“ Miete von etwa 600 € pro Monat zahlen wird. Nach der geplanten Renovierung bleibt die Hoffnung, dass die Türen zur Wohnung von Strauss in zwei Jahren wieder für Fans des musikalischen Genies aus aller Welt geöffnet werden. Sein Erbe lebt auch dank des traditionellen Neujahrskonzerts aus Wien weiter.
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