Wien verbannt schwere E-Mopeds von Radwegen

In der österreichischen Hauptstadt Wien tritt eine bedeutende Änderung in Kraft, die schon lange in Diskussionen über die Sicherheit der städtischen Mikromobilität thematisiert wurde. Ab dem 1. Oktober dürfen schwere elektrische Mopeds nicht mehr die Radwege nutzen. Stattdessen müssen sie sich an die gleichen strengen Regeln halten wie herkömmliche Motorräder mit Verbrennungsmotor. Diese Entscheidung des Bundesministeriums für Mobilität, die von der Wiener Stadtverwaltung uneingeschränkt unterstützt wird, beendet endgültig die Ära, in der massive Fahrzeuge mit einem Gewicht von fast einem Zentner die Radwege mit normalen Radfahrern und Familien teilten.

Dieser Schritt erfolgt in einer Zeit, in der alternative Formen der städtischen Mobilität immer beliebter werden, aber auch an die physischen Grenzen des öffentlichen Raums stoßen. Bisher erlaubte die Gesetzgebung, dass auf Radwegen Fahrzeuge unterwegs waren, die mit Fahrrädern kaum vergleichbar sind. Während diese Fahrzeuge bislang rechtlich fast wie Fahrräder oder E-Bikes behandelt wurden, stuft die neue Regelung sie als Kraftfahrzeuge ein, um auf die steigende Zahl von Kollisionen und Beschwerden aus der Bevölkerung zu reagieren.

Ende der Grauzone und der lockeren Regeln

Mit dem 1. Oktober beginnt für Betreiber von E-Mopeds eine neue Ära, die zahlreiche bürokratische und finanzielle Verpflichtungen mit sich bringt. Die wichtigste Änderung ist die Pflicht zur Registrierung der Fahrzeuge und die Zuteilung eines amtlichen Kennzeichens, was das Ende der Anonymität von Verkehrssündern bedeutet. Fahrzeuge, die in die definierten Kategorien fallen, insbesondere solche der Klasse L1e-B, die ohne Pedalunterstützung Geschwindigkeiten von bis zu 25 km/h erreichen können, müssen eine Haftpflichtversicherung für den Betrieb eines Kraftfahrzeugs abschließen.

Fahrer benötigen zudem einen entsprechenden Führerschein und einen zugelassenen Schutzhelm, während die Fahrzeuge regelmäßigen technischen Überprüfungen gemäß der geltenden Bundesgesetzgebung unterzogen werden müssen, bekannt als §57a-Überprüfung. Auf diese Weise beseitigen die österreichischen Behörden die Anomalie, dass ein Fahrzeug mit hohem Risikoprofil keine technische Fahrtauglichkeit in dicht besiedelten Gebieten nachweisen musste, während schwächere Benzinmopeds diesen Prüfungen unterzogen wurden.

Gefährliche Dynamik durch Daten belegt

Die Initiative zur gesetzlichen Ausgliederung dieser Fahrzeuge entstand nicht aus einem administrativen Eigensinn, sondern basiert auf alarmierenden Erkenntnissen von Verkehrsanalyseexperten. Messungen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit ergaben eindeutige Ergebnisse über das Verhalten der Fahrer. Fast zwei Drittel der überwachten E-Mopeds bewegten sich auf Radwegen mit Geschwindigkeiten, die den gesetzlich festgelegten Grenzwert von 25 km/h deutlich überschritten.

Zur hohen Geschwindigkeit kommt das Gewicht und die strukturelle Steifigkeit hinzu, worauf Experten der Technischen Universität Wien schon lange hinweisen. Während ein klassisches leichtes Moped mit Verbrennungsmotor etwa 46 Kilogramm wiegt und seit Jahrzehnten ausschließlich auf Fahrspuren für Autos fährt, erreichen elektrische Mopeds problemlos ein Leergewicht von 70 bis 80 Kilogramm. Wenn man das Gewicht eines erwachsenen Fahrers und oft große Lieferboxen hinzufügt, entsteht auf dem Radweg eine kinetische Waffe, die bei einem Zusammenstoß mit einem normalen Radfahrer oder Fußgänger verheerende Folgen haben kann.

Stadt schützt Raum für Schwächere

Die Wiener Stadträtin für Mobilität, Ulli Sima, hat diesen Eingriff lange gefordert und bezeichnet ihn als überfälligen, aber notwendigen Schritt zur Wiederherstellung der Sicherheit. Laut ihren Aussagen war es für die Stadt oberste Priorität, sicherzustellen, dass Radwege ihrem ursprünglichen Zweck dienen: einer sicheren und stressfreien Fortbewegung für Menschen aller Altersgruppen. Die Mischung aus leisen, aber unverhältnismäßig schweren motorisierten Fahrzeugen mit Freizeitfahrern, Kindern und Fußgängern schuf auf den Strecken ständige Spannungen und drängte schwächere Verkehrsteilnehmer ab.

Die Stadtverwaltung argumentiert, dass der Schutz der Radfahrer Hand in Hand mit dem massiven Ausbau der Infrastruktur gehen muss, in die die Stadt Millionen von Euro investiert. In der vergangenen Zeit wurde das Rückgratnetz der Radwege um mehr als 100 Kilometer moderne Korridore erweitert, während weitere 50 Kilometer in den einzelnen Bezirken hinzugekommen sind. Diese Investitionen wären laut Stadtverwaltung sinnlos, wenn die neu geschaffenen Streifen von kommerziellen Kurieren auf schweren Maschinen dominiert würden, die die Regeln ignorieren und den leisen Betrieb des Elektromotors ausnutzen.

Änderungen am berühmten Ringradweg

Die Entscheidung, E-Mopeds auszusperren, kommt zudem zu einem strategischen Zeitpunkt, da Wien eines seiner bedeutendsten Verkehrsprojekte im historischen Zentrum startet. In den Herbstmonaten beginnt die umfassende Modernisierung des bekannten Ringradwegs, der das innere Stadtgebiet entlang der Ringstraße umrundet. Dieser Abschnitt gehört zu den meistbefahrenen Verkehrsadern der gesamten Metropole und stand lange in der Kritik wegen der Kollisionspunkte zwischen Fußgängern und Radfahrern.

Die erste Phase der Renovierung konzentriert sich auf die konsequente räumliche Trennung von Fußgänger- und Radverkehr, um das Unfallrisiko vor historischen Sehenswürdigkeiten und Haltestellen des öffentlichen Verkehrs erheblich zu reduzieren. Der Ausschluss elektrischer Mopeds aus diesem Korridor ist laut Stadtverwaltung eine Voraussetzung dafür, dass die neue Gestaltung der Prachtstraße die versprochene Verkehrsberuhigung und einen kultivierteren öffentlichen Raum bringt. Wien sendet damit ein klares Signal an ganz Mitteleuropa, dass die Ökologisierung des Verkehrs nicht auf Kosten der Sicherheit gehen darf und dass motorisierte Fahrzeuge, unabhängig von der Antriebsart, auf die Fahrbahn gehören.

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Quellen:

Stadt Wien

Symbolfoto: https://www.pexels.com/de-de/foto/bunte-roller-parken-im-freien-in-eskisehir-39080322/

Autor: Boris Zima

Mail: boris.zima@viedencan.at