Wenn der Felsen der Kraft des Wassers nachgibt: Myrafälle

Im Schatten der mächtigen Wiener Alpen, nur einen Steinwurf von der pulsierenden Hauptstadt entfernt, findet ein jahrhundertealter Kampf der Naturgewalten statt. Hier bahnt sich das Wasser mit unbarmherziger Geduld seinen Weg durch den harten Kalkstein und schafft eine atemberaubende Szenerie. Die Myrafälle in der Gemeinde Muggendorf sind nicht nur ein Naturphänomen; sie sind ein lebendiger Beweis für die Kraft, die die Landschaft formt, und gleichzeitig ein Denkmal für das menschliche Verlangen, diese Schönheit zu entdecken und anderen sicher zugänglich zu machen. Heute stellen sie ein ideales Ziel dar, wo Abenteuer mit Entspannung und Wissen verbunden werden.

Hinter diesem Schauspiel steht ein unscheinbarer, aber umso hartnäckigerer Wasserlauf – der Myrabach. Seine Geschichte beginnt nicht auf den Bergwiesen, sondern in der geheimnisvollen Stille der Unterwelt. Leben wird ihm von dem geheimnisvollen Myralucke-See eingehaucht, der tief im Massiv des Unterbergs verborgen ist. Wenn seine Wasser schließlich an die Oberfläche gelangen, verwandelt sich der ruhige Fluss dramatisch. Der Myrabach tritt in eine enge Felsschlucht ein und seine rohe Energie zeigt sich in vollem Umfang.

Auf einem relativ kurzen Abschnitt überwindet er eine Reihe steiler Felsstufen, wodurch unzählige Kaskaden, Strudel und Wasserfälle entstehen. Das Wasser stürzt mit ohrenbetäubendem Lärm in die Tiefe, zerschellt an den Felsen und erzeugt einen feinen Wassernebel, der an sonnigen Tagen einen Regenbogen in die Luft malt. Durch diese Schlucht zu gehen bedeutet, ein direkter Zeuge dieses Naturschauspiels zu werden. Dank eines ausgeklügelten Netzes aus Holzstegen und Treppen bewegt sich der Besucher dicht über dem tobenden Element, spürt seine Vibrationen und nimmt seine unbändige Kraft aus nächster Nähe wahr. Nach dem Überwinden der dramatischen Schlucht beruhigen sich die Wasser des Myrabach und fließen friedlich in den größeren Fluss Piesting.

Das Erbe der Pioniere des Tourismus

Die Vorstellung, dass man sicher durch das Herz einer solchen wilden Schlucht spazieren könnte, war im 19. Jahrhundert fast eine Fantasie. Ihre Verwandlung in Realität wurde von Visionären des Österreichischen Touristenklubs (ÖTK) ermöglicht. Bereits 1885, zur Blütezeit des Alpentourismus, bauten sie mit großem Einsatz und technischem Geschick das erste System von Wegen und Brücken. So wurde ein Ort zugänglich gemacht, der zuvor nur den mutigen Bergsteigern und den einheimischen Holzfällern vorbehalten war.

Dieser Pionierakt legte den Grundstein für eine Tradition, die bis heute anhält. Die Infrastruktur wird regelmäßig und gründlich gewartet. Eine grundlegende Renovierung im Jahr 2007 verwandelte das Areal in einen modernen Komplex „Wander- und Wasserwelt“ – die Welt des Wanderns und des Wassers. Es geht jedoch nicht nur um einen sicheren Durchgang. Elf Informationstafeln entlang des Weges bereichern das Erlebnis mit Wissen. Der Besucher erfährt etwas über die geologische Bildung der Schlucht, über die lokale Fauna und Flora, aber auch darüber, wie die Menschen in der Vergangenheit die Kraft des Wassers zur Antrieb kleiner Sägen und Mühlen nutzten, die einst im Tal standen und eine Lebensgrundlage für die lokalen Gemeinschaften darstellten.

Spaß und Wissen für die ganze Familie

Die Myrafälle sind heute nicht nur der Durchgang durch die Schlucht, der bei normalem Tempo etwa eine Stunde dauert. Die Betreiber des Areals haben an alle Altersgruppen gedacht. Gleich am Eingang erwartet die kleinsten Besucher ein umfangreicher Abenteuerspielplatz, auf dem wieder das Wasser die Hauptrolle spielt. Kinder können mit Wasserkanälen, Rädern und anderen interaktiven Elementen spielen. Teil des Angebots ist auch ein kleiner Teich, in dem sie ihre Geschicklichkeit beim Floßfahren ausprobieren können, was für Stadt-Kinder oft ein unvergessliches Erlebnis ist.

Für diejenigen, denen eine einstündige Wanderung nicht ausreicht, dient die Schlucht als hervorragender Ausgangspunkt für längere Wanderungen. Ein beliebtes Ziel ist der nahegelegene Hausstein, von dem aus sich ein Panoramablick auf die umliegende Landschaft der Wiener Alpen eröffnet. Die Kombination aus einem adrenalinhaltigen Durchgang durch die Schlucht mit einer ruhigen Wanderung und Aussicht macht die Myrafälle zu einem komplexen Ziel für aktive Erholung.

Wie man dorthin gelangt und was man wissen sollte

Die Erreichbarkeit des Standorts ist problemlos. Für Autofahrer stehen großzügige Parkplätze zur Verfügung. Es wurde jedoch auch an eine umweltfreundlichere Transportmöglichkeit gedacht. Während der Sommersaison, an Wochenenden und Feiertagen verkehrt eine spezielle Buslinie direkt vom Bahnhof in Pernitz, was einen bequemen Ausflug auch ohne Auto ermöglicht. Der Eintritt in das Areal ist kostenpflichtig, doch jeder Besucher sieht, dass sein Beitrag in die Wartung und Sicherheit der Wege investiert wird. Als nette Kuriosität kann man auch ein unkonventionelles Souvenir in Form eines „0-Euro-Scheins“ mit dem Motiv der Wasserfälle mitnehmen.

Die Myrafälle sind ein strahlendes Beispiel dafür, wie man den Schutz des Naturerbes sensibel mit den Bedürfnissen des modernen Tourismus verbinden kann. Sie sind ein Ort, an dem der Mensch zum demütigen Beobachter des ewigen Naturzyklus wird und gleichzeitig Bewunderer der menschlichen Einfallsreichtum, die es ihm ermöglicht hat, in diese verborgene Welt zu blicken.

Beitrag zur Wartung

KategorieAlterPreis (€)
Grundpreis
Erwachseneab 15. Geburtstag€ 7,-
Kinderab 6. Geburtstag€ 3,-
Gruppentarife (ab 25 Personen, Mitglieder von Touristenvereinen)
Erwachseneab 15. Geburtstag€ 6,-
Kinderab 6. Geburtstag€ 2,-
Saisonkarte (Gültig für die Saison 2024)
Erwachseneab 15. Geburtstag€ 28,-
Kinderab 6. Geburtstag€ 12,-

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Verwendete Quellen:

https://www.myrafaelle.at/

Foto: Roman Klementschitz, Wien CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=896734