Karriere oder Mutterschaft: Geschichten von fünf Frauen

Vor kurzem feierte die Tochter einer Freundin ihren dreißigsten Geburtstag, und ich war zu einem kleinen Familientreffen eingeladen. Dabei konnte ich in Erinnerungen schwelgen, da ich meine Freundin und ihre Familie seit über drei Jahrzehnten kenne. Wir lachten viel und stellten fest: Die Zeiten haben sich geändert. Von fünf jungen Frauen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren hat keine Kinder, und keine plant, in naher Zukunft Mutter zu werden. Gleich zu Beginn sagten sie mir, dass keine von ihnen eine Großmutter hat, die im Notfall einspringen könnte, wie ich es für meine Enkelin tue. Jede dieser Frauen hat ihre eigenen Gründe, warum sie keine Mutter werden möchte. Ich hörte mir ihre Geschichten an, was mich zum Nachdenken brachte. Eine Zukunft ohne Kinder ist eine harte Realität.

Ich möchte Ihnen meinen „Mädelskreis“ etwas näher vorstellen, den ich seit ihrer Geburt kenne. Alle fünf Frauen erzählten mir einhellig, dass sie auf ihre Mütter gehört und fleißig gelernt haben. Sie haben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und arbeiten hart an ihren Karrieren. Vier von ihnen sind in Partnerschaften mit erfolgreichen Männern, die fünfte ist Single und hat nicht vor, ihren Status zu ändern.

Frauen und ihre Karrieren

Die erste Frau ist Biologin und forscht an Medikamenten gegen Krebs. Sie reist viel um die Welt, und ihr Partner führt ein florierendes IT-Unternehmen. Da er online arbeiten kann, begleitet er sie oft auf ihren Reisen. Im Sommer mieten sie sich luxuriöse Villen am Meer, wo sie beide arbeiten und ihre Familien einladen. Die junge Wissenschaftlerin will keine Kinder. Ihre Karriere hat absolute Priorität. Das Paar denkt darüber nach, ein Kind zu adoptieren, aber erst später und vielleicht auch nie.

Die zweite im Bunde hat eine Grafikschule abgeschlossen und kämpft als Selbstständige um Aufträge. Künstliche Intelligenz und diverse Grafikprogramme machen ihr das Leben schwer. Teilzeit arbeitet sie in einer Buchhandlung, und die unsichere Zukunft zwingt sie, ihre Lebensrichtung zu überdenken. Vielleicht wird sie wieder die Schulbank drücken und sich in den sozialen Bereich umorientieren. Kinder plant sie nicht, wie sie selbst sagt, ist sie selbst noch ein Kind. Am liebsten würde sie mit dreißig zu ihrer Mutter zurückziehen, wo sie sich sicher fühlt. Das Argument, dass ihre Mutter älter wird und vielleicht Hilfe braucht, erscheint ihr natürlich. Die Rückkehr in die geräumige Wohnung mit Garten steht bevor. An einen Märchenprinzen auf einem weißen Pferd denkt sie nicht. Das Leben bei ihrer Mutter ist ihre Zukunft.

Persönliche Geschichten und Entscheidungen

Die dritte Frau hat Textildesign studiert und arbeitet gelegentlich in der Branche. Die Konkurrenz ist jedoch hart. Sie hat sich entschieden, in den sozialen Bereich zu wechseln und arbeitet mit Obdachlosen. Im Sommer sind die Einrichtungen geschlossen, dann ist sie beim AMS. Die Sommer genießen sie und ihr Partner beim Campen, sie kochen über dem Feuer und lieben günstige Urlaube. Sie sind schon seit Jahren zusammen, aber an ein gemeinsames Wohnen denkt sie nicht. Sie schätzt ihre Ruhe und ihren Komfort. Ihr Partner besucht sie oft, fast täglich. Wegen ihrer Arbeitspause hat auch er zwei Monate unbezahlten Urlaub genommen, um mit ihr zu reisen. Partnerschaft und Spaß ja, Kinder und gemeinsames Wohnen nein, vielleicht später, bis vierzig haben sie noch ein paar Jahre.

Die vierte Frau arbeitet in der mobilen Familienbetreuung mit problematischen Familien und sieht täglich viele Lebenskrisen und Dramen. Sie sagt, dass es in ihrer Arbeit oft so wirkt, als hätten „falsche“ Familien Kinder. Familien, in denen die Eltern sehr jung sind, oft ohne Ausbildung, ein ungelöstes Problem folgt dem nächsten im Eiltempo. In der Mitte stehen kleine Kinder, die allzu oft als Belastung wahrgenommen werden. Damit sie nicht zur Belastung für uns alle werden und in den berüchtigten Einrichtungen des „Jugendamts“ landen, versuchen mobile Teams zu helfen. Die Frau lebt mit einem Partner aus den USA, aber nicht in einem Haushalt. Beide warten auf eine passende Wohnung zur Miete, und vielleicht kommt irgendwann ein Kind. Wann, das steht in den Sternen. Beide warten ab, wie sich die Lage in den USA entwickelt, und vielleicht würden sie sich auch dort niederlassen.

Die fünfte Frau im Gesprächskreis arbeitet als selbstständige Steuerberaterin von zu Hause aus. Sie lebt in einer Partnerschaft mit einem älteren Mann, der früher ihr Chef war, bevor sie ihre eigene Firma gründete. Der Mann hat zwei erwachsene Kinder, und gemeinsame Kinder sind nicht geplant. Die Partner haben zwei vierbeinige Lieblinge, die ihr Leben bereichern, und sie vermissen kein Kinderlachen. Auf meine direkte Frage, was sich ändern müsste, damit diese Frauen, die Sie nun ein wenig kennen, Kinder bekommen, antworteten sie: nichts, wir sind glücklich mit dem Leben, das wir führen. Alle fünf Frauen haben Mütter, die noch im Berufsleben stehen, und Unterstützung mit Enkeln ist „nicht in Sicht“. Die Frauen befürchten, dass sie mit den Kindern allein dastehen würden, ohne Hilfe, und ihre Karrieren gefährdet wären. Ein weiteres Argument waren Kindergärten, die von 7 bis 20 Uhr geöffnet sein sollten. Ein starkes Argument war, dass Kinder Geld kosten und wenn man ihnen eine gute Ausbildung bieten will, muss man sie auf Privatschulen schicken, sonst lernen sie in Wien kein ordentliches Deutsch.

Am Ende trennten wir uns mit dem Gedanken, dass wir uns in einem Jahr wiedersehen und schauen, ob eine der jungen Frauen „ihre biologische Uhr hört“ und sich entscheidet, Mutter zu werden. Wir werden sehen, ich bin nicht sehr optimistisch.

Ihre Jana

Quellen:

Symbolfoto: https://www.pexels.com/de-de/foto/zuversichtlich-geschaftsfrau-mit-ordnern-die-ausserhalb-des-steingebaudes-stehen-5669641/

Autorin: Jana Graff Löwbeer

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