Hernals: Wo sich wienerische Eleganz mit der Natur trifft

Wien ist nicht nur eine kalte Ansammlung von Adressen und Zahlen; es ist ein lebendiger Organismus, dessen jeder Teil in seinem eigenen Rhythmus atmet. Wenn wir jedoch nach einem Bezirk suchen würden, der das wahre Herz und die Lungen der Stadt zugleich ist, müssten wir nach Hernals abtauchen. Der siebzehnte Bezirk ist nicht nur ein gewöhnliches Viertel – es ist ein stiller Dialog zwischen der Eleganz der kaiserlichen Vergangenheit und der ungezähmten Wildnis des Wienerwaldes.

​Hernals beginnt dort, wo das Treiben des urbanen Gürtels verklingt, und endet dort, wo der Himmel die Kronen der Bäume in Neuwaldegg berührt. Es ist ein Ort der Kontraste, die harmonisch zusammenklingen wie die Töne eines alten Wiener Liedes. In seinen Straßen vermischt sich der Duft von morgendlichem Kaffee mit dem scharfen Geruch von frischem Nadelholz, der von den umliegenden Hügeln herabströmt. Während der untere Teil des Bezirks mit dem Leben künstlerischer Cafés und historischer Fassaden pulsiert, bieten seine westlichen Grenzen Zuflucht im Schatten alter Eichen, wo die Zeit langsamer vergeht, als hätte sie Angst, den Frieden einstiger Erholungsorte zu stören.

​In Hernals einzutreten bedeutet, sich auf eine Reise vom städtischen Beton zu moosbedeckten Wegen zu begeben. Es ist ein Tor zu einer anderen Welt, in der der Charme des alten Europas sich natürlich in der Umarmung der Natur verliert, und wo jeder Schritt ein Stück Geschichte enthüllt, die hier nicht in einem Museum eingeschlossen ist, sondern in jedem Hof, in jedem Weinberg und in jedem Blick auf die schlafende Stadt unter Ihnen lebt.

Historische Entwicklung: Von Weinbergen zur Industrie

Der Name „Hernals“ wird erstmals im Jahr 1045 erwähnt. Ursprünglich handelte es sich um eigenständige Gemeinden – Hernals, Dornbach und Neuwaldegg – die entlang des Baches Alsbach lagen. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war Hernals vor allem als Zentrum des Protestantismus in Wien bekannt, was zu häufigen Konflikten mit dem katholischen Hof führte.

​Im 19. Jahrhundert erlebte die Region eine massive Transformation. Die industrielle Revolution verwandelte ruhige Dörfer in Arbeiterviertel. Im Jahr 1892 wurden diese Gemeinden offiziell mit Wien verbunden und so entstand der 17. Bezirk. Heute ist diese Geschichte noch immer in der Architektur lesbar: Während der untere Teil des Bezirks Josefstadt (8. Bezirk) dicht mit Mietskasernen aus der Zeit des Historismus bebaut ist, je weiter man nach Westen vordringt, desto mehr öffnet sich der Raum luxuriösen Villen und Parks.

Das Herz des Bezirks: Kultur und Lebensstil

Hernals ist nicht nur ein Transitort zum Wald; es ist ein kultureller Knotenpunkt mit eigenem Rhythmus. Zentrum des gesellschaftlichen Lebens ist die Umgebung des Elterleinplatzes. Dieser Platz mit einem Brunnen ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, aber auch ein Ort, an dem Sie das wahre lokale Leben spüren können.

​Einer der größten kulturellen Schätze des Bezirks ist das Metropol. Dieses Theater und Konzertsaal hat legendären Status. Hier finden Musicals, Kabaretts und Konzerte statt, die Besucher aus ganz Wien anziehen. Die Atmosphäre des Metropol ist intim und nostalgisch, was genau den Geist des „alten Hernals“ widerspiegelt.

​Wenn Sie nach etwas weniger Formellem suchen, dürfen Sie den Brunnenmarkt nicht verpassen. Obwohl er technisch an der Grenze zum 16. Bezirk (Ottakring) liegt, ist sein Einfluss auf das Leben in Hernals unbestreitbar. Es ist einer der längsten Straßenmärkte in Europa, wo sich die Düfte orientalischer Gewürze mit frischem österreichischem Gemüse vermischen.

Architektonische Juwelen und Denkmäler

​Hernals bietet mehrere visuelle Dominanten, die einen Besuch wert sind:

• ​Kalvarienbergkirche: Eine barocke Kirche, die schon von weitem sichtbar ist. Sie ist mit der Tradition des Kreuzwegs verbunden, der einst ein wichtiges Pilgerziel war.

• ​Jörgerbad: Das älteste städtische Hallenbad in Wien. Erbaut in den Jahren 1912 – 1914, ist es ein wunderschönes Beispiel für den Wiener Jugendstil. Das Innere mit dem Glasdach und dekorativen Fliesen versetzt Sie in die Zeit des Kaiserreichs.

• ​Schloss Neuwaldegg: Es befindet sich am Ende des Bezirks und ist von einem weitläufigen englischen Park umgeben. Es ist der ideale Ort für Geschichtsinteressierte, die Ruhe abseits der Touristenmassen suchen.

​Natur zum Greifen nah: Schafberg und Schwarzenbergpark

Was den 17. Bezirk wirklich außergewöhnlich macht, ist sein grüner Teil. Hernals ist das Tor zum Wienerwald.

​Der Schafberg ist ein Hügel, der einen der schönsten Panoramablicke auf Wien bietet. Auf seinem Gipfel befindet sich das Sommerbad Schafbergbad, das aufgrund seiner Aussicht als eines der attraktivsten in der Stadt gilt.

​Noch weiter im Westen liegt der Schwarzenbergpark. Es war der erste englische Landschaftspark in Österreich und hat bis heute seine Majestät bewahrt. Lange Alleen, Wiesen und Wanderwege, die bis zum Gipfel des Hermannskogel führen, machen Hernals zu einem Paradies für Läufer, Radfahrer und Familien mit Kindern. Hier verstummt der städtische Lärm völlig und man hat das Gefühl, auf dem Land zu sein, obwohl man sich immer noch innerhalb Wiens befindet.

​Gastronomie: Von Heuriger bis moderne Cafés

​Die gastronomische Szene Hernals ist ebenso vielfältig wie seine Bevölkerung. Im unteren Teil finden Sie moderne Bistros und hippe Cafés, die von der Nähe zum Stadtzentrum profitieren. Je mehr Sie jedoch in die Hügel von Dornbach und Neuwaldegg aufsteigen, desto häufiger stoßen Sie auf traditionelle Wiener Heuriger (Weinlokale).

​Diese Betriebe bieten hausgemachten Wein und ein kaltes Buffet in Gärten unter dem Weinstock an. Es ist ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist und wo Sie „Wiener Gemütlichkeit“ erleben können – die berühmte Wiener Ruhe und Behaglichkeit.

​Verkehr und Infrastruktur

Hernals ist hervorragend an den Rest der Stadt angebunden. Die Schlüsselader ist die Straßenbahnlinie 43, die Schottentor (im Zentrum bei der Universität) mit Neuwaldegg verbindet. Es ist eine der am stärksten frequentierten Linien der Stadt, und es wird gesagt, dass „in der 43 die ganze Welt zu treffen ist“.

​In den kommenden Jahren steht dem Bezirk eine große Veränderung in Form der Verlängerung der U-Bahn-Linie U5 bevor, die am Elterleinplatz enden wird. Diese Investition wird die Attraktivität des Bezirks für Wohnen und Gewerbe weiter erhöhen.

​Warum Hernals besuchen oder dort leben?

​Hernals ist nicht so prunkvoll wie der 1. Bezirk, noch so touristisch wie Schönbrunn. Es ist ein „echtes“ Wien. Es ist ein Ort, wo Sie morgens in ein modernes Café gehen können, nachmittags im tiefen Wald spazieren und abends ein Glas Wein beim Winzer genießen können.

​Sein Charme liegt im Kontrast. Hier finden Sie sozialen Wohnungsbau aus der Zwischenkriegszeit (sogenannter Gemeindebau), der ein Symbol für das „Rote Wien“ ist, aber auch prächtige Villen, die einst der Aristokratie gehörten. Es ist ein Bezirk, der Traditionen ehrt, aber sich nicht vor Wachstum und Modernisierung scheut.

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​Quellen: Stadt Wien, ​Wien Geschichte Wiki, Statistik Austria, Hernals: Ein Heimatbuch für den 17. Wiener Gemeindebezirk Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:078L25020281_Hernalser_Hauptstrasse_-_Wattgasse,_Blick_stadtauswärts,_Linie_43,_Typ_L_517.jpg