Die Floridsdorfer Radmagistrale erhält den entscheidenden fehlenden Kilometer

Die österreichische Hauptstadt gibt nicht nach bei der Umwandlung ihrer Straßen in Räume, die anstelle von rauchender Verkehr für Fußgänger, Radfahrer und Grünflächen dienen sollen. Das neueste Beispiel dieser Stadtpolitik ist der Wiener Bezirk Floridsdorf. An einer seiner verkehrsreichsten Verkehrsadern, der Brünner Straße, sind in diesen Tagen die Baumaschinen im Einsatz. Der Grund dafür ist nicht die Erweiterung der Fahrspuren für Autos, sondern eine massive Investition in die Radinfrastruktur und die Anpassung der Stadt an den Klimawandel.
Das Projekt, das offiziell von Vertretern des Wiener Rathauses und der lokalen Verwaltung gestartet wurde, bringt einen neuen, einen Kilometer langen beidseitigen Radweg. Es handelt sich um ein Lehrbuchbeispiel für das sogenannte Schließen von Lücken (in der österreichischen Stadtplanungsterminologie bekannt als „Lückenschluss“). Dieser Schritt verbindet bisher isolierte Abschnitte von Radwegen zu einem logischen und sicheren Ganzen, das die Radkarte des nordöstlichen Teils Wiens radikal verändern wird.
Weg mit dem Asphalt, es kommen Bäume mit intelligenter Bewässerung
Der Wiener Magistrat verfolgt bereits seit längerem eine klare Doktrin mit dem eingängigen Namen „Raus aus dem Asphalt“. Jede einzelne Straßenrenovierung oder der Bau eines neuen Radwegs muss zwingend Elemente der grünen Infrastruktur enthalten, die der Stadt helfen, gegen die sogenannten Wärmeinseln während der heißen Sommermonate zu kämpfen. Die Brünner Straße wird da keine Ausnahme sein.
Den veröffentlichten Plänen zufolge wird fast 300 Quadratmeter undurchlässiger Asphaltbelag von der Straße verschwinden. Er wird durch Grünflächen und Beete ersetzt. Entlang der neuen Strecke werden Arbeiter 23 ausgewachsene Bäume mit dauerhaftem Unterwuchs pflanzen. Damit die Bäume in der aggressiven städtischen Umgebung überleben und gedeihen, werden alle an ein automatisches Bewässerungssystem angeschlossen.
„Ich freue mich, dass wir in Floridsdorf in einem so intensiven Tempo fortfahren. Die Brünner Straße wird ein völlig neues Gesicht und eine neue Qualität erhalten“, erklärte die Wiener Stadträtin für Planung, Ulli Sima. Sie betonte, dass Investitionen in Radwege schon lange nicht mehr nur das Malen von Linien auf der Straße sind, sondern eine umfassende Humanisierung des öffentlichen Raums.
Angelika Pipal-Leixner, Umweltsprecherin der Wiener NEOS-Fraktion, ergänzt: „Hier sieht man, wie unsere Rad-Offensive Kilometer für Kilometer Früchte trägt. Die Straße wird nicht nur sicherer für Radfahrer, sondern im Sommer dank der neuen Bäume auch deutlich kühler und angenehmer zum Leben.“
Vom Brücke bis zur Peripherie: Mehr als zwei Kilometer sicheres Fahren
Der Hauptvorteil des neuen Projekts im Abschnitt vom Verkehrsknoten Am Spitz bis zur Karl-Schäfer-Straße ist die Kontinuität. Bisher mussten Radfahrer in diesem Bereich im dichten Verkehr manövrieren oder komplizierte Umleitungen nutzen. Neu wird der bestehende Einbahnstreifen in Richtung Stadt hinaus erweitert und zu einem komfortablen beidseitigen Streifen umgebaut.
Das Ergebnis wird ein mehr als 2,5 Kilometer langer, komplett separierter und sicherer Radweg sein. Dieser wird von der strategischen Floridsdorfer Brücke führen, durch das direkte Zentrum des Bezirks verlaufen und die Radfahrer zuverlässig bis zur Shuttleworthstraße am Rand der städtischen Bebauung bringen.
Die Anwohner werden zudem eine bessere Erreichbarkeit des beliebten lokalen Marktes Schlingermarkt erleben. Die neue Infrastruktur wird auch direkt an den 2024 erbauten Radweg auf der Angererstraße anschließen, von dem aus man nahtlos in Richtung Osten über die Leopoldauer Straße weiterfahren kann.
„Bisher fehlte uns eine zusammenhängende Infrastruktur vom Zentrum Floridsdorfs in Richtung Katsushikastraße, wo bereits ein sicherer Radweg existiert. Die Renovierung der Brünner Straße wird diesen Mangel endgültig beseitigen“, zeigt sich der Bezirksvorsteher Georg Papai optimistisch. Der gesamte Bau soll bis Mai 2027 vollständig fertiggestellt und übergeben werden.
Die Architekten haben auch an Fußgänger gedacht. Gefährliche Kreuzungen werden angepasst
Die Veränderungen an der Brünner Straße werden auch die Menschen spüren, die zu Fuß unterwegs sind. Das Wiener Rathaus verfolgt in den letzten Jahren einen sogenannten ganzheitlichen Ansatz – wenn eine Straße wegen Radfahrern aufgerissen wird, muss die Situation für alle, mit Ausnahme des Transitverkehrs, verbessert werden.
Das Projekt sieht daher mehrere bauliche Anpassungen vor, die die Sicherheit der Fußgänger an den Kreuzungen mit Nebenstraßen erhöhen sollen:
- Vorgeschobene Gehwege (Gehsteigvorziehungen): Die Gehwege werden im Bereich der Kreuzungen baulich in die Fahrbahn erweitert. Fußgänger müssen somit eine kürzere Strecke beim Überqueren der Straße zurücklegen, und die Autos werden gezwungen, vor dem Abbiegen langsamer zu fahren.
- Erhöhte Fahrbahnoberflächen: An ausgewählten Einfahrten zu Nebenstraßen wird die Straße auf Gehwegniveau angehoben, was psychologisch und physisch die ankommenden Fahrzeuge beruhigt.
- Bessere Sichtverhältnisse: Sichtbehinderungen werden entfernt, damit Fahrer, Fußgänger und Radfahrer an kritischen Punkten die bestmögliche Übersicht haben.
Die Stadt plant zudem, den Bau des Radwegs mit der vollständigen Sanierung der Fahrbahn selbst zu koordinieren, um zukünftige Aufgrabungen zu minimieren und öffentliche Finanzen zu sparen.
Floridsdorf als Labor der Wiener Rad-Offensive
Die massive Entwicklung des Radverkehrs in Wien ist keine Neuheit, doch der nördliche Bezirk Floridsdorf hat sich in den letzten Jahren zu seiner symbolischen Schaufenster entwickelt. Die Stadt realisiert hier die größte Investitionsoffensive im Bereich Mikromobilität in ihrer Geschichte. Allein in den letzten fünf Jahren wurden im Hauptnetz Wiens über 100 Kilometer neue Radwege hinzugefügt.
Im Floridsdorf selbst konnten in den letzten zwei Jahren mehrere bedeutende Projekte abgeschlossen werden:
- Floridsdorfer Hauptstraße und Prager Straße (2024): Es wurde ein moderner, von Grün umgebener Eingang zum 21. Bezirk geschaffen. Neben breiten Radwegen wurden hier 50 Bäume, neue Bänke und Trinkbrunnen hinzugefügt.
- Grenzüberschreitende Verbindung Thayagasse – Pinkagasse (2025): Radfahrer erhielten einen neuen, drei Meter breiten gemeinsamen Gehweg für Fußgänger und Radfahrer, der eine nahtlose und barrierefreie Verbindung zwischen Wien und der niederösterreichischen Gemeinde Seyring sowie einen Anschluss an die U-Bahn U1 Leopoldau gewährleistet.
- Leopoldauer Straße: Veraltete und gefährliche Mehrzweckstreifen auf der Fahrbahn wurden endgültig durch einen 1,2 Kilometer langen separaten Radweg auf beiden Seiten der Straße ersetzt, ergänzt durch 17 neue Bäume.
- Künstlerische Oase Mühlschüttel: Ein einzigartiges Projekt, bei dem sich die Radinfrastruktur mit Kultur verbindet. Neben einem neuen Park mit einer Fläche von 28.000 Quadratmetern, der vom bekannten österreichischen Künstler André Heller kuratiert wurde, entstand ein neuer 440 Meter langer Uferweg für Fußgänger und Radfahrer, der die Route um die Alte Donau verbessert.
Doch damit enden die Pläne Wiens nicht. Im Jahr 2026 hat die Stadt 33 neue Projekte in der Pipeline, die dem Hauptnetz weitere 12,5 Kilometer Radwege hinzufügen werden. Für Floridsdorf ist auch der Ausblick auf das Jahr 2027 entscheidend. Die Verwaltung plant, Radfahrer, die heute in Richtung Floridsdorfer Brücke durch die Erholungszone Wasserpark fahren, direkt auf die Floridsdorfer Hauptstraße umzuleiten, wo ein völlig neuer, baulich getrennter beidseitiger Radweg entstehen wird. Der Stadtpark wird somit endgültig ausschließlich den Fußgängern und Müttern mit Kinderwagen zurückgegeben.
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Verwendete Quellen:
Stadt Wien
Foto: Copyright Stadt Wien / Christian Fürthner












