Belästigende Anrufe? Sie sind damit nicht allein. Wir wissen, wie man sich wehren kann und wo man Hilfe suchen kann

Das Telefon klingelt, auf dem Display erscheint eine unbekannte Nummer mit der Vorwahl +43. Sie erwarten keinen Anruf von Nachbarn, aber Neugier oder Höflichkeit gebieten es Ihnen, abzuheben. Oder, was noch häufiger vorkommt, der Anruf verstummt nach nur einem Klingeln und hinterlässt nur einen verpassten Anruf.

Dieses Szenario erleben in letzter Zeit Tausende von Slowaken, und das auch diejenigen, die ihre Telefonnummer erst seit ein paar Tagen haben. Es handelt sich nicht um einen Zufall, sondern um ein durchdachtes System, das seine Regeln hat und glücklicherweise auch Schwächen. Die österreichischen Behörden haben ein klares Handbuch, wie man sich gegen diese telefonischen Raubtiere wehren kann.

Warum gerade ich? Das Geheimnis der Nummernabgreifung enthüllt

Die erste Frage, die sich jeder stellt, dem das passiert, ist: „Woher haben die meine Nummer?“ Besonders frustrierend ist es, wenn die Nummer ganz neu ist und Sie sie nur einer Handvoll Menschen gegeben haben. Die Antwort ist oft prozaischer und weniger persönlich, als es scheint.

Stellen Sie sich einen Roboter vor, der am Telefon sitzt und systematisch alle existierenden Zahlenkombinationen wählt. Er beginnt bei +421 901 000 001, macht weiter mit 002, 003 und so weiter, bis er Millionen von Möglichkeiten durchgegangen ist. Genau so, auch wenn in digitaler Form, funktionieren die sogenannten „Autodialer“ oder Systeme für „War Dialing“.

Diese Programme benötigen keine Liste. Sie generieren und wählen einfach Nummern der Reihe nach. Ihre Software zeichnet sofort auf, welche Nummer aktiv ist (wenn das Telefon klingelt) und welche nicht existiert. Aktive Nummern werden in einer Datenbank für zukünftige Betrugsaktionen gespeichert. Dies ist der häufigste Grund, warum Sie auch auf eine ganz neue Nummer, die Sie nur Ihrer Familie gegeben haben, angerufen werden können. Für den Roboter ist es nur eine weitere erfolgreiche Kombination in seiner Zahlenlotterie. Es ist unpersönlich, massenhaft und äußerst effektiv.

Goldgrube namens Datenleck

Das wertvollste Gut des 21. Jahrhunderts sind Daten. Und wo Wert ist, sind auch Diebe. Jedes Mal, wenn Sie sich in einem neuen Online-Shop registrieren, ein Profil in einem sozialen Netzwerk erstellen, Essen über eine App bestellen oder sich für einen Newsletter anmelden, vertrauen Sie Ihre persönlichen Daten – einschließlich Ihrer Telefonnummer – dem Dienstanbieter an.

Leider sind selbst die größten Unternehmen nicht hundertprozentig vor Hackerangriffen geschützt. Wenn es Cyberkriminellen gelingt, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu durchbrechen, stehlen sie ganze Datenbanken mit Millionen von Benutzeraufzeichnungen. Diese Datenpakete tauchen dann im Dark Web auf, dem unsichtbaren Teil des Internets, wo sie wie jede andere illegale Ware gehandelt werden. Betrüger kaufen diese Datenbanken für ein paar Hundert Dollar und erhalten so Zugang zu einer riesigen Menge gültiger und aktiver Nummern, oft auch mit Namen und E-Mail-Adressen.

Freiwillig und mit einem Lächeln

Manchmal muss man nichts hacken. Der schwächste Glied in der Sicherheitskette ist oft der Mensch selbst. Betrüger sind Meister der psychologischen Manipulation und schaffen verlockende Fallen, in die wir ihnen freiwillig unsere Daten geben.

Dazu gehören beispielsweise Online-Quizze und Tests in sozialen Netzwerken mit Überschriften wie „Finden Sie heraus, welche historische Figur Sie sind!“ oder „Füllen Sie den Fragebogen aus und gewinnen Sie ein neues Smartphone“. Am Ende werden Sie oft gebeten, Ihre Telefonnummer zur „Verifizierung“ oder „Übermittlung der Ergebnisse“ einzugeben. In Wirklichkeit sammeln sie nur Kontakte. Ähnlich funktionieren auch Phishing-Angriffe, bei denen Sie eine E-Mail oder SMS erhalten, die sich als Nachricht von einer Bank, Post oder Lieferdienst ausgibt und Sie auffordert, sich auf einer gefälschten Seite anzumelden, wo Sie nicht nur Ihr Passwort, sondern auch Ihre Telefonnummer eingeben.

Alles, was öffentlich ist, kann auch missbraucht werden

Viele Menschen sind sich nicht bewusst, wie viele persönliche Informationen sie über sich selbst an öffentlich zugänglichen Orten im Internet hinterlassen. Spezialisierte Programme, sogenannte „Scraper“ (Sammler), durchforsten unermüdlich das Web und sammeln automatisch alle Kontaktdaten, auf die sie stoßen.

Haben Sie Ihre Telefonnummer in einer Anzeige auf Bazoši angegeben? Haben Sie sie in die Beschreibung Ihres öffentlichen Profils auf Facebook oder Instagram eingefügt? Haben Sie sie in Ihrem beruflichen Netzwerk LinkedIn angegeben? Oder haben Sie sie auf Ihrer Website als Kontakt für Ihr Gewerbe angegeben? Für die Sammler ist das ein wahres Festmahl. All diese Daten werden gesammelt und zu Datenbanken erstellt, die anschließend an den Höchstbietenden verkauft werden.

Erste Verteidigungslinie: Die österreichischen Behörden haben klare Empfehlungen

Österreichische Institutionen sehen sich diesem Phänomen ständig gegenüber und haben für Bürger (auch Ausländer) einen klaren und einfachen Ablauf entwickelt, um die Risiken zu minimieren.

  1. Heben Sie unbekannte Nummern nicht ab. Wenn Sie keinen wichtigen Anruf aus dem Ausland erwarten, ist die sicherste Strategie, den Anruf zu ignorieren. Wenn es wirklich wichtig ist, wird die betreffende Person Ihnen wahrscheinlich eine SMS oder E-Mail senden.
  2. Rufen Sie niemals unter keinen Umständen zurück. Dies ist die goldene Regel der Verteidigung gegen „Ping-Anrufe“. Neugier kann in diesem Fall sehr teuer werden.
  3. Blockieren Sie die Nummer sofort. Jeder moderne Smartphone bietet eine einfache Möglichkeit, eine bestimmte Telefonnummer zu blockieren. So verhindern Sie weitere Kontaktversuche von derselben Nummer.
  4. Seien Sie grundsätzlich misstrauisch. Keine seriöse Institution – sei es eine Bank, Polizei oder Technologieunternehmen – wird Sie jemals telefonisch nach Passwörtern, PIN-Codes, Kreditkartennummern oder Zugriff auf Ihr Gerät fragen.

Hier können Sie Betrüger melden

Ein Schlüsselakteur im Kampf gegen telefonische Betrügereien in Österreich ist die Regulierungsbehörde für Rundfunk und Telekommunikation (RTR). Diese Behörde fungiert als Hüter des Telekommunikationsraums und betreibt eine spezialisierte Stelle namens Meldestelle für Rufnummernmissbrauch (Meldestelle für den Missbrauch von Telefonnummern).

Gerade hier sollten Sie Ihre Schritte hinlenken. Auf der Website der RTR finden Sie ein einfaches Online-Formular, mit dem Sie anonym und kostenlos eine verdächtige Nummer melden können, die Sie belästigt hat. Sie müssen kein Bürger Österreichs sein, der Dienst steht jedem offen.

Eine Meldung hat eine enorme Bedeutung. Je mehr Menschen die betrügerische Nummer melden, desto schneller kann die RTR handeln. Basierend auf den gesammelten Hinweisen gibt die Behörde offizielle Warnungen heraus und kann, was am wichtigsten ist, den österreichischen Betreibern anordnen, die betreffende Nummer in ihrem Netzwerk vollständig zu blockieren. Ihre einzelne Meldung kann also Hunderte weiterer potenzieller Opfer schützen.

Wenden Sie sich an die Polizei, wenn Ihnen bereits ein konkreter finanzieller Schaden entstanden ist oder Sie Ziel eines direkten Betrugsversuchs geworden sind (zum Beispiel bei Erpressung oder dem Versuch, Daten zu erlangen). Das bloße belästigende Anrufen ist in erster Linie die Domäne der Regulierungsbehörde RTR.

Vorsichtig und informiert zu sein, ist heutzutage die beste Verteidigung. Auch wenn diese Anrufe äußerst unangenehm sind, ist Panik nicht angebracht. Durch Ignorieren, Blockieren und Melden der betrügerischen Nummer schützen Sie nicht nur sich selbst, sondern tragen aktiv dazu bei, dass der Raum für diese Art von krimineller Aktivität verringert wird.

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