Die Reise von Schwechat wird erheblich vereinfacht. Der österreichische Riese kämpft jedoch mit dem Abgang von Billigfluggesellschaften und der Konkurrenz aus Bratislava

Der Flughafen Wien wirft vor der entscheidenden Saison alte Regeln über Bord. Neue Scanner erleichtern das Leben von Millionen von Urlaubern, doch das Management des Flughafens Schwechat schlägt gleichzeitig Alarm wegen hoher Steuern und regionaler Konkurrenz, einschließlich der Slowakei.

Für Millionen von Reisenden aus der gesamten mitteleuropäischen Region, einschließlich Zehntausender Slowaken, wird der Beginn der diesjährigen Sommerferien als das Ende einer langen und lästigen Ära in Erinnerung bleiben. Der Flughafen Wien (Schwechat) nimmt endgültig die modernste Technologie von Sicherheits-Scannern in den regulären Betrieb. Die Veränderung, die genau zu dem Zeitpunkt kommt, wenn sich die Reiseziele auf den Hauptansturm der Urlauber vorbereiten, bedeutet eines: das Ende des langwierigen Auspackens von Taschen und strengen Einschränkungen, die vor zwei Jahrzehnten durch Antiterrormaßnahmen eingeführt wurden.

Der Vorstandsvorsitzende des Wiener Flughafens, Julian Jäger, bestätigte in einem Interview mit dem österreichischen öffentlich-rechtlichen Sender ORF, dass der Übergang zu dem neuen System kurz vor dem Abschluss steht. „Jeder, der am ersten Ferientag in den Urlaub fliegt, kann sich zu 100 Prozent sicher sein, dass er in Wien seinen Laptop oder sein Tablet nicht mehr aus dem Gepäck nehmen muss. Auch die Regeln für den Transport von Flüssigkeiten ändern sich“, erklärte Jäger. Die bisherige Grenze, die die Verpackungen von Shampoos, Cremes oder Getränken auf maximal 100 Milliliter in einem Plastikbeutel strikt beschränkte, gehört der Vergangenheit an. Reisende dürfen nun Flüssigkeiten mit einem Gesamtvolumen von bis zu zwei Litern mit sich führen.

Die Transformation der Sicherheitszonen in Schwechat war kein Tagesgeschäft. Techniker arbeiteten monatelang daran, und die letzten verbleibenden Kontrollstellen werden in den nächsten zwei Wochen mit der neuen Technologie ausgestattet. Obwohl es sich um einen außergewöhnlichen Komfortsprung handelt, beschäftigt sich das Management des Flughafens in diesen Tagen nicht nur mit technologischen Innovationen. Schwechat durchläuft nämlich eine turbulente Phase, in der betriebliche Erfolge mit geopolitischen Herausforderungen und einem harten wirtschaftlichen Wettbewerb um Kunden vermischt werden.

Wenn die Zahlen nicht lügen: Krieg und Vorsicht der Passagiere

Die neuesten Statistiken zeigen, dass der Wiener Luftverkehrsknoten im Mai einen Rückgang der Passagierzahlen um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete. Für einen Flughafen, der an kontinuierliches Wachstum und Rekordzahlen gewöhnt war, ist das ein Warnsignal. Die ganzjährigen Prognosen des Managements rechnen derzeit mit insgesamt 30 Millionen abgefertigten Passagieren. Das sind jedoch zweieinhalb Millionen weniger als im Vorjahr.

„Aus globaler Sicht ist das kein Grund zur Panik oder ernsthaften Sorgen um die Stabilität des Unternehmens. Andererseits hat natürlich niemand Freude daran, rote Zahlen zu sehen. Mit einer gewissen Abkühlung des Marktes müssen wir auch in den kommenden Monaten rechnen“, gab Julian Jäger offen zu.

Hinter dem negativen Trend steht nicht das Desinteresse der Menschen am Fliegen an sich. Der erste wesentliche Faktor ist die Sicherheitslage in der Welt, konkret der anhaltende Konflikt im Nahen Osten, der mehrere traditionelle Flugkorridore und -ziele lahmgelegt hat. Jäger sieht jedoch Licht am Ende des Tunnels und weist auf die schnelle Erholung des Marktes hin. Während im Mai der Rückgang des Verkehrs in Richtung Naher Osten drastische minus 60 Prozent betrug, hat sich die Situation heute auf etwa minus 40 Prozent stabilisiert. Es wird erwartet, dass die Sommermonate eine endgültige Wende bringen und die Zahlen bis zum Jahresende auf das Niveau vor der Krise zurückkehren.

Druck von Billigfluggesellschaften und der slowakische Schatten

Ein viel tieferes und systematischeres Problem als die Geopolitik ist für Schwechat das Geschäftsmodell der Billigfluggesellschaften. Giganten wie Ryanair oder Wizz Air, die in den letzten zehn Jahren den Wiener Flughafen mit Dutzenden von günstigen Verbindungen überschwemmt haben, haben in den letzten Monaten ihre Kapazitäten erheblich reduziert, wobei einige Strecken ganz gestrichen wurden. Ihre Argumentation ist hart und direkt: die österreichische Umweltabgabe für Abflüge (Flugabgabe) ist zu hoch.

Für Billigfluggesellschaften, deren Margen an jedem Euro hängen, stellt diese Steuer ein unüberwindbares Hindernis dar. Was für Wien ein Problem ist, können benachbarte Staaten ausnutzen. Julian Jäger benannte ausdrücklich die Bedrohung, die der nordöstliche Nachbar für Schwechat darstellt. Die slowakische Hauptstadt Bratislava und ihr Flughafen M. R. Štefánik werden nämlich zu einem immer härteren Konkurrenten, gerade weil die slowakische Gesetzgebung eine solche Abgabe nicht kennt. Für Fluggesellschaften, die mit niedrigen Kosten operieren, ist es daher ein logischer finanzieller Schritt, die Flugzeuge knapp 80 Kilometer weiter östlich zu verlagern.

Es ist kein Wunder, dass der Chef des Wiener Flughafens die österreichischen Politiker erneut aufgefordert hat, die Steuerpolitik zu überdenken. „Wir sind fest davon überzeugt, dass eine mögliche Senkung dieser Steuer dem Staat sehr schnell zurückgezahlt werden würde. Man darf nicht vergessen, dass bis zu vierzig Prozent aller Touristen gerade mit dem Flugzeug nach Wien kommen“, argumentiert Jäger. Er ist sich jedoch der haushaltspolitischen Realität des Landes bewusst und fügt hinzu, dass die vollständige Abschaffung dieser Gebühr aus politischen und finanziellen Gründen derzeit praktisch nicht umsetzbar ist. Gleichzeitig gesteht er fair ein, dass auch eine Steuerreduzierung keine hundertprozentige Garantie für die Rückkehr der aggressiven irischen oder ungarischen Billigfluggesellschaften ist. „Wer die Geschäftspolitik von Ryanair kennt, weiß gut, dass für sie die Kosten niemals niedrig genug sein werden. Eine Steuerreduzierung würde jedoch zweifellos unsere Position im internationalen Wettbewerb dramatisch verbessern.“

Die Zukunft gehört dem Komfort und massiven Expansionen

Trotz der aktuellen Turbulenzen bei der Passagierzahl weigert sich die Flughafenleitung, sich in die Defensive zurückzuziehen. Schwechat erinnert derzeit an eine riesige Baustelle, und die Investitionen fließen in die Infrastruktur, die den Flughafen in eine ganz andere qualitative Liga heben soll. Ein entscheidender Meilenstein wird das Jahr 2027 sein, in dem die feierliche Eröffnung der sogenannten südlichen Erweiterung des Terminals 3 (Süderweiterung) geplant ist.

Das Management des Flughafens gesteht ohne Umschweife ein, dass, obwohl Schwechat ein hochfunktionaler und effizienter Umsteigeknoten ist, es in bestimmten Bereichen in Bezug auf das Erlebnis für die Reisenden bisher hinter der weltweiten Spitze zurückgeblieben ist. „Die Großzügigkeit des Raums, das gastronomische Angebot, die Qualität und Vielfalt der Geschäfte sowie die Größe der Wartebereiche – das sind alles Bereiche, in denen wir derzeit klare Reserven haben“, räumt Jäger ein.

Die Lösung soll genau der gigantische Anbau sein, der dem Flughafen zusätzliche 70.000 Quadratmeter moderne Nutzfläche bringen wird. Der neue Terminal wird nicht nur das Erscheinungsbild von Schwechat visuell verändern, sondern den Reisenden auch genügend Komfort bieten, damit mögliche Flugverspätungen oder lange Umstiege für sie keine Albträume mehr sind. Die Kombination aus neuen CT-Scannern, die den Stress bereits zu Beginn der Reise abbauen, und dem großartigen räumlichen Ambiente soll sicherstellen, dass Wien seinen Status als Premium-Tor zur Welt behält, und das trotz wirtschaftlicher Druck und der Aggressivität umliegender Reiseziele.

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