Der Kampf mit der deutschen Sprache: Geschichten aus unserem Alltag

In letzter Zeit habe ich den „Kampf“ zweier unserer Landsleute mit der deutschen Sprache miterlebt, der ihnen und ihrem Umfeld das Leben erheblich erschwert. Für mich gilt schon lange die Regel: Wer hier leben will, muss Deutsch sprechen, um buchstäblich zu überleben!
In unsere soziale Einrichtung kam eine sympathische Slowakin zu einem Vorstellungsgespräch, kurz über fünfzig. Sie hatte mehrere Jahre Erfahrung in der 24-Stunden-Betreuung und später eine Ausbildung zur Heimhilfe abgeschlossen. In der Slowakei hatte sie eine Schule für die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen absolviert, die in Österreich voll anerkannt ist.
Die Frau erschien selbstbewusst und lächelnd zum Gespräch. Ihr Deutsch war besser als „Küchendeutsch“, aber nicht wirklich ausreichend. Die ehemalige Betreuerin wusste nicht, dass ich Slowakin bin, daher hatten wir uns mit den Kollegen abgesprochen. Wir stellten der Bewerberin verschiedene Fragen, und es stellte sich heraus, dass sie nur die Hälfte verstand und weiter nachfragte. Schnell wurde klar, dass sie uns nicht wirklich verstand. Einige ihrer Fragen wie „Muss ich die Leute auch duschen?“, „Warum müssen warme Abendessen gekocht werden?“ oder die Feststellung „Diese Leute wohnen hier in der WG“ waren fast peinlich. Unsere Chefin zeigte ihr unser Dokumentationsprogramm und erklärte, dass wir sie einarbeiten würden. Doch sofort wurde klar: Die Frau verstand nicht, was in der Dokumentation stand.
Nach zwei Stunden entschieden wir uns, dass die Bewerberin, obwohl wir dringend Personal benötigen, einfach nicht geeignet ist. Wir verabschiedeten uns höflich, und sie seufzte hier und da auf Slowakisch über die schwere Arbeit. Für uns war die Bewerberin mehr als ungeeignet. Mit einem so niedrigen Deutschlevel ist sie eher eine Belastung oder sogar eine Gefahr. Durch ihre Unkenntnis der deutschen Sprache könnte sie große Fehler machen, die wir lieber vermeiden wollen.
Negative Erfahrung mit einer Pensionistin
Eine weitere negative Erfahrung habe ich mit einer Bekannten, die bereits in Pension ist. Sie lebt seit über zehn Jahren in Österreich, hat aber nie Deutsch gelernt, wie sie selbst sagt, „es bleibt einfach nicht hängen“. Seit Jahren helfe ich ihr freiwillig bei allen Problemen, die auftauchen. Ehrlich gesagt, es macht mir schon lange keinen Spaß mehr! Sie hat den Status einer Pensionistin und Witwe eines Slowaken. Vor Jahren haben wir eine wahre Odyssee durchgemacht, um zuerst die Witwenrente in der Slowakei und dann in Österreich zu regeln, heute bekommt sie auch eine minimale Pension, von der sie in der Slowakei kaum leben könnte. Dazu erhält sie einen Sozialausgleich vom Sozialamt. Ihr einziges Glück war, dass sie zum Zeitpunkt des Todes ihres Mannes seit mehr als fünf Jahren in Österreich gemeldet war.
Mit zunehmendem Alter häufen sich auch ihre gesundheitlichen Probleme. Diese löse ich mit ihr, entweder bin ich physisch beim Arzt dabei oder helfe telefonisch. Jahrelang habe ich versucht, meine Bekannte dazu zu bringen, Deutschkurse zu besuchen. Auch wenn sie anfing, rannte sie zu ihrer Familie und lernte buchstäblich nichts. Vor ein paar Tagen war ich mit ihr beim Arzt und wir warteten über zwei Stunden. Gleichzeitig brachte sie mir einen Stapel Briefe mit Problemen, die ich vor Ort als ihre persönliche Sekretärin löste. Die Steuererklärung der letzten drei Jahre hatte das Finanzamt schon vor Monaten geschickt, aber ins Finanz Online System. Meine Bekannte wusste nicht einmal, dass sie so etwas haben sollte! Also machte ich einen Termin bei der Polizei, damit sie es öffnen kann. Ein Anruf bei der PVA deckte ein bereits monatelanges Problem auf, das in einer Minute gelöst wurde.
Problemlösungen und Herausforderungen
Mein Geduldsfaden riss endgültig, als sie mir einen zwei Monate alten Brief vom Rauchfangkehrer brachte, dass bis Anfang September eine Fachmessung wegen gefährlicher Abgase bei Gasheizung im Wohnbereich gemacht werden muss. Schnell machte ich einen Termin und befahl meiner Bekannten buchstäblich: „Tu endlich etwas für dich!“ Nach Hause in die Slowakei will sie nicht zurück und hat auch keinen Ort, wohin sie gehen könnte. In eine Unterkunft? Hier hat sie wenigstens eine Wohnung und kann von ihrem Geld bescheiden leben. Ich sage ihr ständig, dass sie im Alter, wenn es nötig wird, hierbleiben und in ein Pflegeheim gehen muss, wo sie dann nichts verstehen wird! Ich hoffe, dass sich etwas ändert, dass sie sich im Deutschen „verbessert“ und versteht, dass man die Sprache des Landes sprechen muss, in dem man lebt!
Ihre Jana
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Verwendete Quellen:
Symbolfoto: https://www.pexels.com/de-de/foto/charmantes-stadtbild-von-scharding-an-einem-sonnigen-tag-38752455/
Autorin: Jana Graff Löwbeer
Mail: jana.graff@viedencan.at












