Vom steirischen Hotel in die Welt der Wirtschaft und Finanzen: Die Geschichte von Barbora, die in Österreich auf Bildung setzte und gewann

Viele verlassen ihre Heimat mit der Aussicht auf schnelles Geld, andere suchen einen Ausweg aus dem Alltag. Die Geschichte von Barbora handelt jedoch von etwas anderem – vom systematischen Abbau des Mythos, dass Ausländer in Österreich für immer bei Hilfsarbeiten bleiben müssen. Ihr Weg hat uns in der Redaktion als ehrliches Zeugnis darüber interessiert, wie sie sich von einer Reinigungskraft zu einer verantwortungsvollen und voll qualifizierten Unterstützung im Bereich der Buchhaltung hochgearbeitet hat. Ihr Entschluss ist eine Inspiration für jeden Menschen, der an einem Scheideweg steht und darüber nachdenkt, ob es sinnvoll ist, in einem neuen Land ganz von vorne zu beginnen.

Slowakei und Österreich teilen sich eine gemeinsame Grenze, doch für viele Slowaken ist diese Linie auf der Karte nach wie vor eine psychologische Barriere. Oft fragen wir uns: Werden wir dort akzeptiert? Können wir uns hocharbeiten, wenn wir den Dialekt nicht beherrschen? Barbora beantwortet diese Fragen mit ihrem Leben. Sie zeigt, dass Integration nicht den Verlust der slowakischen Identität bedeutet, sondern eine neue, europäische Wertigkeit zu dem hinzufügt, was wir bereits sind.

Barbora bemerkt treffend: „Das Kennenlernen eines neuen Landes und einer neuen Kultur bedeutet nicht, die eigenen Wurzeln zu verlieren, im Gegenteil – es ist eine Bereicherung. Man kann seine Identität bewahren und gleichzeitig lernen, in einer neuen Umgebung mit Respekt und Offenheit zu leben.“ Österreich ist nicht nur ein Land der Alpen und der Ordnung, sondern vor allem ein Land der Möglichkeiten für diejenigen, die bereit sind, den Komfort gegen Abende über Lehrbüchern einzutauschen.

Wenn die Gymnasialdeutschkenntnisse nicht ausreichen: Harte Konfrontation mit der Realität

Alles begann am Ende des Jahres 2018 und zu Beginn des Jahres 2019. Barbora traf damals eine Entscheidung, die ihr Umfeld vielleicht als riskant wahrnahm – sie brach ihr vielversprechendes Studium der Biotechnologie ab und zog nach Steiermark. Der Grund war einfach: Sie wollte bei ihrem Partner sein und gleichzeitig Geld für den Abschluss der Schule verdienen. Obwohl sie das Abitur in Deutsch in der Tasche hatte, war der erste Kontakt mit dem österreichischen Dialekt wie eine kalte Dusche.

„Trotz der Grundlagen der deutschen Sprache aus der Schule beherrschte ich den Dialekt nicht auf gesprächlichem Niveau, weshalb ich von Tür zu Tür nach Arbeit suchte und als Hilfskraft in einem Hotel anfing,“ erinnert sie sich an ihre Anfänge. Barbora ließ sich jedoch nicht entmutigen und verstand die grundlegende Überlebensregel im Ausland: Demut beim Start bedeutet nicht, auf Ambitionen zu verzichten.

Abendschule und der Weg zu den Buchhaltungslohnabrechnungen

Barbora erkannte sehr schnell, dass sie, wenn sie in Österreich aufsteigen wollte, Sprache und Fachqualifikation zu ihrer Priorität machen musste. Während andere nach der Arbeit entspannten, investierte sie ihre Ersparnisse in Bildung. „Da ich aus dem Ausland so viele Erfahrungen wie möglich mitbringen wollte, begann ich, die Sprache intensiver zu lernen und besuchte neben der Arbeit die Abendschule – Buchhaltungskurse auf eigene Kosten,“ erklärt sie.

Ihr Engagement blieb auch den Vorgesetzten nicht verborgen. Es dauerte nicht lange, und aus der Hilfskraft wurde das Gesicht der Rezeption. Die Arbeit mit den Gästen erfüllte sie, sie erinnerte sich an ihre Aushilfsjobs in ihrem Heimatdorf in der Slowakei. Ihre Ambitionen reichten jedoch noch weiter. Sie entschied sich, sich dauerhaft in Österreich niederzulassen, was tiefgehende Kenntnisse des lokalen Systems erforderte. Sie absolvierte einen anspruchsvollen Fachlehrgang über österreichische Lohnbuchhaltung und Arbeitsrecht am WIFI-Institut.

Heute arbeitet Barbora genau dort, wo sie wollte – in der Buchhaltungsabteilung einer Organisation, die Thermalanlagen verwaltet. Sie fügt mit einem Lächeln hinzu: „Gastronomie, Thermalanlagen und Unterkunft sind wohl mein Schicksal. Ich habe in dieser Branche verschiedene Positionen durchlaufen und es macht mir wirklich Spaß.“

Brücken bauen, keine Mauern

Neben ihrer erfolgreichen Karriere hat Barbora auch ihr Hochschulstudium im Bereich Wirtschaft und Management neben der Arbeit abgeschlossen. Ihre Geschichte endet jedoch nicht bei ihrem eigenen Erfolg. Ihre Erfahrungen und Kenntnisse im Bereich der österreichischen Gesetzgebung gibt sie heute selbstlos weiter. In Internetforen hilft sie aktiv Landsleuten, die sich in der neuen Umgebung verloren fühlen und eine helfende Hand bei der Orientierung im Job oder im Leben benötigen.

Barbora ist der Beweis dafür, dass das Kennenlernen und Lieben einer neuen Kultur nicht bedeutet, zu vergessen, woher wir kommen. Es geht um gegenseitigen Respekt. Wenn man sich bemüht, Ausdauer zeigt und bereit ist zu lernen, öffnet die österreichische Gesellschaft einem die Türen, die man zuvor nur als geschlossen gesehen hat.

Abschließend richtet Barbora an alle, die zögern, folgende Worte: „Ich denke, es lohnt sich, die Grenzen zu überschreiten – für Erfahrungen, neue Perspektiven auf die Welt, persönliches Wachstum und das Kennenlernen von Menschen und Kulturen. Und wenn man an die richtigen Türen klopft, bereit ist zu lernen und an sich selbst arbeitet, werden sich die Türen öffnen. Wichtig sind der Wille und die Ausdauer.“

Mehr als nur eine erfolgreiche Karriere

Die Geschichte von Barbora ist eine wichtige Erinnerung daran, dass die Grenzen in unseren Köpfen oft stärker sind als die auf den Karten. Ihr berufliches Wachstum ist vor allem eine Lektion in Mut. Sie zeigt uns, dass wir im Ausland nicht nur Zahlen in den Migrationsstatistiken sind, sondern Botschafter unseres Landes, die mit Fleiß und Intellekt einen respektierten Namen für die gesamte Slowakei aufbauen können.

Ihr Wille, anderen Landsleuten in Foren selbstlos zu helfen, schließt einen schönen Bogen – von dem Mädchen, das einst allein im Dialekt umherirrte und an die Türen von Firmen klopfte, zu der selbstbewussten Frau, die heute für andere eine Stütze ist. Möge diese Geschichte eine Ermutigung für jeden von euch sein: Eure Vergangenheit oder Ausgangsposition bestimmen nicht euer Ziel. Nur eure Bereitschaft, niemals aufzuhören zu fragen und zu lernen, bestimmt es.

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