Das Wunder eines gewöhnlichen Atemzugs: Wie der Kampf gegen Lungenfibrose das Leben der Wienerin Rosi veränderte

Vor kurzem traf ich in der Praxis meiner Ärztin eine Frau in meinem Alter, die während der gesamten Wartezeit etwas Besonderes, Warmes und Positives ausstrahlte. Hier und da wechselte sie ein paar Worte mit den Wartenden und dem Personal, und ich fragte sie unauffällig, was die Quelle ihres momentanen Strahlens sei. Sie fragte mich: Kennen Sie das Schicksal der norwegischen Prinzessin Mette-Marit? Ja, antwortete ich, und die Frau stimmte zu, dass sie auf mich warten und mir ihre Geschichte erzählen würde.

Wir setzten uns in ein nahegelegenes Café. Sie stellte sich als Rosi vor und sagte mir: Du kannst dir nicht vorstellen, wie es ist, jahrelang ohne die Möglichkeit eines richtigen Atemzugs zu leben. Das wiederkehrende Gefühl des „Erstickens“, das Kämpfen um Luft und am Ende das Leben mit einem Sauerstoffgerät: kurz gesagt, Lungenfibrose. Rosi sagte mir anfangs mit einem Lächeln im Gesicht: „Ich danke Gott für jeden Atemzug, für den ganz gewöhnlichen, wenn sich meine Lungen öffnen und ich keinen Schmerz spüre. Ich atme wie du, und das klingt fast banal, aber für mich ist es immer noch ein Wunder.“

Rosi ist gebürtige Wienerin, 56 Jahre alt und derzeit im Invalidenrentenbezug. Sie hofft, bald wieder als Buchhalterin in ihren Job zurückzukehren. Ihre Geschichte ist interessant und zugleich sehr menschlich.

Der Kampf gegen den unsichtbaren Feind und das Leben mit Sauerstoff

Seit ihrer Kindheit litt Rosi an Atemwegserkrankungen und war oft schon im Kindergarten zu Hause, mit wiederkehrenden Bronchitis- und Lungenentzündungen. Im späteren Alter kamen Allergien zu ihren Atemproblemen hinzu, die sich zu Asthma entwickelten. In jungen Jahren bekam Rosi zwei Kinder, und ihr Zustand verschlechterte sich ständig. In der Arbeit wurde sie von ihrem Chef und den Kollegen sehr geschätzt, aber sie sahen, dass Rosi nicht in der Lage war, 8 Stunden im Büro zu sitzen, sie hatte einfach nicht die Kraft zu atmen. Relativ schnell war sie gezwungen, ein Sauerstoffgerät zu benutzen, andernfalls hätte sie erstickt. Die Firma und der Chef entschieden schließlich, dass Rosi schon lange vor Corona von zu Hause aus im Homeoffice arbeiten konnte. Ihr Zustand verschlechterte sich jedoch weiterhin, sie kämpfte buchstäblich um Luft, und die Ärzte sprachen fast ein Todesurteil aus. Rosi hatte eine schwere Lungenfibrose, eine der schwersten Lungenerkrankungen. In den Lungen bilden sich Narben, und es kommt zu einem Verlust der Elastizität, die Lungen haben immer weniger Kapazität, und die Patienten sind auf die Zufuhr von Sauerstoff durch Geräte angewiesen. Die Krankheit ist nicht heilbar, und bei einer Verschlechterung gibt es nur eine Möglichkeit zur Rettung: eine Transplantation.

Die Patientin verriet mir, dass sich ihre Welt nur auf das Schlafzimmer, das Badezimmer und die Toilette beschränkte und an besseren Tagen auf einen kleinen Spaziergang in der Wohnung. Aufgrund der Ansteckungsgefahr durfte Rosi von niemandem besucht werden. Telefonieren und Sauerstoff ließen sich nur schwer vereinbaren, und Rosi blieb nur der Kontakt über soziale Medien. Der Zustand verschlechterte sich rapide, und die Ärzte setzten sie auf die Dringlichkeitsliste für Lungentransplantationen. Die Liste funktioniert in einer europäischen Datenbank, und das Warten war in Rosis Fall auf ein paar Monate begrenzt. Ihre Welt wurde noch kleiner, und ihre Mutter zog nach ihrem siebzigsten Lebensjahr zu ihrer Tochter und kümmerte sich um sie wie um ein Kind. Ihr Mann arbeitete, wenn möglich, von zu Hause aus. Die Krankheit raubte der Patientin buchstäblich die Kraft, und in den letzten Tagen vor der Transplantation war sie eine kraftlose Patientin, die nur lag.

Rosi ist ihren Kollegen dankbar, die sie nicht vergessen haben und eine große Summe Geld gesammelt haben, die Rosi und ihrer Familie neben der Invalidenrente „finanziell Luft zum Atmen“ gab. Sie schätzt auch die Haltung ihres Mannes sehr, der die ganze Zeit bei ihr war, Tag und Nacht, auch wenn sie in den letzten Nächten vor der Operation mehr saß als schlief. Gesellschaft leisteten ihr Laptop und Serien auf Netflix, viele kennt sie bis ins Detail. Nach monatelangem Warten kam der rettende Anruf vom Wiener AKH: Wir haben Lungen, in zwei Tagen ist der Eintritt.

Eine zweite Chance im Leben und die Rückkehr zu „banalen“ Träumen

Rosi freute sich einerseits sehr, andererseits wechselten sich Angst und Bedenken über den großen Eingriff in ihren Körper ab. Die Patientin wachte erst nach mehreren Tagen auf, sie wurde in ein künstliches Koma versetzt, damit sich ihr Körper regenerieren konnte. Die ersten Wochen waren schwer: Mobilisation, Schmerzen, Ängste, ob ihr Körper das neue Organ annehmen würde. Nach drei Monaten „Kampf“ wusste sie, dass sie mehr gewonnen hatte als im Lotto – sie hatte den Kampf gegen den Tod gewonnen!

Heute, anderthalb Jahre nach der Transplantation, arbeitet Rosi von zu Hause aus für ihre Firma, die ihr die ganze Zeit nicht nur die Daumen gedrückt, sondern auch einen Platz gehalten hat. Sie muss viele Tabletten einnehmen und weiß, wer ihr die Lungen gespendet hat, wobei sie dieser Familie bis zu ihrem Tod verpflichtet ist.

Heute lebt Rosi ein normales Leben, freut sich über ihre Enkelkinder und plant im August zum ersten Mal einen Urlaub am Meer. „Nur“ nach Italien, damit sie im Notfall schnell nach Hause zurückkehren können. Und nach dem Urlaub und einer langen Abwesenheit von ihren Kollegen wird ihr ein ganz „banaler“ Traum erfüllt: Sie wird in Teilzeit an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Die Geschichte von Rosi hat mich berührt, und ich sage offen, ich überprüfe manchmal mein Atmen, und wenn ich Menschen sehe, die an Beatmungsgeräte angeschlossen sind, wünsche ich ihnen, dass sich ihre Krankheit nicht verschlechtert, sonst steht ihnen eine Transplantation bevor.

Hören Sie „einfach so“ auf Ihr Atmen und glauben Sie mir, Ihre Lungen sind ein Reichtum, den man schätzen sollte!

Schönen Tag,

Ihre Jana

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Illustrationsfoto: https://www.pexels.com/de-de/foto/suche-suchen-gucken-festhalten-4226207/

Autor: Jana Graff-Löwbeer

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