Begann und endete in Österreich: Der Lebensweg von Alena mit einem Umweg über Deutschland und die Schweiz. "Auch Pflege kann ein Abenteuer sein"

​Slowakei zu Beginn der Nullerjahre lebte im wilden Tempo des Wandels, doch hinter dem Tresen eines kleinen Ladens mit verschiedenen Waren verging die Zeit verzweifelt langsam. Alena war damals etwa zwanzig Jahre alt. Sie war ein junges Mädchen am Anfang ihres Lebens, das große Pläne und Träume vor sich haben sollte. Stattdessen schaute sie jeden Tag auf dieselben Waren, und die stereotype Arbeit im Laden machte ihr überhaupt keinen Spaß. Sie fühlte, dass ihr die Welt entglitt. Sie hatte immer einen Abenteurergeist in sich, wollte sehen, was hinter den Grenzen verborgen ist, fremde Kulturen kennenlernen und vor allem – relative Freiheit erlangen.

​Als nach dem Jahr 2000 die ersten realen Möglichkeiten eröffnet wurden, um in deutschsprachige Länder zu arbeiten, zögerte Alena keine Sekunde. Sie wurde eine der ersten Pionierinnen. Während ältere Frauen Angst hatten und junge Leute andere Wege suchten, ergriff sie die Gelegenheit, die sich damals massenhaft bot. Als eine der ersten machte sie einen damals noch neuen Pflegekurs und paukte abends gewissenhaft Deutsch für Pflegekräfte. In diesem Beruf sah sie nämlich eine einfache Möglichkeit, über die Grenzen zu kommen und gleichzeitig ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Das System der zweiwöchigen Schichten faszinierte sie: vierzehn Tage intensiver Arbeit kompensierte sie mit zwei Wochen absoluter Freizeit. Diese verbrachte sie nie faul zu Hause – sie nutzte sie voll aus, um zu reisen und Europa kennenzulernen.

​Erstes Kapitel: Sieben Jahre Schule des Lebens auf österreichischen Wegen

​Ihre erste große Reise führte nach Österreich. Zu Beginn des Jahrtausends war die Arbeit auf österreichischer Selbstständigkeit die einfachste, schnellste und sicherste Form, um legal im Westen zu arbeiten. Alena sprang in den Karussell, das sich sieben Jahre lang nicht stoppte. Für ein junges slowakisches Mädchen war das eine unglaubliche Schule des Lebens. In dieser Zeit durchquerte sie Österreich von Nord nach Süd, wechselte mehrere Familien und lernte die Mentalität der Menschen in verschiedenen Bundesländern kennen. Ihre Arbeitsaufenthalte schwankten ständig zwischen zwei absoluten Extremen, von denen jedes sie etwas lehrte.

​Manchmal arbeitete sie in pulsierenden, geschäftigen Städten wie Graz, Wels oder Linz. Dann hatte sie Cafés, Stadtparks, Kultur und ein reges gesellschaftliches Leben in greifbarer Nähe. Zu anderen Zeiten jedoch führte das Schicksal und die Pflegeagentur sie an Orte, die auf Karten kaum ihren Namen hatten. Echte österreichische Höhlen, tief in den Bergen und Tälern verloren.

​„Es gab Schichten, in denen ich gleich hinter dem Haus eine Straßenbahnhaltestelle hatte und nachmittags in die Cafés im Zentrum von Graz ging. Und dann kamen Familien in die absoluten Höhlen, wo kein Bus fuhr, zum nächsten Nachbarn war es einen Kilometer zu Fuß, und die Füchse sagten dort gute Nacht. Man war dort auf sich allein gestellt, auf sein Wissen und auf den Patienten angewiesen. Das hat mir jedoch enorme Selbstständigkeit und innere Stärke beigebracht.“

​Diese sieben Jahre in Österreich haben Alena tief geprägt. Sie erlangte absolute sprachliche Sicherheit, lernte Flexibilität und Psychologie im Umgang mit Senioren und kranken Menschen. Doch obwohl sie Österreich mochte, sprach nach sieben Jahren wieder der unruhige Geist des Abenteurers in ihr. Sie wollte mehr sehen, ein anderes Land erleben und herausfinden, wie das System anderswo funktioniert. Sie entschied sich, einen Wechsel zu versuchen und in den Norden zu gehen.

​Deutsche Station: Vom Nordsee bis zum märchenhaften bayerischen Land

​Ihr zweites Land wurde Deutschland. Deutschland war riesig, vielfältig und stellte für Alena völlig neue Herausforderungen dar. Zunächst reiste sie dorthin, wohin das Schicksal und die Bedürfnisse der Familien sie führten. Für eine Weile fand sie sich in einer rauen, windgepeitschten Küstenstadt im Norden des Landes wieder, wo die Luft nach Salz roch, das Meer einen grauen Hauch hatte und über ihr ständig die Möwen schrieen. Es war eine faszinierende Welt, doch Alena zog es unbewusst mehr in den Süden, näher zu den Bergen, die sie an ihre Heimat erinnerten.

​Als sie zum ersten Mal in die bergige und grüne Region Bayerns kam, wusste sie sofort, dass sie ihren Platz gefunden hatte. Bayern bezauberte sie mit seiner Sauberkeit, dem Respekt vor Traditionen und der Mentalität der Einheimischen. Von diesem Zeitpunkt an suchte sie gezielt nach Arbeit – sie lehnte andere Angebote ab und wollte nur noch in der weiteren Umgebung von München bleiben. Sie suchte jedoch nicht das Trubel der bayerischen Metropole. Sie verliebte sich in malerische kleinere Städte und Dörfer am Fuße der Alpen.

​Oft gelang es ihr, eine Unterkunft und Arbeit direkt auf traditionellen bayerischen Höfen, den sogenannten Bauernhöfen, zu finden. Sie lebte mitten in einer idyllischen ländlichen Umgebung, die wie aus einer Postkarte ausgeschnitten wirkte.

​„In Bayern hat es mir am besten von ganz Deutschland gefallen. Ich wohnte in wunderschönen massiven Holzhäusern mit Balkonen, die im Sommer mit roten Geranien überquollen. Ich scherzte, dass während mir in Österreich die Füchse in den Höhlen gute Nacht sagten, in Bayern die Kühe mir direkt unter dem Fenster gute Nacht muhten. Morgens weckte mich der Duft von frischem Heu und die klare Bergluft. An diese Höfe denke ich bis heute mit großer Liebe zurück.“

​In Bayern verbrachte Alena fünf wunderschöne Jahre. Es war eine stabile, angenehme und finanziell interessante Phase ihres Lebens. Sie war jedoch immer noch jung, hatte viel Energie vor sich und wollte ihren imaginären Dreiblatt der deutschsprachigen Länder vervollständigen. Ihr letztes großes abenteuerliches Reisen führte sie daher noch höher – in die Schweiz.

​Schweizer Finale und große Lebensentscheidung nach der Dreißig

​Die Schweiz war für Alena der symbolische Höhepunkt ihrer Pflegekarriere. Sie kam dorthin als eine äußerst erfahrene, sprachlich perfekt ausgestattete Frau, die bereits zwölf Jahre harte Praxis im Ausland hinter sich hatte. Sie verstand verschiedene Dialekte und konnte in jeder Situation zurechtkommen. Die Schweiz faszinierte sie mit ihrer unglaublichen Präzision, den atemberaubenden Alpenpanoramen und dem hohen Lebensstandard. Doch gerade hier, nach einiger Zeit zwischen Schweizer Familien, begann Alena die Müdigkeit des ständigen nomadischen Lebens zu spüren.

​Sie war damals kurz nach der Dreißig. Ein Alter, in dem man beginnt zu erkennen, dass ein Leben, das zwischen zwei Ländern geteilt ist, ständiges Kofferpacken, Reisen in Bussen und Kleinbussen und das Wohnen in fremden Haushalten nicht ewig so weitergehen kann. Sie sehnte sich nach einem echten Hafen. Sie wollte Stabilität, einen festen Punkt im Leben und ein eigenes Zuhause, wusste aber gleichzeitig, dass sie nicht in die Slowakei zurückkehren wollte. Die Arbeit im Laden war längst Vergangenheit, und ihre Heimat war die deutschsprachige Welt geworden. Sie wollte jedoch die Spielregeln ändern: Sie wollte nicht mehr 24 Stunden Pflegekraft sein, sie wollte die Herrin ihrer Zeit unter ihrem eigenen Dach sein.

​Dann kam ihre größte und mutigste Lebensentscheidung. Sie beschloss, sich dauerhaft in Österreich niederzulassen – in dem Land, in dem sie vor Jahren als junges Mädchen begonnen hatte. Sie wusste jedoch, dass sie, wenn sie einen regulären österreichischen Arbeitsvertrag mit allen sozialen Sicherheiten, Altersvorsorge und festen Arbeitszeiten erhalten wollte, eine lokal anerkannte Fachausbildung benötigte.

​Kurz nach der Dreißig machte sie daher einen Schritt, den viele nicht wagen würden. Sie setzte sich wieder in die Schulbank und meldete sich für ein anspruchsvolles Studium an, um ein vollwertiges österreichisches Diplom als Gesundheits- und Krankenpflegerin zu erwerben – Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin.

​„Viele meiner Bekannten in der Slowakei gründeten in diesem Alter Familien oder kümmerten sich um Hypotheken, und ich saß wieder in der Schule und paukte Anatomie, Pathologie und lateinische Terminologie auf Deutsch. Die Prüfungen an der österreichischen Fachschule waren äußerst streng, die Professoren schenkten uns nichts. Es gab Momente, in denen ich nachts über den Büchern saß und mich fragte, ob ich das wirklich brauchte. Aber ich wusste, dass dieses Diplom der Schlüssel zu einem normalen Leben für mich ist.“

​Sicherer Hafen in Niederösterreich

​Ihr Durchhaltevermögen und Mut trugen Früchte. Sie schloss die Schule erfolgreich ab, und mit dem Diplom in der Hand öffnete sich ihr eine ganz neue Welt. Sie war nicht mehr auf den Willen von Familien oder Agenturen angewiesen. Sie erhielt einen regulären Vertrag, ein stabiles Gehalt, genau definierte Arbeitszeiten und was am wichtigsten war – sie konnte sich ihre eigene Wohnung mieten, wo sie endlich ein echtes Zuhause hatte.

​Ihre neue Karriere begann sie in Wien. Die Arbeit in den dortigen Kliniken war dynamisch, voller fachlicher Herausforderungen, und Alena sammelte dort enorme Erfahrungen im österreichischen Gesundheitssystem. Nach einigen Jahren in der geschäftigen Hauptstadt zog es sie jedoch wieder zu einem ruhigeren Leben, das sie so liebte in den Höhlen und bayerischen Höfen.

​Sie zog daher in eine malerischere Umgebung und lebt und arbeitet heute seit mehreren Jahren stabil in der Bundesland Niederösterreich. Sie arbeitet in einer modernen Gesundheitseinrichtung, wo sie von Kollegen und Patienten tief respektiert wird.

​Blick vom Gipfel: Fünfzig mit reinem Gewissen

​Heute ist Alena 50 Jahre alt. Sie ist eine reife, selbstbewusste, finanziell unabhängige Frau, die fest auf eigenen Füßen steht. Wenn sie heute aus ihrem eigenen Fenster auf das Land schaut, kehrt sie manchmal in Gedanken zurück zu der Zeit, als sie als Mädchen von der Welt hinter den Grenzen träumte.

​Ihr Lebensweg war lang, kurvenreich und voller Umwege.

​„Wenn ich heute meine Entscheidungen bilanziere, fühle ich keine Enttäuschung. Im Gegenteil, ich fühle einen riesigen Frieden. In der Slowakei stünde ich vielleicht heute immer noch in irgendeinem Laden, müde und verbittert. Aber ich lebe so, wie ich will, habe einen Job, den ich liebe, großartige Kollegen, eine österreichische Rente vor mir und vor allem weiß ich, dass ich mein Leben als ein großes, wunderschönes Abenteuer gelebt habe. Es hat mich gelehrt, dass man sein Leben in jedem Alter ändern kann – wichtig ist nur, den Mut nicht zu verlieren.“

​Alenas Geschichte ist ein klares Zeugnis dafür, dass man nicht den ausgetretenen Pfaden folgen muss. Man muss nur an seine eigenen Träume glauben und keine Angst haben, den ersten, auch wenn er ordentlich lang ist, Schritt ins Unbekannte zu machen.

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Verwendete Quellen:

Illustrationsfoto: https://www.pexels.com/de-de/foto/blonde-frau-geniesst-den-herbst-am-see-in-wessling-29476943/