Hat Sie jemand von Amazon wegen eines verdächtigen Kaufs angerufen?

Eine ausgeklügelte Falle von Cyberkriminellen nutzt den Namen eines bekannten Online-Shops und legitime Software, um die volle Kontrolle über Ihr Smartphone zu erlangen. Ein Szenario, das mit einer Warnung vor einer fiktiven Bestellung beginnt, kann mit einem leergeräumten Bankkonto enden. Experten warnen vor einer neuen Welle von Betrugsanrufen.
Stellen Sie sich einen gewöhnlichen Tag vor. Ihr Telefon klingelt und am anderen Ende meldet sich eine Stimme, die sich als Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung von Amazon vorstellt. Mit ernstem Ton teilt er Ihnen mit, dass auf Ihren Namen und Ihre Telefonnummer gerade ein neues Konto erstellt wurde, von dem aus jemand versucht hat, teure Waren zu bezahlen. Der anfängliche Schock und die Angst sind genau die Emotionen, mit denen die Angreifer rechnen. In dem Moment, in dem Sie versuchen, sich zu fangen, bietet Ihnen der „hilfsbereite Mitarbeiter“ eine sofortige Lösung an. So beginnt einer der neuesten und gefährlichsten Telefonbetrügereien, der auch in Österreich um sich greift.
Das Ziel der Angreifer ist es nicht, direkt im Telefonat Ihre Kartendaten zu erlangen. Ihre Methode ist viel ausgeklügelter und hinterhältiger. Sie missbrauchen eine Kombination aus Social Engineering und legitimen Technologien, um Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen und direkt an die Quelle zu gelangen – Ihr Geld, das in Bankanwendungen gespeichert ist.
Schlüssel Schritt: Wenn der Helfer sein wahres Gesicht zeigt
Der Mechanismus dieses Betrugs, auch als „Vishing“ (eine Kombination aus Voice und Phishing) bekannt, basiert auf einem einzigen Schlüssel Schritt. Nachdem der Betrüger Sie mit einer Geschichte über den Missbrauch Ihrer Daten erschreckt hat, wechselt er in die Rolle des Retters. Er wird Sie anleiten, dass es notwendig ist, eine spezielle Sicherheitsanwendung auf Ihrem Smartphone zu installieren, um das Problem zu lösen und falsche Transaktionen zu blockieren.
Diese Anwendung ist in vielen Fällen „Zoho Assist“. Und genau hier verbirgt sich der Kern der Falle. Es handelt sich nicht um einen Virus oder schädlichen Code. „Zoho Assist“ ist ein völlig legitimes und häufig verwendetes Tool für technischen Support aus der Ferne, das es Unternehmen und IT-Spezialisten ermöglicht, sich aus der Ferne mit dem Computer oder Smartphone eines Kunden zu verbinden und ihm bei technischen Problemen zu helfen. Cyberkriminelle missbrauchen dieses Tool jedoch für genau das Gegenteil.
Sobald das Opfer die Anwendung aus dem offiziellen Store (Google Play oder App Store) herunterlädt und den Code eingibt, den der Betrüger diktiert, übergibt es ihm die volle Kontrolle über sein Gerät. Der Angreifer sieht ab diesem Zeitpunkt alles, was auf dem Bildschirm des Telefons passiert, und kann es steuern, als würde er es physisch in der Hand halten.
Digitale Diebstahl in Echtzeit
Die Folgen sind katastrophal. Mit vollem Zugriff auf das Smartphone kann der Betrüger Bankanwendungen öffnen, Kontostände und Transaktionshistorien einsehen. Da er das gesamte Gerät kontrolliert, hat er auch kein Problem, die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen. Er sieht die SMS-Codes, die die Bank zur Bestätigung von Zahlungen sendet, oder kann direkt im mobilen Schlüssel Transaktionen bestätigen, die er selbst eingegeben hat.
Dem Opfer wird oft gesagt, dass der Prozess zur Sicherung des Kontos läuft und es das Telefon nicht berühren darf, um es nicht zu stören. In Wirklichkeit transferiert er jedoch im Hintergrund ihre finanziellen Mittel auf seine Konten. Neben Geld erhält er auch Zugang zu allen persönlichen Daten – Kontakten, E-Mails, Fotos, in Browsern gespeicherten Passwörtern oder Notizen. Diese Informationen können später für weitere Betrügereien oder Identitätsdiebstahl missbraucht werden.
Prävention ist die beste Verteidigung: Wie man kein Opfer wird
Ein grundlegender Pfeiler der Verteidigung ist Wachsamkeit und kritisches Denken. Es ist wichtig, sich an einige Grundsätze zu erinnern, die universell gelten:
- Seriöse Unternehmen handeln nicht so: Keine Bank, Polizei oder großes Unternehmen wie Amazon wird Sie jemals telefonisch auffordern, eine Anwendung für den Fernzugriff zu installieren. Ihre Sicherheitsverfahren sehen ganz anders aus.
- Ein unerwünschter Anruf ist immer verdächtig: Wenn Sie einen Anruf erhalten, der Panik in Ihnen auslöst und Sie zu schnellem Handeln drängt, seien Sie vorsichtig. Stress und Druck sind die stärksten Werkzeuge der Betrüger.
- Gewähren Sie niemals Fernzugriff: Die Installation von Anwendungen wie „Zoho Assist“, „AnyDesk“ oder „TeamViewer“ auf Anweisung einer fremden Person ist das Äquivalent dazu, einem unbekannten Menschen auf der Straße die Schlüssel zu Ihrer Wohnung und Ihrem Safe zu übergeben.
- Überprüfen Sie Informationen: Wenn Sie Zweifel an der Echtheit des Anrufs haben, beenden Sie ihn sofort. Suchen Sie dann die offizielle Telefonnummer des Unternehmens (zum Beispiel auf dessen Website) und rufen Sie dort direkt an, um die Situation zu überprüfen. Verwenden Sie niemals die Telefonnummer, die Ihnen der verdächtige Anrufer gegeben hat.
Wenn Sie leider bereits Opfer geworden sind und die Anwendung installiert haben, handeln Sie sofort. Schalten Sie WLAN und mobile Daten auf Ihrem Telefon aus, um die Fernverbindung zu unterbrechen. Ändern Sie von einem anderen, sicheren Gerät aus die Passwörter für Online-Banking und andere wichtige Dienste. Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank, um Ihre Konten und Karten zu sperren, und melden Sie den Vorfall sofort der Polizei.
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Quelle: Artikel „Fake-Anruf von Amazon: Kriminelle wollen Zugriff auf das Smartphone“ Foto: https://images.pexels.com/photos/60504/security-protection-anti-virus-software-60504.jpeg












