Wien: Aus einer Betonwüste entstand ein lebendiges Haus, das atmet

Vergessen Sie eintönige Wohnsiedlungen und graue Fassaden. Wien verwandelt vernachlässigte Grundstücke in pulsierende, grüne Oasen, die Preiswürdigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und einen starken Gemeinschaftsgeist vereinen. Das neueste Beispiel ist das Projekt „Greenhouse“ im Stadtteil Leopoldstadt, wo anstelle eines alten Parkplatzes ein Zuhause für 250 Menschen entstanden ist, das buchstäblich in einen lebendigen grünen Mantel gehüllt ist.

Dort, wo bis vor kurzem eine industrielle Ruine und eine weitläufige versiegelte Fläche standen, stehen heute zwei moderne Wohngebäude. Dieses Projekt, das bereits das sechzehnte im Rahmen des innovativen Programms „Gemeindebau NEU“ ist, ist nicht nur ein weiteres Gebäude in der Reihe. Es ist ein Manifest dafür, wie sozialer Wohnungsbau im 21. Jahrhundert aussehen kann – intelligent, umweltbewusst und menschenorientiert.

Der Stadtteil Leopoldstadt hat somit bereits das dritte ähnliche Projekt erhalten, wodurch in dieser Gegend bereits etwa 1.200 Bewohner ein neues, sicheres und preiswertes Zuhause gefunden haben. „Wir zeigen erneut, wie modernes und bezahlbares Wohnen aussieht: grün, offen und gemeinschaftsorientiert“, freut sich der Bezirksvorsteher Alexander Nikolai. Laut ihm bietet das Projekt nicht nur hochwertige Wohnungen, sondern auch die Voraussetzungen für gute nachbarschaftliche Beziehungen, Lebensqualität und eine vielversprechende Zukunft.

Vertikaler Garten statt Beton: Ein Haus, das kühlt und die Luft reinigt

Der Name „Greenhouse“ (auf Deutsch: Gewächshaus) ist nicht zufällig. Die Architekten des Büros Kurz Architekten ZT GmbH haben die Gebäude so entworfen, dass sie buchstäblich mit der Natur verschmelzen. Mehr als die Hälfte ihrer Fassaden ist mit einem ausgeklügelten System vertikaler Begrünung bedeckt, das von den Architekten von EGKK entworfen wurde. An speziellen Stützstrukturen und sogenannten „lebenden Wänden“ werden nach und nach Clematis, Efeu, Weinreben und Trompetenblumen emporwachsen.

Dieser lebendige Teppich ist nicht nur ein ästhetisches Element. Er erfüllt entscheidende Funktionen, die in Zeiten des Klimawandels unbezahlbar sind. Die dichte Vegetation kühlt im Sommer auf natürliche Weise das Gebäude und seine Umgebung, wodurch der Bedarf an Klimaanlagen gesenkt und dem Effekt der städtischen Wärmeinsel entgegengewirkt wird. Gleichzeitig verbessert sie das lokale Mikroklima, filtert Staub und produziert Sauerstoff. Auch das Dach ist grün, dessen intensive und semi-intensive Begrünung als natürliche Schwamm fungiert – sie speichert Regenwasser, entlastet die Kanalisation und trägt zur Biodiversität bei. Jede der 102 Wohnungen, mit einer Größe von 35 bis 100 Quadratmetern, verfügt zudem über eigene Blumenkästen, die es den Bewohnern ermöglichen, sich ihr kleines Stück privaten Grüns zu schaffen.

Intelligente Energie und Architektur mit Seele

Der ökologische Ansatz endet nicht an der Fassade. Der gesamte Komplex ist im Niedrigenergiestandard konzipiert. Für Wärme und ein angenehmes Klima sorgt eine Kombination aus Fernwärme und innovativer Technologie zur Aktivierung der Baukonstruktionen. Dieses System nutzt massive Betondecken und -wände als Wärmespeicher, was eine sehr effiziente und gleichmäßige Temperierung der Räume ermöglicht. Auch Photovoltaik-Paneele auf dem Dach tragen zur Energieeinsparung bei, indem sie Strom direkt vor Ort erzeugen.

Die architektonische Lösung legt großen Wert auf die Förderung zwischenmenschlicher Beziehungen. Die beiden Gebäude sind durch einen zentralen Eingangsbereich verbunden, der das traditionelle Wiener Konzept der „Basseny“ – Orte für informelle Treffen von Nachbarn – belebt. An diesen Bereich schließt sich ein Gemeinschaftsraum mit Küche an, der für gemeinsame Feiern oder Aktivitäten bereitsteht.

Ein Zuhause sind nicht nur Wände: Gemeinschaftsbildung von Anfang an

Die Schöpfer des Projekts sind sich voll bewusst, dass hochwertiges Wohnen nicht nur aus Ziegeln und Beton besteht, sondern vor allem aus Menschen und ihren Beziehungen. Daher ist die aktive Unterstützung des Gemeinschaftslebens ein unverzichtbarer Bestandteil des Projekts. Den Bewohnern stehen zwei großzügige Dachterrassen mit Hochbeeten für den gemeinsamen Anbau von Kräutern und Gemüse, einem Spielbereich für Kinder und einer Pergola zum Entspannen zur Verfügung. Der grüne Innenhof mit Bänken und Spielelementen lädt dazu ein, die Freizeit im Freien zu verbringen.

Um aus anonymen Mietern gute Nachbarn zu machen, kommt der städtische Dienst „wohnpartner“ ins Spiel. Dessen Team begleitet die neuen Bewohner von Anfang an – organisiert Willkommensgespräche, Informationsveranstaltungen und Nachbarschaftsfeste. Es hilft ihnen auch bei der Einrichtung und Nutzung des Gemeinschaftsraums, damit dieser den Bedürfnissen aller dient.

Das Wiener Modell als Inspiration für Europa

Das Projekt „Greenhouse“ ist das Flaggschiff einer umfassenderen Strategie der Stadt, die weltweit Anerkennung findet. Wie die Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál betont, festigt Wien kontinuierlich seinen internationalen Ruf als Vorreiter im Bereich bezahlbaren und qualitativ hochwertigen Wohnens. „Moderne, bezahlbare Wohnungen, die auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten sind, schaffen die besten Voraussetzungen für ein sicheres Zuhause, in dem die Bewohner jahrzehntelang leben können“, sagte sie.

Das Programm „Gemeindebau NEU“ garantiert den Bewohnern die Qualitäten, an die die Wiener gewöhnt sind: angemessene Mieten, unbefristete Verträge und, was entscheidend ist, keine Kaution. Dieses Modell ist der Beweis dafür, dass „bezahlbares, innovatives und hochwertiges Wohnen keine Vision, sondern ein reales Konzept ist, das wir in Wien mit maximalem Einsatz aller Beteiligten in die Realität umsetzen“, ergänzen die Vertreter der städtischen Wohnbaugesellschaften WIGEBA und Wiener Wohnen.

Die Geschichte des Hauses in der Wehlistraße ist somit mehr als nur eine lokale Nachricht über einen neuen Bau. Es ist ein inspirierendes Beispiel für Städte auf der ganzen Welt, die ähnlichen Herausforderungen gegenüberstehen: wie nachhaltig zu bauen, wie menschenwürdigen Wohnraum für alle zu sichern und wie anonyme städtische Strukturen in Orte zu verwandeln, an denen Menschen in Harmonie miteinander und mit der Natur leben wollen und können.

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Quelle: Stadt Wien Foto: Copyright Stadt Wien/Martin Votava