Wien zeigt, wie man den Sommer in der Stadt überlebt: Frankhplatz verwandelt sich von einem Betonparkplatz in eine Klimaoase

Während in vielen europäischen Metropolen nur über die Anpassung an die Klimakrise diskutiert wird, schreitet die österreichische Hauptstadt zu radikalen Taten. Die Umgebung der neuen U5-Station am Frankhplatz wird zum Labor für modernen Urbanismus. Das Projekt mit dem Motto „raus aus dem Asphalt“ ist nicht nur eine ästhetische Umgestaltung, sondern ein strategischer Kampf gegen städtische Wärmeinseln, wo anstelle geparkter Autos Bäume, Fußgänger und automatisierte öffentliche Verkehrsmittel Platz finden.

Das Wiener Rathaus und der städtische Verkehrsbetrieb Wiener Linien haben einen wichtigen Meilenstein im Rahmen des gigantischen Projekts U2xU5 bekannt gegeben. Der Rohbau der Station Frankhplatz ist fertig, und schwere Maschinen unter der Erde werden von Landschaftsarchitekten und Baukolonnen an der Oberfläche abgelöst. Was jahrelang nur ein Transitknotenpunkt voller Staub und Beton war, soll bis Ende dieses Jahres in ein „Wohnzimmer unter freiem Himmel“ verwandelt werden.

Das Ende der Asphalt-Diktatur im 9. Bezirk

Der Frankhplatz war lange Zeit ein Musterbeispiel für ineffiziente Nutzung urbanen Raums. Dominierend war eine ungenutzte Nebenstraße, die primär als Parkplatz vor dem Büro für Finanzmarktaufsicht diente. In der neuen Vision Wiens für das 21. Jahrhundert jedoch weichen die Autos. Diese Nebenstraße wird endgültig verschwinden, wodurch Platz für eine massive Revitalisierung geschaffen wird.

Insgesamt betrifft das Projekt eine Fläche von 5.000 Quadratmetern. Ein entscheidendes Merkmal ist das sogenannte „Entsiegeln“ des Bodens. Auf mehr als 3.700 Quadratmetern wird der undurchlässige Asphalt verschwinden, der während der Sommerhitze noch lange nach Sonnenuntergang Wärme abstrahlt. Er wird durch moderne, wasserdurchlässige Pflastersteine ersetzt. Dieser Ansatz, auch bekannt als das Konzept der „Schwammstadt“, ermöglicht es Regenwasser, direkt in den Untergrund einzusickern, wodurch die Kanalisation entlastet und das Wurzelsystem der Bäume natürlich genährt wird.

Klimatischer Komfort soll durch 16 neue Bäume direkt am Platz und weitere 8 in der angrenzenden Garelligasse gewährleistet werden. Dabei handelt es sich nicht nur um visuelles Grün – dank automatisierter Bewässerungssysteme sollen diese Bäume auch extreme Trockenperioden überstehen, die zum neuen Standard des mitteleuropäischen Sommers werden.

Garelligasse: Aus einer Straße für Autos wird eine Fußgängerzone

Eine der bedeutendsten Veränderungen ist die Transformation der Garelligasse. Diese Straße, die den Frankhplatz mit der Frankgasse verbindet, wird auf Wunsch des Stadtteils Alsergrund zu einer vollwertigen Fußgängerzone. Das Konzept sieht die Schaffung von Schattenkorridoren unter den Baumkronen vor, ergänzt durch sogenannte Nebelstelen, die das Mikroklima in der Umgebung durch das Versprühen feinen Wassernebels abkühlen.

Die Wiener Stadträtin für Planung, Ulli Sima, betont, dass es sich um einen Modellansatz handelt, den die Stadt bei jeder neuen U-Bahn-Station anwenden wird. „Wir schaffen einen modernen, klimafreundlichen Verkehrsknotenpunkt. Neben 5.000 Quadratmetern neuer Aufenthaltsfläche bringen wir 40 Sitzplätze, Trinkbrunnen und Grünflächen. Es ist unser Dank an die Bewohner für ihre Geduld während der langen Bauphase“, sagte Sima beim offiziellen Baustart.

Logistik des Verkehrs in Zeiten der Klimakrise

Die Umgestaltung des Frankhplatzes dreht sich jedoch nicht nur um Bänke und Blumentöpfe. Es geht in erster Linie um effiziente Mobilität. Die U5-Station wird nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2030 (in der ersten Phase von Karlsplatz) ein zentraler Umsteigepunkt sein. Die Ausgänge der Station sind strategisch so angeordnet, dass die Fahrgäste nur wenige Schritte zu fünf wichtigen Straßenbahnlinien (37, 38, 40, 41 und 42) haben – konkret sind es von dem Ausgang auf der Schwarzspanierstraße nur 250 Meter zu den Straßenbahnen.

Das Projekt knüpft an die erfolgreiche Rekonstruktion der Universitätsstraße aus dem vergangenen Jahr an. Dort hat die Stadt eine erstklassige Radverkehrsachse geschaffen und 55 Bäume gepflanzt. Der Frankhplatz ergänzt somit das Mosaik eines fließenden und sicheren Verbindungsnetzes für Radfahrer und Fußgänger vom Schottentor tiefer in den 9. Bezirk.

Für die Bedürfnisse der Österreichischen Nationalbank, die in der Gegend ansässig ist, bleibt der funktionale Zugang für die Belieferung über die Garnisongasse erhalten, wodurch es gelungen ist, die Anforderungen an die Sicherheit staatlicher Institutionen mit den Bedürfnissen der Öffentlichkeit nach einem besseren Lebensraum zu vereinen.

U2xU5: Megaprojekt, das das Gesicht Wiens verändert

Um die Bedeutung der Arbeiten am Frankhplatz zu verstehen, ist es notwendig, den größeren Kontext zu betrachten. Der Bau des Linienkreuzes U2xU5 ist derzeit das größte Infrastrukturprojekt in Österreich. Die Investition, die in Milliardenhöhe geht, hat das Ziel, Wien auf das Bevölkerungswachstum und die Erreichung der Klimaneutralität vorzubereiten.

Nach Abschluss beider Phasen werden in der Stadt 11 Kilometer neue Strecken und 12 moderne Stationen hinzukommen. Es wird geschätzt, dass das neue Netz jährlich 300 Millionen Fahrgäste mehr befördern wird als bisher. Aus umwelttechnischer Sicht entspricht dies 75.000 Tonnen CO₂ jährlich, die sonst durch den motorisierten Verkehr produziert worden wären.

Die Station Frankhplatz ist in diesem System einzigartig – es handelt sich um die erste vollständig neue Station, die für die Linie U5 gebaut wird, die als erste in Wien im vollautomatischen Modus ohne Fahrer betrieben werden wird. „Ab 2026, nach dem baulichen Abschluss der Oberflächen, werden wir das gesamte System unter der Erde testen – von den Gleisen bis zur Steuerungssoftware“, erklärt Alexandra Reinagl, die Geschäftsführerin der Wiener Linien.

Mut zu politischen Entscheidungen

Die Umgestaltung des Frankhplatzes illustriert den politischen Mut der Wiener Koalition (Sozialdemokraten und NEOS), unpopuläre Maßnahmen wie die Streichung von Parkplätzen zugunsten langfristiger Nachhaltigkeit durchzusetzen. Selma Arapovic von den NEOS spricht in diesem Zusammenhang von „vorbildlicher moderner Stadtplanung“. Ihrer Meinung nach hört der Frankhplatz auf, nur ein „funktionaler Punkt auf der Karte“ zu sein und wird zu einem lebendigen urbanen Raum.

Während Bratislava oder andere mitteleuropäische Städte oft um jeden einzelnen Parkplatz kämpfen, zeigt Wien im Projekt Frankhplatz, dass der Nutzen in Form von Schatten, sauberer Luft und sicherer Bewegung für Fußgänger wichtiger für die Lebensqualität in der Stadt ist als die Erhaltung einer Asphaltfläche für ein paar Dutzend Fahrzeuge.

Bis Ende 2026, wenn die Oberflächenarbeiten endgültig abgeschlossen sein sollen, wird Wien einen weiteren Beweis dafür erhalten, dass Investitionen in den öffentlichen Verkehr und öffentliche Räume zwei Seiten derselben Medaille sind. Der Frankhplatz wird somit nicht nur ein wichtiger Umsteigepunkt, sondern auch eine Visitenkarte der Stadt, die sich weigert, sich mit der sommerlichen Überhitzung abzufinden und einen Weg in eine nachhaltige Zukunft sucht.

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Verwendete Quellen:

Stadt Wien / Wiener Linien

Foto: Copyright: message / Stadt Wien