Wien erweitert die sogenannte „Rote Box": Wie Österreich den Kampf gegen Menstruationsarmut führt

Menstruation ist kein Luxus, sondern ein natürlicher biologischer Prozess. Dennoch stellt sie für Tausende von Frauen und Mädchen in Österreich jeden Monat eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Wien hat sich jedoch entschieden, entschieden „nein“ zur Tabuisierung dieses Themas und zur wirtschaftlichen Diskriminierung zu sagen. Ab April kommt es zu einer grundlegenden Erweiterung des erfolgreichen Projekts Rote Box, das das Flaggschiff des österreichischen Kampfes gegen Menstruationsarmut ist.

​Bevor wir in die Wiener Lösung eintauchen, ist es wichtig, das Ausmaß des Problems zu verstehen. Menstruationsarmut ist nicht nur die Unfähigkeit, Binden oder Tampons zu kaufen. Es ist ein komplexes Problem, das Folgendes umfasst:

Finanzielle Unzugänglichkeit: Frauen mit niedrigem Einkommen müssen oft zwischen Essen und Hygieneartikeln wählen.

Gesundheitsrisiken: Mangelnde Mittel führen dazu, dass eine Binde zu lange verwendet wird oder improvisierte Lösungen (Toilettenpapier, Zeitungen, alte Stoffe) genutzt werden, was zu Infektionen führt.

Soziale Isolation: Mädchen schwänzen die Schule und Frauen die Arbeit, weil sie Angst vor einem „Unfall“ in der Öffentlichkeit haben.

​Projekt Rote Box: Wiens Antwort auf die Krise

​Die Stadt Wien hat in Zusammenarbeit mit der Drogeriekette BIPA und sozialen Hilfsorganisationen das Projekt Rote Box ins Leben gerufen, um sicherzustellen, dass keine Frau ohne Hilfe bleibt. Die neueste Aktualisierung des Programms, die im April in Kraft tritt, reagiert auf die Stimmen der Nutzerinnen selbst. Jedes Körper ist anders und jede Menstruation hat eine andere Intensität. Ab April wird daher das Sortiment der verfügbaren Binden erweitert. Frauen und Mädchen müssen nicht mehr ein „universelles“ Produkt wählen, sondern können die Binden auswählen, die am besten zu ihren individuellen Bedürfnissen passen – ob es sich um Nachtbinden, Binden mit Flügeln oder solche für empfindliche Haut handelt.

​Wie funktioniert das in der Praxis?

​Das System ist so konzipiert, dass es diskret und zugänglich ist:

Verteilung von Gutscheinen: An rund 400 Ausgabestellen in ganz Wien (Sozialberatungsstellen, Jugendzentren, Gesundheitseinrichtungen) sind Gutscheine erhältlich.

Kostenlose Abholung: Mit diesem Gutschein kann eine Frau in jeder BIPA-Drogerie ein Paket Menstruationsprodukte (eine „Rote Box“) monatlich völlig kostenlos abholen.

Zielgruppe: Das Programm richtet sich vor allem an Wienerinnen, die Sozialhilfe beziehen oder sich in einer schwierigen finanziellen Situation befinden.

​Warum ist Österreich ein Vorbild für Europa?

​Wien ist in diesem Kampf nicht allein, obwohl ihre Stadtpolitik eine der fortschrittlichsten ist. Österreich hat in den letzten Jahren mehrere entscheidende Schritte unternommen. Lange Zeit wurden Menstruationsprodukte in Österreich als Luxusartikel besteuert (20 % MwSt.). Nach intensivem Druck von Aktivistinnen und politischer Debatte gelang es 2021, diese Steuer auf 10 % zu senken.

Das war ein klares Signal, dass der Staat diese Produkte als grundlegendes Lebensbedürfnis anerkennt. Neben dem Projekt Rote Box werden in vielen österreichischen Bundesländern kostenlose Automaten in Schulen eingeführt. Ziel ist es, zu verhindern, dass junge Mädchen den Unterricht versäumen, nur weil ihre Menstruation sie überrascht hat und sie kein Geld für den Kauf von Produkten dabei hatten.

​Ein Teil der Wiener Strategie ist auch die Aufklärung. Menstruation wird in vielen Gemeinschaften immer noch als etwas „Unreines“ wahrgenommen. Wien bildet durch seine Beratungszentren nicht nur Mädchen, sondern auch Männer und Jungen aus, um offen und ohne Scham über den Zyklus zu sprechen.

​Ökonomische und soziale Auswirkungen

​Kritiker argumentieren manchmal, dass die kostenlose Verteilung von Produkten zu teuer ist. Die Daten sprechen jedoch eine andere Sprache. Die Investition in Menstruationsgesundheit zahlt sich für die Stadt aus:

  • Höhere Schulteilnahme: Mädchen, die Zugang zu Binden haben, erzielen bessere Ergebnisse und fehlen weniger.
  • Gesundheitsprävention: Weniger gynäkologische Infektionen bedeuten geringere Kosten für die nachfolgende Gesundheitsversorgung.
  • Würde: Die Möglichkeit, ein Produkt in einer regulären Drogerie (dank der Zusammenarbeit mit BIPA) auszuwählen, anstatt in einer Schlange für Wohltätigkeit zu warten, gibt den Frauen ein Gefühl von Würde zurück.

​Zukunft: Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit?

​Mit der Erweiterung des Sortiments an Binden ab April wird auch das Thema Ökologie angesprochen. Die Stadt Wien deutet an, dass in Zukunft auch nachhaltige Alternativen wie Menstruationstassen oder waschbare Binden in das Projekt aufgenommen werden könnten. Diese erfordern zwar eine höhere Anfangsinvestition, sparen jedoch langfristig sowohl das Budget der Stadt als auch die Umwelt.

Die Erweiterung des Projekts Rote Box ab April ist ein Beweis dafür, dass Wien auf die Bedürfnisse seiner Bewohnerinnen hört. Die Erhöhung der Anzahl der Ausgabestellen auf 400 und die Möglichkeit zur individuellen Produktauswahl positioniert Österreich an der Spitze der Länder, die gegen Menstruationsarmut kämpfen.

​Es ist eine wichtige Botschaft für die ganze Welt: Menstruationsgesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht. Wien zeigt, dass mit politischem Willen und den richtigen Partnern ein System geschaffen werden kann, das effektiv, gerecht und vor allem menschlich ist.

​„Unser Ziel ist es, dass keine Frau in Wien darüber nachdenken muss, ob sie sich in diesem Monat Hygieneartikel leisten kann. Rote Box ist ein Symbol unserer Solidarität,“ lautet die Botschaft vom Wiener Rathaus.

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Quelle: Stadt Wien, https://www.wien.gv.at/gesundheit/rote-box-kostenlose-periodenprodukte Foto: Foto von www.kaboompics.com: https://www.pexels.com/de-de/foto/textur-weiss-holzern-korper-4238993/