Wien: Polizei kündigt an Halloween Nulltoleranz an

Das Wiener Polizeipräsidium setzt vor der Nacht von Freitag auf Samstag verstärkte Streifen ein. Der Fokus liegt auf illegalem Feuerwerk und Vandalismus. Die österreichischen Behörden warnen, dass selbst das Werfen von Eiern oder das Beschmieren von Autos nicht mehr als „harmloser Scherz“ gilt, sondern als Straftat mit hohen Geldstrafen.
Die Straßen der österreichischen Hauptstadt erwarten eine angespannte Nacht. Was einst ein importiertes Fest für Kinder und Kostümpartys war, verwandelt sich in den letzten Jahren zunehmend in eine Sicherheitsherausforderung. Das Wiener Polizeipräsidium (LPD Wien) hat nur einen Tag vor Halloween, am 30. Oktober 2025, eine außergewöhnlich strenge Warnung herausgegeben.
Die Polizei kündigt „umfassende Maßnahmen“ und „entsprechende Verstärkung der Kräfte“ in der gesamten Stadt an, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.
Die Gründe für diese Demonstration der Stärke sind zwei: das zunehmende Problem mit illegalem Feuerwerk und eine Welle von Vandalismus, die längst die Maske des „harmlosen Scherzes“ verloren hat. Die Warnung der Polizei kommt nur wenige Tage, nachdem Wien von einer Serie gezielter Angriffe erschüttert wurde, bei denen die Täter Dutzende Autos beschädigten.
„Wir möchten klar darauf hinweisen, dass nicht jeder angeblich ‚harmloser‘ Scherz im Rahmen des Gesetzes bleibt,“ heißt es in einer Erklärung der LPD Wien. „Verunstaltungen oder Beschmierungen, beispielsweise an Häusern, Autos oder die Zerstörung von Briefkästen, stellen schwere Straftaten dar, bei denen die Polizei konsequent eingreifen wird.“
Ein gewöhnlicher Polizeiaufruf verwandelt sich somit in eine klare Botschaft: Halloween 2025 in Wien wird keine Ausreißer tolerieren.
Problem Feuerwerk
Obwohl viele Feuerwerk vor allem mit Silvester verbinden, beschäftigt die österreichische Polizei es zunehmend auch während Halloween. Dabei handelt es sich nicht um Wunderkerzen. Laut Informationen aus den Vorjahren tauchen während Halloween in Städten wie Wien oder Linz immer stärkere und oft illegale Knaller und Böller auf.
Gerade auf den „Kauf und die Verwendung von pyrotechnischen Gegenständen“ werden die Kontrollen in der Nacht von Freitag auf Samstag abzielen. Das österreichische Pyrotechnikgesetz (Pyrotechnikgesetz 2010) ist in dieser Hinsicht kompromisslos.
Das Gesetz unterteilt Feuerwerk in mehrere Kategorien. Während Kategorie F1 (zum Beispiel Wunderkerzen, kleine Feuerwerke oder Knallfrösche) ab 12 Jahren erhältlich ist, liegt die Altersgrenze bei Kategorie F2 (gewöhnliche Knaller, kleine Feuerwerke, sogenannte „Piraten“) bei 16 Jahren.
Entscheidend ist jedoch die Bestimmung, die die Verwendung von Kategorie F2 in „bebauten Gebieten“ (Ortsgebiet) vollständig verbietet. Dieses Verbot gilt ganzjährig, einschließlich Silvester, es sei denn, der Bürgermeister der Stadt erteilt eine spezifische Ausnahme. Eine solche Ausnahme gibt es an Halloween nicht.
Die Polizei befürchtet insbesondere illegal eingeführte „Blitzknaller“, die eine erheblich stärkere Mischung enthalten und in Österreich streng verboten sind. Bei Verstößen gegen das Pyrotechnikgesetz drohen drakonische Geldstrafen. Die Verwaltungsstrafe kann bis zu 3.600 Euro betragen oder zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Wochen führen.
Die Erfahrungen aus dem letzten Jahr in anderen Städten, beispielsweise in Salzburg, wo die Polizei während Halloween Kilogramm illegaler Sprengstoffe sichergestellt hat, zwingen Wien zu präventiven Maßnahmen.
Von „harmlosen Scherz“ zu schwerer Straftat
Der zweite Pfeiler der Polizeiarbeit ist der Kampf gegen Vandalismus. Die österreichischen Behörden versuchen, die öffentliche Wahrnehmung zu ändern und kommunizieren klar, dass die Beschädigung fremden Eigentums kein „Jungenstreich“ ist.
Diese Warnung gewinnt an Bedeutung im Kontext der jüngsten Ereignisse. Erst vor zwei Tagen, am Mittwoch, den 29. Oktober, bearbeitete die Polizei im Wiener Stadtteil Ottakring einen Fall, den sie „Kürbis-Attacke“ nannte. Eine Gruppe von Tätern beschädigte dort fast drei Dutzend geparkte Autos, indem sie Kürbisse und andere Gegenstände darauf warfen.
Die Polizei untersucht diese Tat als „vorsätzliche Beschädigung fremden Eigentums“ (Sachbeschädigung), was in Österreich eine Straftat ist, die je nach Höhe des Schadens mit Geldstrafe oder bis zu sechs Monaten Freiheitsstrafe geahndet werden kann.
Laut dem Bundeskriminalamt, das eine ähnliche Warnung landesweit herausgegeben hat, werden die rechtlichen Folgen oft unterschätzt.
„Das Werfen von Eiern auf Fassaden, das Besprühen von Autos mit Rasierschaum oder das Einwickeln von Autos in Toilettenpapier kann schnell zu einer Strafanzeige führen,“ warnt die Polizei. Auch scheinbar leicht zu entfernende Materialien können den Lack eines Autos oder die Fassade beschädigen, was dem Eigentümer einen realen finanziellen Schaden verursacht.
Kinder sind straffrei, aber Eltern zahlen
Ein großes Thema ist auch die rechtliche Verantwortung. Das österreichische Recht sieht vor, dass Kinder unter 14 Jahren nicht strafmündig sind (strafunmündig). Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Taten ohne Folgen bleiben.
Wenn ein Kind unter 14 Jahren einen Schaden verursacht, kann der Geschädigte zwar keine strafrechtliche Verfolgung verlangen, aber einen zivilrechtlichen Anspruch auf Schadensersatz geltend machen. Und dieser richtet sich direkt an die Eltern oder gesetzlichen Vertreter.
Österreichische Gerichte prüfen in solchen Fällen, ob die Eltern ihrer „Aufsichtspflicht“ (Aufsichtspflicht) nachgekommen sind. Wenn die Polizei nachweisen kann, dass die Eltern von den „Plänen“ ihrer Kinder wussten oder sie in den späten Nachtstunden unbeaufsichtigt gelassen haben, um Taten zu begehen, für die sie bereits geistig verantwortlich sein sollten, kann das Gericht sie zur vollen Schadensersatzpflicht verurteilen. Die Reinigung einer Fassade von Graffiti oder das Neulackieren eines Autos kann sich somit auf Tausende Euro belaufen.
Ab dem Alter von 14 Jahren ist der Jugendliche in Österreich voll strafmündig und ihm droht ein ordentliches Strafverfahren.
Eskalation aus den Vorjahren
Die Sorgen Wiens werden auch durch Erinnerungen an vergangene Jahre genährt. Vor zwei Jahren (2023) musste die Polizei massiv in Linz eingreifen, wo die Halloweenfeiern in offene Unruhen umschlugen. Jugendliche griffen dort die Polizei mit Feuerwerk und Steinen an.
Diese Szenen, die eher an „Straßenkriege“ als an ein Fest erinnern, wurden zu einem Mahnmal für alle österreichischen Sicherheitskräfte. Auch deshalb wird in diesem Jahr in Wien neben den üblichen Streifen auch mit dem Einsatz spezialisierter Einheiten gerechnet, wahrscheinlich einschließlich der bekannten Einsatzgruppe WEGA.
Die Polizei appelliert daher wiederholt insbesondere an die Eltern, mit ihren Kindern über die Grenzen des Spaßes und die rechtlichen Konsequenzen zu sprechen.
Die Halloween-Nacht in Wien wird somit zu einem Test, ob die Stadt das Gleichgewicht zwischen populärem Spaß und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bewältigen kann. Die Botschaft der Polizei ist jedoch klar: Die Ära des Ignorierens von „harmlosen Scherzen“ endet am Freitagabend endgültig.
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Quelle: LDP Wien Foto: https://images.pexels.com/photos/619424/pexels-photo-619424.jpeg












