Wien hat den Advent eingeläutet. Die Metropole erstrahlt im Licht eines 28 Meter hohen Baumes aus Tirol, der Zusammenhalt symbolisieren soll

Wien ist offiziell in die vorweihnachtliche Zeit eingetreten. Obwohl die Tore eines der bekanntesten Weihnachtsmärkte Europas, des Wiener Christkindlmarkts am Rathausplatz, bereits am Freitag für Besucher geöffnet wurden, fand der am meisten erwartete und symbolischste Moment am Samstagabend statt. In Anwesenheit von Hunderten von Besuchern und führenden Vertretern der Stadt und Region wurde der dominierende Weihnachtsbaum feierlich erleuchtet, der in diesem Jahr aus dem Herzen der Alpen in die österreichische Metropole gereist ist.

Dieser Akt ist in Wien nicht nur eine Formalität, sondern ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis, das Tradition, regionale Stolz und ein politisches Zeichen verbindet. Der diesjährige Baum ist ein Geschenk des Bundeslandes Tirol.

Der Hauptdarsteller des Abends war die majestätische Fichte, die in den Wäldern bei Hopfgarten im Brixental im Tiroler Unterland gewachsen ist. Es handelt sich nicht um einen jungen Baum; Schätzungen zufolge ist der Baum etwa 50 Jahre alt. Seine Maße sind beeindruckend: Er misst 28 Meter und der Durchmesser des Stammes beträgt 65 Zentimeter.

Der Weg dieses Naturkolosses in die Hauptstadt war nicht einfach. Der Transport fand bereits Ende Oktober statt und erforderte präzise Logistik. Nach seiner Ankunft am Rathausplatz übernahmen Spezialisten des Wiener Stadtgartenamts die Betreuung des Baumes. Diese sicherten den Baum nicht nur sicher, sondern passten auch sanft seine Krone an, damit er für seine feierliche Aufgabe bereit war.

Als er am Samstagabend erleuchtet wurde, zeigte er sich in voller Pracht. Seine Äste sind mit genau 1.000 Weihnachtskugeln in klassischem Rot und Gold geschmückt, ergänzt durch ein dichtes Netz von 2.000 energiesparenden LED-Lichtern. Die Fichte aus Hopfgarten wird bis zum 26. Dezember das untrennbare Zentrum des weihnachtlichen Geschehens am Platz sein.

Politiker über Zusammenhalt und das Überwinden von Grenzen

Die feierliche Beleuchtung des Weihnachtsbaums ist in Wien traditionell mit der Übergabe des Baumes von Vertretern des spendenden Bundeslandes in die Hände der Stadtführung verbunden. An der Zeremonie nahmen daher zwei Schlüsselpersonen teil: der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP).

Anton Mattle, der direkt von einer Landeshauptmann-Konferenz in der Steiermark nach Wien gereist war, betonte in seiner Rede, dass Tirol in der Hauptstadt stark vertreten ist, und zwar nicht nur politisch, sondern jetzt auch symbolisch in Form des Weihnachtsbaums. Er hob die Arbeit aller hervor, die an dem anspruchsvollen Weg des Baumes von Tirol nach Wien beteiligt waren.

„Dieser Tiroler Baum soll uns daran erinnern, dass wir Zusammenarbeit über Trennung stellen sollten“, erklärte Mattle. Seine Worte über die Bedeutung des Zusammenführens hallten über den Platz. Er vergaß nicht, Bürgermeister Ludwig für die traditionelle Wiener Gastfreundschaft zu danken.

Michael Ludwig verbarg seine Freude über „einen wirklich imposanten Weihnachtsbaum“, den Wien in diesem Jahr aus Tirol erhalten hat, nicht. Seiner Meinung nach ist es nicht nur eine Dekoration, sondern eine starke Botschaft. „Dieser geschenkte Baum ist ein Symbol für starken Zusammenhalt in Österreich, auch über die Grenzen der Bundesländer hinweg. Gerade in der Vorweihnachtszeit ist das ein wichtiges Zeichen“, sagte Ludwig.

Der Wiener Bürgermeister nutzte die Gelegenheit und lud alle Wiener sowie Gäste der Stadt ein, den Christkindlmarkt zu besuchen und „gemeinsam Momente des Friedens, der Gemeinschaft und der freudigen Erwartung zu erleben“.

Tradition seit Jahrzehnten

Das Schenken von Bäumen aus den einzelnen österreichischen Bundesländern an Wien ist eine Tradition mit tiefen Wurzeln. Sie begann bereits im Jahr 1959 und seitdem wechseln sich die Länder in dieser ehrenvollen Rolle ab. Für Tirol ist es der siebte Baum in der Geschichte, den es der Hauptstadt schenken konnte. Das letzte Mal geschah dies genau vor zehn Jahren, im Jahr 2015.

Der Weihnachtsmarkt am Rathausplatz feiert in diesem Jahr ein bedeutendes Jubiläum – er findet bereits seit 50 Jahren statt. Auch dank dessen gehört er zu den ältesten und traditionellsten Weihnachtsmärkten in ganz Österreich, wobei der feierlich beleuchtete Baum jedes Jahr sein strahlendes und unverwechselbares Zentrum bildet.

Nicht nur der Baum, sondern auch Herzen und Engel

Der Samstagabend gehörte nicht nur der Beleuchtung des Hauptbaums. Zusammen mit ihm erstrahlte der gesamte angrenzende Rathauspark, der Teil des Marktgeländes ist, in Weihnachtslichtern. Die Besucher können sich somit erneut auf romantische Lichtinstallationen freuen.

Zu den beliebtesten gehört zweifellos der „Herzerlbaum“, also der Herzbaum. Dieser Baum, der mit Dutzenden leuchtender roter Herzen geschmückt ist, ist seit Jahren ein bekanntes romantisches Treffpunkt und Fotomotiv, das weit über die Grenzen Wiens hinaus beliebt ist.

In diesem Jahr kam eine neue Attraktion namens „Herzerlflug“ (Herzflug) hinzu. Es handelt sich um ein etwa zwei Meter großes, hell leuchtendes Herz, das nach Einbruch der Dunkelheit alle 30 Minuten erscheint und dem Herzbaum einen noch magischeren Glanz verleiht.

Das feierliche Programm hatte auch einen weiteren wichtigen Star. Das Wiener „Christkind“ (Christkind) hatte seinen ersten offiziellen öffentlichen Auftritt in dieser Saison. Diese symbolische Figur, die in Österreich die Geschenke bringt, wird auch in diesem Jahr von der 24-jährigen Lena aus dem 15. Wiener Bezirk dargestellt. Sie wird in den kommenden Wochen die Wünsche der kleinsten Besucher entgegennehmen. Man kann sie jeden Dienstag (mit Ausnahme des 23. Dezember) sowie am Nikolaustag, dem 6. Dezember, treffen.

Die musikalische Untermalung der gesamten Samstag-Zeremonie wurde von der Blaskapelle aus dem Heimatdorf des Baumes, der Kapelle Hopfgarten, sowie der Wiener Gardemusik (Gardemusik Wien) gestaltet.

Der Weihnachtsmarkt am Rathausplatz bleibt bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag, dem 26. Dezember, geöffnet. Für Fans des Wintersports ist auch der beliebte „Eistraum“ (Eistraum) vorbereitet, dessen Tore sogar bis zum 6. Januar 2026 geöffnet bleiben.

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Quelle: Stadt Wien Foto: Diese Datei ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Österreich Lizenz.