Wien: Eine Flotte von Wasserstoffbussen fährt ins historische Zentrum

Ab Montag werden zehn neue, nahezu geräuschlose Busse durch die Straßen des Wiener Zentrums fahren. Es handelt sich jedoch nicht nur um einen weiteren Schritt in Richtung einer leiseren und saubereren öffentlichen Verkehrsmittel. Die Wiener Linien eröffnen mit dem Einsatz von wasserstoff-elektrischen Fahrzeugen auf den Linien 2A und 3A ein neues Kapitel im Bestreben nach Dekarbonisierung und bestätigen ihre Position als Technologieführer in Europa. Für die Fahrgäste bedeutet dies Komfort und für die Stadt einen bedeutenden Schritt zur Erreichung des ehrgeizigen Klimaziels.
Wien nimmt den Übergang zu emissionsfreien Verkehr ernst. Das Ziel, bis 2040 vollständige Klimaneutralität zu erreichen, erfordert mutige und innovative Lösungen, insbesondere in einem so komplexen System wie dem öffentlichen Verkehr. Das Projekt der zehn Wasserstoffbusse ist ein Musterbeispiel dafür, wie diese Vision in die Realität umgesetzt wird.
„Die Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs ist ein grundlegender Schritt auf dem Weg zu einer Wende in der Mobilität“, sagte der Minister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, Peter Hanke. Die neuen Fahrzeuge für das Zentrum Wiens sind seiner Meinung nach der Beweis, dass Projekte, die er einst selbst initiiert hat, Wirklichkeit werden.
Ähnlich sieht es die städtische Verkehrsrätin Ulli Sima, die betont, dass es sich nicht um einen einmaligen Schritt handelt. „Wir setzen massiv den Ausbau umweltfreundlicher Verkehrsmittel fort, wie die U-Bahn U2xU5 oder neue Straßenbahnlinien. Neue Antriebstechnologien spielen jedoch eine Schlüsselrolle. Diese High-Tech-Busse kombinieren Batteriebetrieb mit Wasserstofftechnologie und bringen uns einen Schritt näher zur Klimaneutralität“, erklärte Sima.
Herz der Innovation: Wie funktioniert der Wasserstoffbus?
Auf den ersten Blick unterscheidet sich der neue Bus „Hydron“ des italienischen Herstellers Rampini nicht wesentlich von seinen elektrischen Vorgängern. Die wahre Revolution findet jedoch im Inneren statt. Grundlage ist ein Elektromotor mit einer Leistung von 230 kW und einer Batterie mit einer Kapazität von 175 kWh. Ein entscheidendes Element ist jedoch die hinzugefügte Wasserstoff-Brennstoffzelle.
Diese Zelle funktioniert wie ein kleines Kraftwerk an Bord – während der Fahrt wandelt sie Wasserstoff in elektrische Energie um, die die Batterie kontinuierlich auflädt. Dank dieser Technologie, bekannt als „Range Extender“ (Reichweitenverlängerer), kann der Bus den ganzen Tag ohne eine einzige Ladepause fahren.
Für den Betrieb im dichten Verkehr des Stadtzentrums ist das ein enormer Vorteil. Es entfällt die Notwendigkeit, Ladeinfrastruktur direkt in den historischen Straßen zu bauen und zu warten. Darüber hinaus konnte das Verkehrsunternehmen aufgrund der höheren Effizienz die Anzahl der Fahrzeuge auf den bedienten Linien von ursprünglich zwölf auf zehn reduzieren, während die gleiche Servicequalität erhalten bleibt.
„Dank der innovativen batteriebetriebenen Wasserstoffbusse ist jetzt ein ganztägiger Linienbetrieb ohne Unterbrechungen zum Laden möglich“, erklärt Gudrun Senk, technische Direktorin der Wiener Linien. Sie fügt hinzu, dass in den vergangenen Wochen intensive Tests unter realen Bedingungen durchgeführt wurden, damit sich die Fahrer mit der neuen Technik bestens vertraut machen können.
Städtisches Ökosystem in der Praxis
Das Projekt der Wasserstoffbusse ist zugleich eine Schaufenster der Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns Wiener Stadtwerke, der die wichtigsten städtischen Unternehmen vereint. Jedes von ihnen spielt in dieser innovativen Kette eine unverzichtbare Rolle. Die Wien Energie produziert den sogenannten „grünen“ Wasserstoff, der durch Elektrolyse von Wasser unter Verwendung von Strom aus ausschließlich erneuerbaren Quellen entsteht.
Das Betanken und die Wartung der Busse erfolgen im Gelände der Wiener Netze im Stadtteil Simmering. Schließlich sorgen die Wiener Linien für den täglichen Betrieb und den Transport der Fahrgäste. „Unsere Unternehmen bündeln hier ihre Kräfte, um Wien erneut zu einem europaweiten Vorreiter in der Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs zu machen“, stellt Monika Unterholzner, stellvertretende Geschäftsführerin der Wiener Stadtwerke, fest.
Die Gesamtinvestition in den Kauf und die Wartung der zehn Fahrzeuge betrug etwa 12 Millionen Euro, wobei auch das Verkehrsministerium und die Europäische Union an der Finanzierung beteiligt waren.
Nicht nur das Zentrum, Wien denkt ganzheitlich
Der Einsatz von zehn wasserstoffbetriebenen Midibussen ist bei weitem nicht das letzte Wort Wiens im Bereich der emissionsfreien Mobilität. Bereits jetzt fahren im Netz der Wiener Linien mehr als 80 % der Fahrgäste vollständig elektrisch – in U-Bahnen und Straßenbahnen. Der Busverkehr transformiert sich jedoch ebenso dynamisch.
In diesem Jahr wurde ein neues Kompetenzzentrum für Elektromobilität eröffnet, in dem bis zu 60 Elektrobusse untergebracht werden. Fünfzig Standard-12-Meter-Elektrobusse bedienen bereits neun Linien, und weitere, wie die Linie 57A, werden bald folgen.
Das Verkehrsunternehmen testet zudem intensiv weitere Technologien. Darunter befindet sich ein Gelenk-Wasserstoffbus von Mercedes-Benz sowie ein Modell von Hyundai, das durch das Betanken mit Wasserstoff unter einem Druck von 700 Bar eine Reichweite erreicht, die sogar traditionelle Dieselbusse übertrifft.
Noch in diesem Jahr wird die Wiener Flotte zudem um weitere zehn rein wasserstoffbetriebene Busse des portugiesischen Herstellers CaetanoBus erweitert. Diese Fahrzeuge werden auf der Linie 39A eingesetzt und in einer neu errichteten, eigens dafür vorgesehenen Station im Garagenbereich Leopoldau betankt.
Wien zeigt somit deutlich, dass der Übergang zu nachhaltigem Verkehr nicht nur das Erfüllen politischer Erklärungen ist, sondern eine systematische, technologisch durchdachte und langfristige Strategie, deren Ergebnisse die Bürger täglich in den Straßen sehen und spüren können.
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Quelle: Wiener Linien Foto: (c) Wiener Linien / Simon Wöhrer












