Wien baut Barrieren im öffentlichen Nahverkehr ab. Für das Ticket braucht man keinen Automaten oder eine App mehr, es reicht, die Bankkarte hinzuhalten

Die österreichische Hauptstadt bestätigt erneut ihren Ruf als eine der innovativsten Städte im Bereich des öffentlichen Verkehrs. Die Wiener Linien starten in Zusammenarbeit mit Visa ein revolutionäres Pilotprojekt, das das Reisen für Einheimische, aber vor allem für Millionen von ausländischen Touristen, einschließlich Tausender Slowaken, die täglich nach Wien pendeln, erheblich erleichtert. Das neue System mit dem Namen Tap+Ride beseitigt die bisherige Notwendigkeit, Automaten zu suchen, mit Bargeld zu kämpfen oder lokale mobile Apps herunterzuladen. Ab sofort wird die Zahlungskarte selbst zum gültigen Ticket.

Dieser Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem städtische Agglomerationen in ganz Europa nach Möglichkeiten suchen, den öffentlichen Nahverkehr so attraktiv und zugänglich wie möglich zu gestalten. Wien, durch dessen U-Bahn-, Straßenbahn- und Busnetz täglich eine enorme Anzahl von Menschen reist, bietet eine Lösung, bei der der Kauf eines Fahrtickets im Grunde genommen zu einem unsichtbaren Prozess im Hintergrund der eigentlichen Reise wird.

Das Ende der Bürokratie an den Haltestellen. Wie funktioniert die kontaktlose Revolution?

Der Mechanismus des neuen Systems ist mit dem Fokus auf maximale Intuitivität konzipiert. Der gesamte Kaufprozess wurde auf wenige Sekunden reduziert. Reisende nähern sich einem klar gekennzeichneten Terminal Tap+Ride, das strategisch in der Nähe der traditionellen gelben Ticketautomaten platziert ist. Auf dem Touchscreen wählt man den gewünschten Tickettyp – zur Verfügung steht eine Standard-Einzelfahrt für Erwachsene („1 Fahrt WIEN“) sowie eine ermäßigte Variante für Kinder oder Senioren („1 Fahrt WIEN Ermäßigt“).

Ein großer Vorteil für Familien oder kleinere Gruppen ist die Möglichkeit, bis zu fünf Tickets in einer einzigen Transaktion zu kaufen. Nach Auswahl der Anzahl und Art der Tickets reicht es, eine gängige Debit- oder Kreditkarte, ein Mobiltelefon oder eine Smartwatch mit aktivierter Apple Pay- oder Google Wallet-Funktion an das Terminal zu halten. Ein akustisches Signal und eine visuelle Bestätigung auf dem Bildschirm zeigen den erfolgreichen Kauf an. Ab diesem Moment wird die Zahlungskarte selbst zu Ihrem gültigen Fahrticket für die gesamte Kernzone Wiens.

Viele Reisende fragen sich bei ähnlichen digitalen Neuerungen natürlich, wie die anschließende Kontrolle durch das Personal abläuft. Auch in dieser Hinsicht ist das System minimalistisch gestaltet. Der Passagier muss keine Papierquittungen drucken. Im Falle einer Kontrolle zeigt er einfach die Karte oder das intelligente Gerät vor, mit dem die Zahlung durchgeführt wurde. Die mobilen Kontrollgeräte der Prüfer können kontaktlos überprüfen, ob an diesem Tag mit dieser Karte eine Zahlung für ein Ticket erfolgt ist. Zur Transparenz und Übersicht über die Ausgaben hat der Verkehrsbetreiber auch ein spezielles Online-Kundenportal eingerichtet, auf dem Nutzer ihre Fahrten nachträglich überprüfen und Steuerunterlagen herunterladen können.

Die erste deutschsprachige Metropole mit diesem System

Die Einführung der Technologie Tap+Ride positioniert Wien als regionalen Vorreiter. Es ist die erste Hauptstadt in den deutschsprachigen Ländern (DACH-Region), die ein solches offenes Zahlungssystem im öffentlichen Nahverkehr implementiert. Obwohl ähnliche Lösungen bereits seit Jahren erfolgreich in London oder in einigen Städten in der Slowakei und Tschechien funktionieren, stellt dies in dem konservativeren österreichischen Umfeld, in dem Bargeld nach wie vor eine starke Stellung hat, einen bedeutenden mentalen und technologischen Fortschritt dar.

Das Projekt startet am Donnerstag, den 28. Mai, und konzentriert sich in der ersten Phase auf Orte mit der höchsten Konzentration von Fahrgästen. Insgesamt fünfzehn Geräte werden an neun wichtigen U-Bahn-Stationen und Umsteigepunkten verteilt. Dazu gehören der Hauptbahnhof (Südtiroler Platz – Hauptbahnhof), der Westbahnhof, der wichtige Knotenpunkt Bahnhof Meidling sowie zentrale touristische Punkte wie Stephansplatz, Schwedenplatz und die U-Bahn-Station Erdberg, die von der überwiegenden Mehrheit der Buslinien aus der Slowakei angefahren wird.

Der Verkehrsbetreiber gibt offen zu, dass das primäre Ziel dieser Phase neben gelegentlichen einheimischen Fahrgästen vor allem ausländische Besucher sind. Für einen Touristen, der für einen Tag in die Stadt kommt, war das Studium der Tarifzonen und der Kauf von Tickets an unbekannten Automaten bisher eine unnötige Barriere. Dank der Partnerschaft mit Visa, die weltweit an über 750 ähnlichen Projekten für kontaktfreies Reisen beteiligt war, wird diese Barriere endgültig abgebaut.

Ökologisches Ziel: Mehr Menschen aus Autos in den öffentlichen Nahverkehr bringen

Das Wiener Liniennetz gehört zu den am stärksten frequentierten in Europa. Laut offiziellen Statistiken befördern die Wiener Linien täglich etwa 2,47 Millionen Passagiere. Die Stadt investiert seit langem massive finanzielle Mittel in den Ausbau der Infrastruktur, den Bau neuer U-Bahn-Linien und die Modernisierung des Fuhrparks. Technologische Innovationen im Ticketverkauf sind eine logische Fortsetzung dieser Strategie.

Vertreter der Stadt und des Verkehrsunternehmens betonen, dass die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs nicht nur auf schnellen Verbindungen und sauberen Fahrzeugen beruht, sondern auch auf dem gesamten Komfort der Dienstleistungen. Wenn Wien seine ehrgeizigen Klimaziele erreichen und die Menschen dazu motivieren will, ihre Autos auf Park-and-Ride-Plätzen stehen zu lassen, muss der Ticketkauf ebenso einfach sein wie der Einstieg in das Fahrzeug. Die Vereinfachung des Zugangs zum Verkehr ist der Schlüssel zur Reduzierung von Emissionen und zur Entlastung überlasteter städtischer Verkehrswege.

Obwohl es sich derzeit um ein Pilotprojekt an ausgewählten neun Stationen handelt, wird erwartet, dass das System nach der Auswertung der Daten und der Reaktionen der Öffentlichkeit massiv auf das gesamte Netz ausgeweitet wird. Wien zeigt somit erneut, dass moderne Mobilität im 21. Jahrhundert nicht nur grün, sondern vor allem benutzerfreundlich und digital fortschrittlich sein muss. Für Tausende von Slowaken, die regelmäßig nach Wien reisen, um zu arbeiten, Kultur zu erleben oder einzukaufen, ist dies eine eindeutig gute Nachricht, die ihnen Zeit und unnötige Komplikationen bei der Fortbewegung in der Stadt spart.

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Verwendete Quellen:

Wiener Linien Kommunikation

Foto: Stadt Wien / Copyright Fabian Skala / Wiener Linien