Warnung vor Alkohol: Jedes Glas erhöht das Krebsrisiko – WHO fordert drastische Maßnahmen

Die Weihnachts- oder Neujahrszeit bringt Freude, Familientreffen und oft auch ein Glas oder zwei des beliebten alkoholischen Getränks mit sich. Doch unter der glänzenden Oberfläche des festlichen Anstoßes verbirgt sich eine stille und ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit, auf die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer dringlicher hinweist. Obwohl Alkohol tief in der Gesellschaft verwurzelt ist, sind die wissenschaftlichen Beweise unerbittlich: Es gibt kein sicheres Maß an Alkoholkonsum, und das Risiko, an Krebs zu erkranken, steigt mit jedem getrunkenen Glas. Diese Erkenntnis verändert die langjährigen Vorstellungen vom ‚mäßigen Trinken‘ und wirft einen Schatten auf die festliche Stimmung.

Die neuesten Daten, die von der WHO veröffentlicht wurden, sind insbesondere im Kontext der Europäischen Region alarmierend. Europa hat den weltweit höchsten Alkoholkonsum pro Kopf, und die Folgen sind entsprechend dramatisch. Laut einer WHO-Studie, die sich mit den Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit beschäftigt, wurden in Europa innerhalb eines einzigen Jahres über 100.000 Krebsfälle verzeichnet, die direkt dem Alkoholkonsum zugeschrieben werden. Diese enorme Zahl weist auf den massiven, aber oft übersehenen Einfluss von Alkohol auf die öffentliche Gesundheit hin und stellt eine erhebliche Belastung für die Gesundheitssysteme dar.

Die Experten der WHO betonen, dass Alkohol von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft wird, was ihn auf die gleiche Stufe wie Tabak oder Asbest stellt. Während die meisten Menschen Alkohol nur mit Lebererkrankungen oder dem Risiko von Unfällen in Verbindung bringen, ist die Tatsache, dass er direkt Krebs verursacht, weniger bekannt, aber umso schwerwiegender. Alkohol wird im Körper nach dem Konsum zu einer Substanz namens Acetaldehyd metabolisiert, die toxisch ist und die DNA schädigt, was ein direkter Auslöser für krebserregende Mutationen ist.

​Besonderes Risiko für Frauen: Bedrohung durch Brustkrebs

Ein besonders kritischer und oft übersehener Aspekt ist der Einfluss von Alkohol auf die Gesundheit von Frauen, insbesondere auf das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Diese Krebsform ist die häufigste bei Frauen, und die WHO-Studien bestätigen eindeutig, dass selbst sehr niedriger, sogenannter „gelegentlicher“ oder „mäßiger“ Alkoholkonsum – oft definiert als ein bis zwei kleine Gläser Wein pro Woche – dieses Risiko signifikant erhöhen kann.

​Warum ist das Risiko bei Frauen so markant?

 Alkohol hat die Fähigkeit, die Östrogenspiegel im Blut zu erhöhen. Eine hohe oder verlängerte Exposition gegenüber Östrogen ist einer der Haupt-Risikofaktoren für die Entstehung bestimmter Brustkrebsarten. Der Stoffwechselprozess von Alkohol wirkt sich somit nicht nur durch direkte toxische Schädigung der Zellen (über Acetaldehyd) aus, sondern auch durch einen indirekten, hormonellen Mechanismus.

Für eine Frau, die sich nur ein Getränk pro Tag gönnt, steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, um etwa 5 bis 9 % im Vergleich zu einer Frau, die abstinent ist. Im Kontext der bevölkerungsweiten Statistiken stellt diese Erkenntnis eine wichtige Herausforderung im Bereich der Prävention dar. Der Mythos vom „gesunden Glas Rotwein“ ist somit für Frauen, insbesondere mit einer familiären Vorgeschichte von Brustkrebs, besonders gefährlich.

​Forderung nach drastischen Maßnahmen: Etiketten

In Reaktion auf diese unbestreitbaren Daten verstärkt die WHO ihre Forderungen an nationale Regierungen und internationale Regulierungsbehörden. Ein zentraler Punkt ihrer Strategie ist die Einführung von verpflichtenden Gesundheitswarnungen auf den Verpackungen aller alkoholischen Getränke.

Diese Warnungen sollten visuell auffällig sein und klar kommunizieren, dass: Alkohol Krebs verursacht (mit Schwerpunkt auf Brustkrebs, Dickdarmkrebs, Leberkrebs, Mundhöhlen- und Kehlkopfkrebs). Es gibt kein sicheres Maß an Konsum. Alkohol darf während der Schwangerschaft nicht konsumiert werden. Die WHO orientiert sich am Erfolg ähnlicher grafischer und textlicher Warnungen auf Tabakprodukten, die nachweislich zur Verringerung des Rauchens beigetragen haben. Ziel ist es, die Wahrnehmung von Alkohol von einem gewöhnlichen Gesellschaftsgetränk zu einer Substanz zu verändern, die nachweislich toxisches und krebserregendes Potenzial hat.

Natürlich stößt dieser Schritt auf enormen Widerstand seitens der Alkoholindustrie, die Milliarden Euro in Marketing investiert, das Alkohol mit Luxus, gesellschaftlichem Wohlbefinden und Feiern verbindet. Der Druck auf die Regierungen ist enorm, jedoch bestehen Gesundheitsorganisationen darauf, dass das Recht der Verbraucher auf vollständige und unverfälschte Informationen über Gesundheitsrisiken Priorität hat.

​Alkohol und die allgemeinen gesundheitlichen Folgen

Es ist wichtig zu betonen, dass Krebs nur eines von vielen Gesundheitsrisiken ist, die mit dem Konsum von Alkohol verbunden sind. Alkohol ist weltweit der vierthäufigste Risikofaktor für vorzeitigen Tod und Behinderung. Neben der krebserregenden Wirkung trägt er zur Entwicklung von:

​Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, Schlaganfall, Kardiomyopathie.

​Lebererkrankungen: Steatosis, alkoholische Hepatitis, Zirrhose.

​Psychische Störungen: Depressionen, Angstzustände und Abhängigkeit.

​Soziale Probleme: Gewalt, häusliche Unfälle und Verkehrsunfälle.

Die europäische WHO-Regionalstelle fordert in ihren letzten Aufrufen die Umsetzung bewährter und kosteneffektiver Politiken, der sogenannten „Best-Buys“, zu denen gehören:

​Erhöhung der Alkoholsteuern: Nachweislich senkt sie den Konsum, insbesondere bei Jugendlichen. Einschränkung der Verfügbarkeit: Zum Beispiel durch Begrenzung der Verkaufszeiten oder der Dichte der Verkaufsstellen. Verbot von Marketingkommunikation und Werbung: Minimierung des Einflusses von Alkohol auf Kinder und junge Erwachsene.

​Neubewertung der Feiertage

Die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage sollten eine Zeit der Freude und des Friedens sein, nicht eine Zeit, in der wir unbewusst unser Gesundheitsrisiko erhöhen. Die Botschaft der WHO ist klar und kompromisslos: Wenn es um Krebs geht, gibt es kein sicheres Maß an Alkohol. Jedes Glas erhöht das Risiko. Obwohl sich gesellschaftliche Gewohnheiten langsam ändern, haben Einzelpersonen die Möglichkeit, informierte Entscheidungen zu treffen.

Für Frauen ist diese Warnung besonders dringend im Kontext von Brustkrebs. Die Aufforderung der WHO zur Einführung von Warnetiketten ist entscheidend für die Information der Öffentlichkeit und für die Veränderung kultureller Normen. Bis diese Gesetzgebung Realität wird, liegt die Verantwortung auf den Schultern jedes Verbrauchers. Die Entscheidung, Alkohol zu reduzieren oder ganz zu vermeiden, ist nicht nur eine Lebensstilwahl, sondern eine direkte Investition in die langfristige Gesundheit und die Prävention von Krebserkrankungen. Im Kontext der steigenden Krebsfälle in Europa ist diese Warnung mehr als nur eine Empfehlung – sie ist ein dringender Weckruf.

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​Quellen:

​Weltgesundheitsorganisation (WHO), Regionalbüro für Europa: Pressemitteilungen über Alkohol und Krebs – Alkohol und Krebs in der WHO-Region Europa: Zeit für Maßnahmen. In Studien über die Auswirkungen von Alkohol auf Brustkrebs: Epidemiologische Studien veröffentlicht in der Fachzeitschrift The Lancet Oncology ​Berichte über den europäischen Alkoholkonsum: Daten aus dem European Health Information Gateway und Eurostat. ORF Niederösterreich Foto: https://images.pexels.com/photos/1283219/pexels-photo-1283219.jpeg