Slowakei: Wir exportieren Pflege, wir importieren Verwundbarkeit. Das Paradox in der Pflege vertieft sich!

Tausende slowakische Frauen halten das österreichische Sozialsystem am Leben, während unser eigenes zusammenbricht. Der Staat verlässt sich anstelle der Lösung der Bedingungen auf den „Import“ billiger Arbeitskräfte aus dem Osten. Die Kammer der Pflegekräfte warnt, dass wir ohne strenge Regulierung und ethischen Ansatz nicht nur mit der Würde des Personals, sondern auch mit der Gesundheit der Senioren spielen.
Die Slowakei befindet sich in einem bizarren Karussell. Auf der einen Seite sind unsere Autobahnen jeden zweiten Sonntag voller Kleinbusse, die nach Wien oder München fahren, in denen slowakische Pflegekräfte ihre Familien verlassen, um sich um fremde Senioren gegen ein würdigeres Gehalt zu kümmern. Auf der anderen Seite kleben slowakische soziale Dienstleister (ZSS) verzweifelt Anzeigen, auf die sich kaum noch Einheimische melden. Die Lösung? Der Blick richtet sich auf die Ukraine, Georgien oder Moldawien.
Das Positionspapier der Kammer der Pflegekräfte der Slowakei (KOS) spiegelt jedoch die Realität wider, die nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern vor allem eine ethische Krise ist. Die Migration im Pflegebereich ist nämlich kein klassischer Arbeitsmarkt. Es ist ein Handel mit Empathie, Zeit und nicht selten auch mit grundlegenden Menschenrechten.
Slowakischer „Export“ des Herzens
Warum verlassen slowakische Frauen weiterhin das Land? Die Antwort ist banal und tragisch zugleich: Geld und Status. Das in Österreich funktionierende System der 24-Stunden-Pflege auf Selbstständigenbasis wird zwar oft wegen der rechtlichen Unsicherheit kritisiert, bietet jedoch immer noch ein reines Einkommen, von dem eine Pflegekraft in Prešov oder Rimavská Sobota nur träumen kann.
KOS weist jedoch auf die Kehrseite hin. „Unsere Frauen im Ausland arbeiten oft ohne Anspruch auf bezahlten Urlaub, Krankengeld oder angemessene Altersvorsorge. Sie sind isoliert, ohne familiäre Unterstützung und in absoluter Abhängigkeit von den Launen der Familie des Klienten oder der Ehrlichkeit der Vermittlungsagentur“, heißt es in dem Dokument. Dieser „Export der Pflege“ schafft in der Slowakei ein riesiges Loch. Wer kümmert sich um die Eltern dieser Frauen, während sie in Salzburg pflegen? Es entsteht der sogenannte care drain – der Abfluss von Pflege, der von Osten nach Westen fließt.
Ausländer als Pflaster für ein löchriges System
Da es an einheimischem Personal mangelt, greifen der Staat und private Anbieter zunehmend auf Arbeitskräfte aus Drittländern zurück. KOS benennt die Risiken dieses Trends klar. Wer dachte, dass die Ankunft von Pflegekräften aus der Ukraine oder dem Balkan ein Wundermittel sei, irrt sich.
„Migrierende Pflegekräfte in der Slowakei stoßen auf Barrieren, die für einen modernen europäischen Staat im 21. Jahrhundert eine Schande sind“, stellt die Kammer fest. Es handelt sich um extrem langwierige Prozesse zur Anerkennung von Fachqualifikationen, Sprachbarrieren, die der Staat nicht durch Kurse löst, sondern auf die Schultern der Anbieter abwälzt, und nicht zuletzt um Vorurteile.
Es besteht ein reales Risiko, dass Arbeitgeber die Verwundbarkeit von Ausländern ausnutzen und sie zu Überstunden oder zur Arbeit für Mindestlöhne zwingen, wodurch das niedrige Lohnniveau im gesamten Sektor weiter zementiert wird. Dies wird letztendlich auch die letzten Slowaken abschrecken, die an dieser Arbeit interessiert wären.
Falle der Vermittlungsagenturen in der Slowakei
Ein Schlüsselakteur in diesem intransparenten Umfeld sind die Agenturen. KOS fordert in ihrem Stellungnahme eine strenge Regulierung dieser. Heute ist es nämlich gängige Praxis, dass die Agentur von der Familie oder Einrichtung hohe Gebühren einstreicht, die Pflegekraft jedoch nur einen Bruchteil dieser Summe sieht.
Wir sind oft Zeugen von Situationen, in denen migrierende Arbeiterinnen über den Inhalt ihrer Arbeit getäuscht werden. Anstatt fachlich zu pflegen, enden sie als Putzkräfte, Köchinnen und Gärtnerinnen in einem, wobei ihre Arbeitszeit keine Grenzen kennt. „Das Recht auf Ruhe und Privatsphäre wird in der häuslichen Pflege zu einem Luxus, nicht zum Standard“, warnt das Dokument.
Zeitbombe Demografie
Die Slowakei altert am schnellsten in Europa. Die Zahl der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, wird in den kommenden Jahrzehnten exponentiell steigen. Wenn wir heute keine fairen Regeln für das migrierende Personal festlegen und gleichzeitig nichts für die Rückkehr unserer Frauen aus dem Ausland tun, steht uns ein Kollaps bevor.
Das Dokument der Kammer der Pflegekräfte ist nicht nur eine Beschwerde einer engen Berufsgruppe. Es ist ein Warnsignal für die gesamte Gesellschaft. Die Pflege der Verwundbarsten ist das Aushängeschild einer Zivilisation. Momentan spricht jedoch unsere Visitenkarte davon, dass wir auf der Armut östlicher Länder parasitieren, während wir selbst Opfer des wirtschaftlichen Drucks des Westens sind.
Wenn wir wollen, dass sich im Alter jemand um uns kümmert, müssen wir beginnen, Pflege als Beruf zu betrachten, der nicht nur Applaus von Balkonen während der Pandemie verdient, sondern vor allem rechtlichen Schutz, ein faires Gehalt und ein System, das niemanden zwingt, zwischen Arbeit und eigener Familie zu wählen.
🚀 Všetky rozhovory na jednom mieste!
Máte tip pre Viedenčana? Pošlite nám ho!
Naším cieľom je prinášať vám relevantné a užitočné informácie zo života v Rakúsku. Zameriavame sa predovšetkým na Slovákov vo Viedni a celkovo na Slovákov v Rakúsku, ktorí si zvolili túto krajinu za svoj domov. Ak máte námet na článok, dôležitú informáciu, príbeh z praxe, alebo sa chcete podeliť o svoje skúsenosti s prácou či životom v Rakúsku, neváhajte sa s nami spojiť! Vaše tipy sú pre nás cenné a pomáhajú nám tvoriť obsah, ktorý skutočne zaujíma a pomáha našim čitateľom.
Napíšte nám na redakcia@viedencan.at alebo použite WhatsApp na čísle +43 660 6098140. Tešíme sa na vaše správy!
Páčil sa Vám článok?
Tvorba a aktualizácia obsahu na Viedenčanovi si vyžaduje veľa hodín rešeršovania a písania. Podporte našu prácu pri tvorbe obsahu pre Slovákov v Rakúsku kúpou predplatného. Každá podpora nás motivuje pokračovať ďalej. Ďakujeme! ❤️ S pozdravom Boris, Eva a Janka – Viedencan.at
Tri flexibilné cesty k podpore
Pre našich verných čitateľov sme pripravili Viedenčan+ – prémiovú službu pre čítanie bez kompromisov.
Rok bez reklám (9,99 €):
Nerušené čítanie: Obsah bez komerčných plôch a sponzorovaných odkazov. Sústreďte sa len na to podstatné.
Mesačné predplatné (3,99 €):
Štandardná mesačná platba ponúka plný prístup ku všetkým výhodám. Tento balík neobsahuje žiadnu viazanosť a predplatiteľ ho môže kedykoľvek jednoducho zrušiť v nastaveniach svojho účtu.
Ročné predplatné (29,90 €):
Kupón OKTOBER: Zľava až 50 % na ročné predplatné!
✅ Čítanie bez reklám: Už žiadne bannery ani vyskakovacie okná. Sústreďte sa len na obsah.
🔒 Neobmedzený prístup: Odomknite všetky uzamknuté prémiové a archívne články.
📰 Exkluzívny obsah: Čítajte vybraný nový obsah skôr, ako bude prístupný pre verejnosť.
❤️ Priama podpora: Pomôžte nám budovať silnú a nezávislú redakciu.
Viac o predplatnom nájdete tu: https://viedencan.at/plus/, alebo tu: Viedenčan+: Nová možnosť, ako nás podporiť
Verwendete Quellen:
Positionspapier zur Arbeit von migrierenden Pflegekräften
Foto: https://www.pexels.com/de-de/foto/reisetasche-und-rucksack-fur-zwei-personen-1986996/












