Skandal in Bratislava, der die Geschichte veränderte: Verbotene Liebe von Franz Ferdinand und Sophie Chotek

Vor ein paar Tagen haben wir Ihnen das Schicksal des Fahrers Leopold Lojka vorgestellt, der falsch abbog und ironischerweise Zeuge des Attentats wurde, bei dem der Thronfolger der österreichisch-ungarischen Monarchie Franz Ferdinand und seine geliebte Frau Gräfin Sophie Chotek starben. Wenige wissen, dass ihrer Liebe und Hochzeit ein riesiger Skandal vorausging, der sich im heutigen Präsidentenpalast in Bratislava ereignete. Lassen Sie uns gemeinsam auf eine Reise der Liebe in die bewegte Geschichte der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie gehen.
Sophie Marie Josephine Albina Gräfin Chotek von Chotkow und Wognin wurde am 1. März 1868 in Stuttgart als viertes Kind von Graf Bohuslav Chotek und seiner Frau Wilhelmina Kinsky geboren. Ihr Vater war tschechisch-österreichischer Aristokrat und diente als Botschafter am königlichen Hof in Stuttgart, St. Petersburg und Brüssel. Die Familie Chotek gehört zur alten tschechischen Adelsfamilie, deren Wurzeln bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Die Kinder erhielten in der Familie eine hervorragende Ausbildung durch Hauslehrer. Sophie zeichnete sich von Kindheit an durch ihr Interesse an Hauswirtschaft und Kochen aus. Ihre Mutter starb, als Sophie gerade volljährig war, 18 Jahre alt, und sie übernahm den Haushalt und kümmerte sich um ihre jüngeren Geschwister. Sie lernte, gut mit Geld umzugehen, was ihr im Leben sehr zugutekam.
Geheime Liebe und der Bratislava-Skandal
Es gibt keine genauen Daten, wann Sophie den späteren Thronfolger, den fünf Jahre älteren Franz Ferdinand (1863 – 1914), kennenlernte; es werden sowohl das Jahr 1894 als auch 1897 genannt. Sie trafen sich auf einem Ball in Prag, und es war Liebe auf den ersten Blick. Sophie lebte im Haushalt ihres Vaters, und die Beziehung konnte bis 1899 geheim gehalten werden. Historisch ist dokumentiert, dass die Verliebten 1898 unter falschen Namen einige Tage gemeinsam in den Bädern von Bad Neuenahr in Deutschland verbrachten.
Im Jahr 1898, im Alter von 30 Jahren, verließ Sophie ihren Vater und beschloss, näher bei ihrer Lebensliebe zu leben. Franz Ferdinand war seit 1896 offiziell Thronfolger. Er fürchtete den Skandal und wollte nicht, dass Sophie am kaiserlichen Hof in Wien lebte. Frauen in ihrem Alter waren zu dieser Zeit bereits verheiratet oder traten wie ihre Schwester Maria Henrietta, die in den Prager Hradschin lebte und sich der Wohltätigkeit widmete, in Klöster ein. Oft war der einzige Ausweg der „Dienst“ als Hofdame am Hof der Kaiserin oder einer anderen Angehörigen der kaiserlichen Familie oder auch als Erzieherin der Kinder.
Der Thronfolger brachte seine Liebe nach Bratislava, in den heutigen Präsidentenpalast, damals in den Grassalkovich-Palast, den Erzherzog Friedrich Habsburg mit seiner Frau Isabella von Croy-Dülmen und ihren Kindern bewohnte. Er war der Kommandant der Truppen, und Isabella widmete sich der Wohltätigkeit: Sie gründete Schulen, Kurse für Handarbeiten und liebte Tennis. Als eine der ersten Frauen besaß sie eine Kamera und hinterließ als Dokumentaristin ihrer Zeit eine große Anzahl von Fotos aus dem Leben ihrer Familie sowie Fotos der kaiserlichen Familie und des alten Pressburg.
Gerade ihre Liebe zum Tennis führte zu einem riesigen Skandal. Der Thronfolger besuchte oft das Familiensitz von Isabella und Friedrich, und die Familie hoffte, dass das Herz des Thronfolgers einer ihrer Töchter gehörte. Der zukünftige Kaiser hatte nach einem Spiel auf dem Platz seine Taschenuhr vergessen, und Isabella fand sie. In der Hoffnung, dass er ein Porträt einer ihrer Töchter darin trug, öffnete sie die Uhr und sah ein Foto von Sophie. Isabella explodierte vor Wut, und Sophie sowie der anwesende Franz Ferdinand mussten sofort ihr Haus verlassen. Der Skandal erreichte den Wiener Hof, und der Kaiser wies seinen Neffen darauf hin, dass eine Hochzeit mit der Gräfin nicht in Frage komme. Der Thronfolger durfte nur eine Frau heiraten, deren Familie aktiv ein Kaiserreich oder Königreich regiert.
Triumph der Liebe und tragisches Ende
Der verliebte Thronfolger wollte sich seiner Lebensliebe nicht entziehen, und der Kaiser gab seine Zustimmung erst nach dem Druck von Franz Ferdinands Stiefmutter, der Herzogin Maria Theresia, die die Schwiegertochter des Kaisers war. Sie erinnerte ihn eindringlich an das Schicksal des unglücklichen kaiserlichen Sohnes Rudolf und wünschte sich nachdrücklich, dass die jungen Verliebten endlich zusammen leben könnten. Der Kaiser erteilte schließlich im selben Jahr 1899 seine Zustimmung unter bestimmten Bedingungen. Die Braut war 32, der Bräutigam 37, und dieser musste einen Vertrag über eine morganatische Ehe unterzeichnen, der Sophies Krönung zur Kaiserin und auch den Nachkommen den Zugang zum Kaiserthron verbot.
Die Verliebten heirateten am 1. Juli 1900 auf dem tschechischen Schloss Zákupy. Die Hochzeit fand nur im engsten Familienkreis statt, offiziell kam niemand vom kaiserlichen Hof. Nach der Hochzeit erhielt Sophie den Titel Herzogin, später Prinzessin von Hohenberg, und die Menschen mussten vor ihr niederknien und sie mit „Eure Hoheit“ ansprechen. Protokollarisch durfte Sophie bei Veranstaltungen am kaiserlichen Hof nicht in der Nähe ihres Mannes sitzen. Sogar mehrere königliche Höfe weigerten sich, sie zu besuchen. Trotz dieser Sanktionen war die Ehe sehr glücklich, und aus ihr gingen vier Kinder hervor, über deren Schicksale ich Ihnen bald berichten werde. Die Eheleute sprachen zu Hause mit ihren Kindern tschechisch-deutsch und verbrachten viel Zeit auf dem Schloss Konopiště.
Zum ersten und letzten Mal setzten sich die Eheleute gemeinsam ins Auto auf einem Besuch in Sarajevo, und hier endete tragisch ihre große Liebe durch die Hand eines Attentäters. Der Thronfolger wünschte sich, dass er zusammen mit seiner Frau auf dem Sommerresidenz der Familie im Schloss Artstetten, im Bezirk Krems in Niederösterreich, beigesetzt wird.
Hinweis der Autorin: Das Schloss Artstetten gehört der Familie Hohenberg und ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Es befindet sich bei Krems, und es ist möglich, auch einen Führer in tschechischer Sprache zu bestellen. Seit 2015 wird es von der Urenkelin Alix de la Poëze d’Harambure-Fraye verwaltet, die mit ihrem französischen Mann und ihren Kindern im Schloss lebt. Im Inneren des Schlosses gibt es eine Krypta, in der die ewigen Liebenden gemeinsam beigesetzt sind, und das Schloss wird von einem wunderschönen, gepflegten Park umgeben. Ein Besuch lohnt sich!
Ihre Jana
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Verwendete Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Chotek_von_Chotkow_und_Wognin
https://sk.wikipedia.org/wiki/Franti%C5%A1ek_Ferdinand_d%E2%80%99Este
Illustrationsfoto: By C.Stadler/Bwag (talk/email) – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=153932929
Autor: Jana Graff-Löwbeer
Mail: jana.graff@viedencan.at












