Sigmund Freud: Kokain, Sex und die Geheimnisse der berühmten Couch

In den Wiener Salons wurde er gleichermaßen verehrt und verflucht. Sigmund Freud war nicht nur der bärtige Akademiker aus den Lehrbüchern, der die „Gesprächstherapie“ erfand. Er war ein Mann, getrieben von seinen eigenen Dämonen, ein Experimentator mit weißem Pulver und ein Visionär, der die Welt mit der Behauptung schockierte, dass unsere verborgensten Wünsche sich auf die eigenen Eltern richten. Willkommen im Schlafzimmer der Psychoanalyse, wo die Grenze zwischen Genialität und Wahnsinn in endlosen Tabakschwaden verschwamm.
Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 im mährischen Příbor geboren. Obwohl er aus einer armen jüdischen Familie stammte, war sein intellektuelles Potenzial schon früh erkennbar. Seine Eltern sahen in ihm den Messias der Familie – er hatte sogar ein eigenes Zimmer und eine Öllampe zum Lernen, während seine Geschwister im Dunkeln zusammenrücken mussten. Diese Bevorzugung verlieh ihm ein Gefühl der Besonderheit, das ihn sein Leben lang begleitete und ihm das Selbstbewusstsein gab, die medizinischen Dogmen seiner Zeit in Frage zu stellen.
Freuds Karriere begann nicht im Therapiezimmer. Er studierte Medizin und seine ersten wissenschaftlichen Schritte führten ihn zur Sezierung von Aalen und Krebsen. Diese harte biologische Grundlage prägte später seinen radikalen Blick auf den Menschen als ein von tierischen Trieben beherrschtes Wesen, das wir nur mühsam mit teurer Kleidung und Anstandsregeln zu verbergen versuchen.
Die Struktur der Persönlichkeit: Ein innerer Kampf in jedem von uns
Freud verglich den menschlichen Geist mit einem Eisberg. Das, was wir bewusst steuern, ist nur die kleine Spitze, die aus dem Wasser ragt. Darunter verbirgt sich die gefährliche Masse des Unbewussten, in der unsere größten Traumata, verdrängten Erinnerungen und sexuellen Fantasien lagern, für die wir uns in der Gesellschaft schämen würden.
Um dieses innere Drama besser zu verstehen, entwickelte er ein dreiteiliges Modell:
- Id (Es): Unser inneres Tier, das weder Logik noch Zeit kennt. Es will sofortige Befriedigung aller Bedürfnisse – ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.
- Ego (Ich): Der arme Diplomat, der versucht, zwischen den Trieben und der Realität der Außenwelt zu vermitteln.
- Superego (Über-Ich): Der strenge Polizist und Moralist in unserem Kopf, der uns ständig unsere Fehler vorwirft und uns zur Perfektion drängt.
Kuriositäten, die lieber im Verborgenen geblieben wären
Freuds Privatleben war ebenso turbulent und bizarr wie die Träume seiner Patientinnen. Er war ein Mann voller Obsessionen, die heute vielleicht selbst eine Diagnose erfordern würden.
1. Extreme Leidenschaft für Zigarren: Bis zu 20 am Tag
Freud war absolut abhängig von Tabak. Er rauchte unglaubliche 20 Zigarren täglich. Als ihm die Ärzte wegen seines Kieferkrebses das Rauchen verboten, fiel er in schwere Depressionen und konnte keinen einzigen Satz mehr schreiben. Er unterzog sich über 30 drastischen Operationen, bei denen ihm Stück für Stück der Kiefer entfernt und durch eine monströse Metallprothese ersetzt wurde. Trotz der unerträglichen Schmerzen und der Schwierigkeiten beim Sprechen hörte er nie mit dem Rauchen auf. Für ihn waren die Zigarren ein Symbol seiner Männlichkeit und der „Motor“ seines Intellekts.
2. Kokain-Romanze: Das Wundermittel für die Verlobte
In den 1880er Jahren war Freud geradezu das „Werbegesicht“ für Kokain. Er glaubte, das Allheilmittel gegen Melancholie, Müdigkeit und sexuelle Dysfunktion gefunden zu haben. Er konsumierte es selbst in großen Mengen und schickte es begeistert auch seiner Verlobten Martha, damit sie „fröhlicher und rosiger“ werde. In seinen Schriften lobte er die euphorischen Zustände, die die Droge hervorrief. Er hörte erst auf, als er sah, wie Kokain seinen Freund zerstörte und ihn zu einem Wrack machte. Später versuchte er, seine Drogenvergangenheit aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit zu tilgen, doch seine Briefe aus dieser Zeit sind ein klarer Beweis.
3. Phobie vor der Zahl 62 und Angst vor Blumen
Der große Traumdeuter war privat überraschend abergläubisch. Er litt unter einer krankhaften Angst vor der Zahl 62. Er war überzeugt, dass er in diesem Alter sterben würde, und jedes Jahr, das sich dieser Zahl näherte, zitterte er vor Angst. Außerdem hatte er eine bizarre Abneigung gegen Farne. Wenn er in einem Hotelzimmer einen Farn im Blumentopf sah, konnte er sich sofort packen und abreisen. Andererseits war der einzige „Therapeut“, dem er voll vertraute, sein Hund Jofi (eine Chow-Chow-Rasse). Jofi saß bei jeder Sitzung neben ihm, und Freud behauptete, der Hund erkenne die Angst eines Patienten schneller als er selbst.
Fakten und Verbindungen: Mehr als nur Träume
Die Traumdeutung als „königlicher Weg“ ins Innere
Im Jahr 1900 veröffentlichte er sein berühmtestes Werk Die Traumdeutung. Darin behauptete er, dass es keinen zufälligen Traum gebe. Wenn man von einem Regenschirm, einem Schlüssel, Treppen oder Fliegen träume, bedeute das laut Freud unbewusste sexuelle Wünsche. Auch wenn die moderne Neurowissenschaft seine Symbolik als übertrieben ansieht, war Freud der Erste, der erkannte, dass Träume keine zufälligen elektrischen Entladungen sind, sondern verschlüsselte Botschaften unserer frustrierten Seele.
Bruch mit dem Kronprinzen Jung
Die Beziehung zwischen Freud und Carl Jung begann als intellektuelle „Bromance“. Als sie sich das erste Mal trafen, unterhielten sie sich 13 Stunden lang, bis sie vor Müdigkeit umfielen. Freud sah in Jung seinen Nachfolger. Doch Jung war spiritueller und weigerte sich zu glauben, dass hinter jedem menschlichen Problem sexuelle Begierden oder ungelöste Mutterkonflikte stehen. Ihr Bruch war skandalös, voller gegenseitiger Beleidigungen und Bitterkeit. Freud brach psychisch zusammen und verzieh Jung nie seinen „intellektuellen Verrat“.
Dramatische Flucht vor der Gestapo
Als 1938 die Nazis Wien besetzten, war Freud als Jude und Autor „verruchter Bücher“ in Lebensgefahr. Die Gestapo durchsuchte sein Haus und nahm seine Tochter Anna fest. Nur dank internationalem diplomatischen Druck und einem enormen Lösegeld, das seine reiche Bewunderin Marie Bonaparte zahlte, durfte er nach London ausreisen. Beim Verlassen musste er eine demütigende Erklärung unterschreiben, dass die Nazis ihn respektvoll behandelt hätten. Freud fügte mit seinem typischen schwarzen Humor hinzu: „Ich kann die Gestapo jedem wärmstens empfehlen.“
Legenden und Mythen: Was ist wahr und was Fiktion?
Mythos: Alles auf den Sex geschoben
Kritiker stellen ihn oft als lüsternen alten Mann dar, der überall phallische Symbole sah. Die Wahrheit ist jedoch komplexer. Freud verstand unter „Sex“ eine breitere Lebensenergie – das Libido. Er glaubte, dass, wenn wir diese Energie unterdrücken, sie sich in Neurosen, Aggressionen oder Krankheiten verwandelt. Im Grunde sagte er: Liebt euch, sonst werdet ihr krank.
Die Legende von der berühmten Couch
Die mit einem persischen Teppich bedeckte Couch, auf der die reichsten Damen Wiens lagen, war mehr als nur ein Möbelstück. Sie war ein psychologisches Werkzeug. Freud ließ die Patienten liegen und saß selbst hinter ihrem Kopf. Der Grund war einfach: Er konnte es nicht ertragen, wenn ihm jemand acht Stunden am Tag in die Augen starrte. Er wollte für den Patienten nur eine „leere Leinwand“ sein, auf die dieser seine Vorstellungen projizieren konnte.
Vermächtnis: Warum Freud die Welt immer noch bewegt
Auch wenn viele seiner Theorien heute als überzogen gelten, wäre unsere Welt ohne Freud eine andere. Sein Einfluss ist unauslöschlich:
- Moderne Therapie: Er war es, der die Idee durchsetzte, dass tief verwurzelte Traumata mit Worten geheilt werden können, nicht mit Elektroschocks oder Isolation.
- Kindheit als Grundlage: Er war der Erste, der laut sagte, dass die Art und Weise, wie uns unsere Eltern in jungen Jahren (nicht) geliebt haben, unsere Zukunft entscheidend bestimmt.
- Kultur und Film: Ohne Freud gäbe es kein Hitchcock’s Psycho, keine Filme von Woody Allen und keine Figuren mit komplexer innerer Welt in modernen Serien.
Sigmund Freud war ein Mann, der uns die Masken vom Gesicht riss. Vielleicht irrte er sich in vielen Details, aber in einem traf er ins Schwarze: Der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus, und unter der Oberfläche der Zivilisation schlummert in uns ein stürmischer Ozean von Instinkten.
🚀 Všetky rozhovory na jednom mieste!
Máte tip pre Viedenčana? Pošlite nám ho!
Naším cieľom je prinášať vám relevantné a užitočné informácie zo života v Rakúsku. Zameriavame sa predovšetkým na Slovákov vo Viedni a celkovo na Slovákov v Rakúsku, ktorí si zvolili túto krajinu za svoj domov. Ak máte námet na článok, dôležitú informáciu, príbeh z praxe, alebo sa chcete podeliť o svoje skúsenosti s prácou či životom v Rakúsku, neváhajte sa s nami spojiť! Vaše tipy sú pre nás cenné a pomáhajú nám tvoriť obsah, ktorý skutočne zaujíma a pomáha našim čitateľom.
Napíšte nám na redakcia@viedencan.at alebo použite WhatsApp na čísle +43 660 6098140. Tešíme sa na vaše správy!
Páčil sa Vám článok?
Tvorba a aktualizácia obsahu na Viedenčanovi si vyžaduje veľa hodín rešeršovania a písania. Podporte našu prácu pri tvorbe obsahu pre Slovákov v Rakúsku kúpou predplatného. Každá podpora nás motivuje pokračovať ďalej. Ďakujeme! ❤️ S pozdravom Boris, Eva a Janka – Viedencan.at
Tri flexibilné cesty k podpore
Pre našich verných čitateľov sme pripravili Viedenčan+ – prémiovú službu pre čítanie bez kompromisov.
Rok bez reklám (9,99 €):
Nerušené čítanie: Obsah bez komerčných plôch a sponzorovaných odkazov. Sústreďte sa len na to podstatné.
Mesačné predplatné (3,99 €):
Štandardná mesačná platba ponúka plný prístup ku všetkým výhodám. Tento balík neobsahuje žiadnu viazanosť a predplatiteľ ho môže kedykoľvek jednoducho zrušiť v nastaveniach svojho účtu.
Ročné predplatné (29,90 €):
Kupón OKTOBER: Zľava až 50 % na ročné predplatné!
✅ Čítanie bez reklám: Už žiadne bannery ani vyskakovacie okná. Sústreďte sa len na obsah.
🔒 Neobmedzený prístup: Odomknite všetky uzamknuté prémiové a archívne články.
📰 Exkluzívny obsah: Čítajte vybraný nový obsah skôr, ako bude prístupný pre verejnosť.
❤️ Priama podpora: Pomôžte nám budovať silnú a nezávislú redakciu.
Viac o predplatnom nájdete tu: https://viedencan.at/plus/, alebo tu: Viedenčan+: Nová možnosť, ako nás podporiť
Quellen:
Gay, P. (1988). Freud: A Life for Our Time
Illustrationsfoto: By Photocolorization – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70778921
Autorin: Eva Vengrická
Mail: eva.vengricka@viedencan.at












