Richard Lugner: Baulöwe, Balltiger und ewiger Don Juan

Richard Siegfried Lugner (11. Oktober 1932 – 12. August 2024), bekannter unter seinem von der Boulevardpresse geliebten Spitznamen „Mörtel“, war über Jahre hinweg eine zentrale Figur im österreichischen Gesellschaftsleben, verkörperte Extravaganz, Unternehmergeist und unstillbare Lebensfreude. Von bescheidenen Anfängen im Bauwesen entwickelte er sich zu einem einflussreichen Magnaten und Medienstar, dessen Privatleben ebenso spektakulär war wie seine öffentlichen Projekte.
Lugner, der Bauingenieur studiert hatte, begann als ehrgeiziger Bauunternehmer. Den Spitznamen „Mörtel“ erhielten ihm die Medien, die damit auf seinen Beruf und seine ständige Präsenz auf Baustellen anspielten. Er war ein talentierter Unternehmer, der hinter mehreren bedeutenden Bauprojekten in Wien stand. Sein größter Beitrag zur städtischen Struktur der Stadt war jedoch nicht ein Wohnhaus, sondern das umfangreiche Einkaufszentrum Lugner City.
Lugner City
Lugner City, eröffnet im September 1990 im 15. Wiener Gemeindebezirk, war für Richard Lugner nicht nur ein kommerzielles Projekt, sondern ein greifbares Symbol seines unternehmerischen Erfolgs und die Hauptkulisse für seine lebenslange Medien-Show. Es steht an der Stelle der ehemaligen „Rote Fabrik“, einer Galvanik-Anlage, die Lugner 1987 erwarb. Bereits die Bauphase brachte die ersten Kontroversen mit sich: Bei der Demontage stellte sich heraus, dass der Bauschutt kontaminiert war, was eine kostspielige Sonderentsorgung erforderte und die Gesamtkosten erhöhte. Dennoch etablierte sich das Zentrum schnell, und 2005 erweiterte Lugner es um das Lugner Kino mit 13 Sälen. Lugner City war der zentrale Punkt seiner Medienaktivitäten, diente als Schauplatz für Castings zum „Prinzessin Opernbal“ und als seine persönliche Bühne für Pressekonferenzen, wodurch es zu einem unverzichtbaren Teil seiner Marke wurde. Aus kommerzieller Sicht war seine unermüdliche und oft politisch motivierte Kampagne zur Liberalisierung der Öffnungszeiten über Jahre hinweg ein Thema, bei dem Lugner wiederholt in Konflikt mit den Wiener Behörden geriet, was ihm kontinuierliche Medienaufmerksamkeit sicherte.
König des Opernbals
Wenn der österreichische Bundeskanzler das politische Gesicht der Nation ist, wurde Richard Lugner zu ihrem gesellschaftlichen Gesicht – zumindest einmal im Jahr, während des Wiener Opernballs (Opernball).
Jedes Jahr steigerte sich die Spannung: Welchen Weltstar würde „Mörtel“ diesmal in seine Loge einladen? Lugner scheute sich nicht, Hunderttausende Euro auszugeben, um Namen wie Sophia Loren, Raquel Welch, Geri Halliwell, Paris Hilton, Pamela Anderson, Dita Von Teese oder Kim Kardashian nach Wien zu holen. Diese Gastgebermanöver waren ein absoluter Triumph des Boulevards und sicherten Lugner weltweite Publicity, die ihn zu einem unverzichtbaren Teil des Balls machte, oft sogar mehr Aufmerksamkeit auf sich zog als die Debütantinnen selbst.
Privatleben wie eine Reality-Show
Lugners Privatleben war für die Medien buchstäblich eine Goldgrube. Er war sechsmal verheiratet, und seine romantischen Beziehungen standen immer im Fokus der Öffentlichkeit, vor allem wegen der auffälligen Altersunterschiede zwischen ihm und seinen Partnerinnen, die er liebevoll, aber kontrovers, mit tierischen Namen bezeichnete. In den Mittelpunkt der Medienaufmerksamkeit rückte Lugners Privatleben erst mit seiner vierten Frau.
Diese war Christina Haidinger, die das ganze Land als „Mausi“ kannte. Ihre Ehe (1991 – 2007) dauerte am längsten, und „Mausi“ wurde auch nach der Scheidung zu einem festen Bestandteil seines Lebens. Nach der Scheidung von „Mausi“ begann Lugner einen Reigen kurzer, aber umso medialer Beziehungen. Weitere Partnerinnen waren Anastasia Sokol „Katzi“ und Nina Bruckner „Bambi“.
Seine fünfte Ehe war mit dem deutschen Playmate Cathy Schmitz, die den Spitznamen „Spatzi“ erhielt. Ihre prunkvolle Hochzeit in Schönbrunn (2014) und die anschließende schnelle Scheidung (2016), die Lugner als seinen größten „Flop“ bezeichnete, füllten die Titelseiten der Boulevardpresse.
Nach kurzer Zeit mit weiteren Partnerinnen wie „Zebra“ und „Wildsau“ heiratete er schließlich im Juni 2024 zum sechsten Mal. Seine letzte, 49 Jahre jüngere Frau wurde Simone Reiländer, bekannt als „Bienchen“, die leider nur zwei Monate nach der Hochzeit verstarb und somit zur letzten Heldin in der unendlichen Geschichte des Don Juan Mörtel wurde.
Seine Familie – einschließlich der Kinder und ehemaligen Partnerinnen – wurde Teil der erfolgreichen österreichischen Reality-Show „Die Lugners“, in der die Öffentlichkeit absurde, unterhaltsame und oft chaotische Momente aus dem Alltag des exzentrischen Clans verfolgen konnte. Lugner beherrschte dieses Genre perfekt, wusste, wie man die Aufmerksamkeit aufrechterhält und wie man für Schlagzeilen sorgt.
Politische Ambitionen
Richard Lugner versuchte sich auch zweimal in der Politik, als er in den Jahren 1998 und 2016 für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten kandidierte. Obwohl er scheiterte, waren seine Kandidaturen stets ein extravagantes Theater, das den Präsidentschaftswahlen eine unerwartete Prise Boulevardhumor verlieh.
Bis ins hohe Alter blieb er gesellschaftlich aktiv, was ihn zu einem Symbol unermüdlicher Energie machte. Trotz gesundheitlicher Probleme, einschließlich onkologischer Erkrankungen, gelang es ihm immer, mit einer neuen Partnerin und neuen Plänen ins Rampenlicht zurückzukehren.
Der letzte Vorhang: Lugners Abschied von der Bühne
Der Tod von Richard „Mörtel“ Lugner am 12. August 2024 im Alter von 91 Jahren stellte das letzte, jedoch nicht weniger dramatische Kapitel im Leben des österreichischen Medienphänomens dar. Lugner, der über viele Jahre für seine unermüdliche Energie und seinen Kampf gegen verschiedene gesundheitliche Probleme, einschließlich Prostata- und Hautkrebs, bekannt war, starb im Kreise seiner Familie in Wien. Obwohl er in den letzten Monaten seines Lebens sichtbar schwächer war, traf sein Tod Österreich wie ein Blitz aus heiterem Himmel, obwohl bereits länger über seinen sich verschlechternden Gesundheitszustand geflüstert wurde. Die Öffentlichkeit war an seine regelmäßigen, fast obsessiven, medialen Auftritte gewöhnt, und seine Abwesenheit im gesellschaftlichen Leben war sofort spürbar.
Er hinterließ nicht nur ein erfolgreiches Unternehmen und Kinder, sondern auch die Legende eines Mannes, der Österreich auf seine besondere Weise eroberte. Einige liebten ihn, andere hassten ihn. Doch niemand ließ er ohne Emotionen zurück. Nach seinem Tod wurde Lugner City, als Hauptvermögen, zum Mittelpunkt intensiver Erbschaftsstreitigkeiten zwischen seinen Kindern und seiner Witwe Simone Lugner, was den Lugner-Clan erneut in die Boulevard-Schlagzeilen brachte und bestätigte, dass die Geschichte rund um dieses Einkaufszentrum ebenso dramatisch ist wie das Leben seines Gründers.
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Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lugner_City_in_Wien_gedenkt_Richard_Lugner.jpg












