Österreich erkennt an, dass Hygieneartikel und Verhütung kein Luxus, sondern ein Recht sind. Ab 2026 wird die Steuer auf Menstruationsprodukte und Verhütung abgeschafft!

Österreich bereitet sich auf einen bedeutenden Schritt in Richtung Geschlechtergerechtigkeit und Entlastung der finanziellen Belastung von Frauen vor. Ab dem 1. Januar 2026 wird die Mehrwertsteuer (MwSt.) auf Menstruationsprodukte wie Tampons, Binden und Menstruationstassen vollständig abgeschafft. Diese Änderung wird jedoch nicht nur die Hygiene betreffen – die Steuerbefreiung wird auch für Verhütungsmittel einschließlich Kondomen, hormoneller Verhütung und Intrauterinpessaren gelten.​

​Die Menstruation ist keine Wahl, sondern eine biologische Realität. Dennoch wurden Frauen jahrzehntelang für diese Realität mit zusätzlichen Kosten „bestraft“. Die durchschnittliche Frau benötigt Menstruationsprodukte etwa 450 Mal im Leben. Die Gesamtkosten für Hygiene, Schmerzmittel und neue Unterwäsche können während der fruchtbaren Jahre einer Frau in die Tausende von Euro steigen.

​Die Abschaffung der sogenannten „Tamponsteuer“ wird als entscheidendes Instrument zur Beseitigung systemischer Diskriminierung angesehen. Kritiker des bisherigen Zustands haben lange darauf hingewiesen, dass während viele Luxusgüter niedrigeren Steuersätzen unterliegen, Produkte, die für ein würdevolles Leben von Frauen unerlässlich sind, wie gewöhnliche Konsumgüter besteuert wurden.

Erfahrungen aus der Vergangenheit: Wird sich die Steuerreduzierung auf die Preise auswirken?

​Eine häufige Sorge bei der Senkung der MwSt. ist die Frage, ob der Endverbraucher von der Ersparnis profitiert oder ob die Händler den Unterschied in Form höherer Margen behalten. Im Fall von Österreich sind die Aussichten jedoch optimistisch.

​Eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) hat bestätigt, dass Handelsketten bei früheren Steueranpassungen in diesem Sektor fair reagiert haben. Als in der Vergangenheit der MwSt.-Satz auf Menstruationsprodukte von 20 % auf 10 % gesenkt wurde, wurde die Senkung vollständig in die Endpreise im Handel übertragen. Es wird daher erwartet, dass ab Januar 2026 die Kundinnen und Kunden in Drogerien tatsächlich deutlich weniger bezahlen werden.

Revolution im Umgang mit Verhütung

​Eine bedeutende Erweiterung dieser Maßnahme ist die Einbeziehung von Verhütungsmitteln. Ab 2026 werden folgende Produkte von der MwSt. befreit sein:

• ​Kondome: Dies unterstützt nicht nur die Familienplanung, sondern auch die Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten.

• ​Hormonelle Verhütung: Einschließlich Pillen, die viele Frauen auch aus gesundheitlichen Gründen (z. B. bei Endometriose) einnehmen.

• ​Langzeitmethoden: Wie hormonelle Spiralen, die eine hohe einmalige Investition darstellen.

​Dieser Schritt positioniert Österreich an die Spitze der Länder, die reproduktive Gesundheit als ein grundlegendes Recht betrachten, das nicht von der finanziellen Situation des Einzelnen eingeschränkt werden sollte.

Menstruationsarmut als stilles Problem

​Obwohl Österreich zu den wohlhabenden Ländern zählt, ist „Menstruationsarmut“ auch hier ein reales Problem. Für einkommensschwache Haushalte, Studentinnen oder obdachlose Frauen kann der Kauf von qualitativ hochwertigen Hygieneprodukten eine erhebliche Belastung für das Budget darstellen. Die Unfähigkeit, sich diese Produkte zu beschaffen, führt zu sozialer Isolation, vermindertem Selbstbewusstsein und in extremen Fällen auch zu Gesundheitsrisiken durch die Verwendung ungeeigneter Alternativen.

​Die vollständige Abschaffung der MwSt. sendet ein klares Signal: Der Staat erkennt an, dass diese Produkte ein Grundbedürfnis sind, kein Luxus.

Österreich als Inspiration für Europa

​Mit dieser Entscheidung reiht sich Österreich in die wachsende Zahl von Ländern ein, die ihre Steuerpolitik gegenüber Frauen überdenken. Schottland ist noch weiter gegangen und hat als erstes Land der Welt eine gesetzliche Verpflichtung zur kostenlosen Bereitstellung von Menstruationsprodukten in öffentlichen Gebäuden eingeführt. Das österreichische Modell der Null-MwSt. wird jedoch als hochgradig effektiv und nachhaltig angesehen, um die Lebenshaltungskosten für die Hälfte der Bevölkerung flächendeckend zu senken.

​Die Abschaffung der Steuer ab 2026 ist nicht nur eine wirtschaftliche Maßnahme, sondern auch ein wichtiges Symbol. Es ist eine Anerkennung der biologischen Bedürfnisse ohne finanzielle Bestrafung und ein Schritt in Richtung einer Gesellschaft, in der Steuern gerechter auf alle Geschlechter verteilt sind.

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​Quellen: Wirtschaftsuniversität Wien (WU): Studie über die Übertragung der MwSt.-Senkung auf den Endverbraucher bei Menstruationsprodukten, Bundesministerium für Finanzen Österreich (BMF): Gesetzesentwurf zur Abschaffung der MwSt. auf Produkte der weiblichen Hygiene und Verhütung ab 1. 1. 2026., ​Pressemitteilungen der österreichischen Regierung

Foto: https://images.pexels.com/photos/3776447/pexels-photo-3776447.jpeg