Prinzessin aus Dublin auf dem Wiener Hügel. Verborgene Botschaft der Wiener Vororte und lebendiges Zeugnis der Menschlichkeit

Die Geschichte großer europäischer Städte ist sehr oft direkt in den Namen von Straßen, Krankenhäusern oder ganzen Stadtvierteln niedergeschrieben, während die tatsächlichen Lebensgeschichten der Menschen, die sie geprägt haben, über Jahrzehnte hinweg im tiefen Schatten einer vergessenen Vergangenheit verborgen bleiben. In Wien gilt dies besonders für die westlichen Bezirke Ottakring und Hernals, wo täglich in der Alltagssprache der Einheimischen bekannte Bezeichnungen wie Wilhelminenberg, Wilhelminenspital oder die belebte Wilhelminenstraße erwähnt werden. Diese ikonischen Orte tragen das bleibende Erbe einer außergewöhnlichen und inspirierenden Frau des 19. Jahrhunderts, deren faszinierende Lebensgeschichte kürzlich durch eine neue Episode des beliebten österreichischen Podcasts Grätzlgeschichten wieder zum Leben erweckt wurde.

Wilhelmine von Montléart, einst eine der reichsten und einflussreichsten Aristokratinnen der Stadt, hat sich nicht nur durch ihr enormes Familienvermögen, sondern vor allem durch ihre grenzenlose Selbstlosigkeit, ihr soziales Empfinden und ihr lebenslanges Bestreben, den Schwächsten zu helfen, unvergesslich in die Wiener Geschichte eingeschrieben.

Der Weg der Adligen zum majestätischen Gallitzinberg

Wilhelmine wurde 1820 in Dublin, Irland, als Tochter eines sächsischen Offiziers geboren und obwohl sie bereits im Alter von zehn Jahren völlig verwaist war, machte ihr edler Geburtsstand und die spätere Heirat sie schnell zu einem respektierten Mitglied der höchsten europäischen Gesellschaft. 1855 heiratete sie den Fürsten Moritz von Montléart, mit dem sie von Anfang an eine große Leidenschaft für die Entwicklung des malerischen Wiener Vororts teilte. Das Ehepaar erwarb gemeinsam umfangreiche Grundstücke auf dem bewaldeten Hügel Gallitzinberg, wo sie in kurzer Zeit ein prächtiges Jagdschloss umgeben von einem weitläufigen Garten errichten ließen. Dieses majestätische Areal erhielt schnell unter den Einheimischen den volkstümlichen Namen Wilhelminenberg, wodurch der Fürst seine tiefe Achtung für seine geliebte Frau demonstrieren wollte und gleichzeitig unwissentlich ihren zukünftigen enormen Einfluss auf die gesamte umliegende Region vorwegnahm.

Abkehr vom aristokratischen Luxus

Ein großer Wendepunkt im Leben dieser Adligen trat 1887 ein, als ihr geliebter Ehemann plötzlich starb und sie ohne Kinder mit einem enormen finanziellen und materiellen Erbe zurückblieb. Anstatt sich in persönlichem Kummer zu verlieren oder das prunkvolle Leben am Hof voller Luxus fortzusetzen, entschied sich Wilhelmine für einen radikalen Schritt, der zu jener Zeit die gesamte konservative österreichische Aristokratie schockierte. Sie lehnte jeglichen überflüssigen Luxus ab und widmete fast ihr gesamtes enormes geerbtes Vermögen von diesem Zeitpunkt an vollständig der karitativen Tätigkeit und der systematischen Hilfe für die ärmsten Bevölkerungsschichten. Für ihre unermüdliche Unterstützung des damaligen Arbeiter-Vororts erwarb sie sich schnell den großen Respekt, die aufrichtige Liebe und den ehrwürdigen Titel Engel von Wilhelminenberg, der ihre neue Lebensmission perfekt widerspiegelte.

Die Gründung des Wilhelminenspitals

Ihr bedeutendstes und bis heute erfolgreich funktionierendes Denkmal wurde das große städtische Krankenhaus, dessen Entstehung die Fürstin unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes auf der Grundlage seines letzten Willens initiierte. 1888 spendete sie der damaligen Gemeinde Ottakring anlässlich des vierzigsten Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. die astronomische Summe von 150.000 Gulden für den sofortigen Bau einer modernen Gesundheitseinrichtung. Das Krankenhaus wurde 1891 offiziell eröffnet und erhielt zu Ehren seiner großzügigen Gründerin den offiziellen Namen Wilhelminenspital, unter dem es jahrzehntelang tätig war. Diese Institution bot in Zeiten großer wirtschaftlicher Krisen kostenlose und hochqualifizierte medizinische Versorgung für die ärmsten Arbeiter und deren Familien, die zu dieser Zeit massenhaft unter katastrophalen hygienischen Bedingungen in den Vororten litten.

Persönliche Wohltätigkeit direkt vor Ort. Gründung von Krippen, Schulen und der Hauptverkehrsader

Die Adelige beschränkte sich jedoch niemals nur auf das Versenden großer anonymen Geldspenden aus dem Komfort ihres Anwesens, und ihre Philanthropie hatte stets einen tief persönlichen Charakter. Sehr oft besuchte sie persönlich die ärmsten und gefährlichsten Viertel von Ottakring und Hernals, um mit eigenen Augen die realen Bedürfnisse und das tägliche Leiden der einfachen Menschen zu sehen. Regelmäßig finanzierte sie die Gründung von Kindergärten, Notunterkünften für alleinerziehende Mütter mit Kindern, Grundschulen und stellte großzügige langfristige Stipendien für talentierte Schüler aus sozial schwächeren Verhältnissen zur Verfügung. Dank dieser unermüdlichen Arbeit und greifbaren Hilfe direkt vor Ort wurde die wichtige Verkehrsader, die durch beide genannten Viertel führte, noch zu ihren Lebzeiten als Wilhelminenstraße benannt, was zu jener Zeit tatsächlich einen beispiellosen Ausdruck öffentlicher Dankbarkeit darstellte.

Der Abschied von der geliebten Wohltäterin

Als Wilhelmine im März 1895 nach einem erfüllten Leben starb, bedeutete ihr unerwarteter Tod einen unermesslich tiefen Verlust für Tausende von Wiener Armen, die in ihr über viele Jahre hinweg ihre größte Lebensstütze sahen. Beigesetzt wurde sie genau nach ihrem Wunsch an der Seite ihres Mannes in einem neugotischen Mausoleum, das sie im Voraus am Hang der Savoyenstraße direkt über der Stadt errichten ließ, der sie ihr ganzes Leben lang grenzenlos gewidmet war. Ihr ursprüngliches Jagdschloss wurde später aufgrund des insgesamt maroden Zustands vollständig abgerissen und durch einen neuen Palast ersetzt, doch der Name Wilhelminenberg blieb für immer fest mit diesem malerischen und beliebten Wiener Hügel verbunden. Die Stadtbewohner erinnerten sich an ihre Beerdigung als an ein Ereignis, bei dem Tausende von Arbeitern kamen, um sich letztmalig vor der Frau zu verneigen, die ihnen die menschliche Würde zurückgegeben hatte.

Das Erwachen des historischen Gedächtnisses durch Geschichten

Die Lebensgeschichte dieser außergewöhnlichen Adligen ist ein faszinierendes und zeitloses Zeugnis dafür, wie ein Individuum mit ausreichenden finanziellen Mitteln und aufrichtiger Empathie das soziale Klima und die Entwicklung einer ganzen großen Region grundlegend verändern kann. Obwohl die moderne hektische Zeit manchmal zu Unrecht die konkreten Details aus ihrem persönlichen Leben vergisst, bleibt ihr greifbares Erbe in Form des Krankenhauskomplexes, der Straßen oder der grünen Parks ein fester und untrennbarer Bestandteil der Identität des heutigen Wien. Dank verdienstvoller historischer Initiativen wie dem lokalen Podcast Grätzlgeschichten kehrt das Gedächtnis an die Persönlichkeit Wilhelmine von Montléart zurück in den breiten öffentlichen Raum, wo es zu Recht als dauerhaftes und äußerst inspirierendes Beispiel menschlicher Solidarität, Großzügigkeit und tiefen uneigennützigen Menschlichkeit für zukünftige Generationen gehört.

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Verwendete Quellen:

Wien Geschichte Wiki: Wilhelmine von Montléart

Foto: Von C.Stadler/Bwag – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=148418996