Ich habe einen Nachkommen der Monarchie betreut: Die Slowakin Mária spricht exklusiv über die Welt hinter den Toren des Adelsanwesens

In unserer Redaktion sind wir an allerlei Geschichten gewöhnt, aber als Mária mir eine E-Mail schrieb, wusste ich nach nur wenigen Worten, dass ich es mit etwas Außergewöhnlichem zu tun hatte. Die meisten Menschen stellen sich unter der Arbeit einer Pflegekraft in Österreich die klassische, wenn auch anspruchsvolle Betreuung eines Seniors in einer gemütlichen Stadtwohnung oder einem Vorstadthaus vor. Mária jedoch führte das Schicksal an Orte, die die meisten von uns nur aus historischen Romanen oder luxuriösen Periodendramen kennen. Sie fand sich gefangen in einer Zeitblase – hinter den Toren eines echten adeligen Landsitzes, wo die Zeit vor hundert Jahren stehen geblieben ist.
Die Nachkommen der einstigen Monarchie halten hier mit Zähnen und Klauen an ihren prunkvollen Manieren fest, obwohl die Realität des 21. Jahrhunderts sie längst eingeholt hat. Mária hat uns exklusiv einen Einblick in das Leben mit der modernen Aristokratie gewährt, in dem absurde Situationen, millionenschwere Vermögen, aber auch unerwartete Geizigkeit und strenge Etikette an der Tagesordnung waren.
Fünf Gabeln zum Frühstück und eine silberne Glocke
Den ersten Kulturschock erlebte Mária gleich am ersten Morgen, als sie das Frühstück für ihre Klientin so anrichtete, wie sie es von zu Hause gewohnt war. Die Baronin wies sie sofort kühl, aber sehr bestimmt darauf hin, dass bei ihnen zu Hause die Etikette auch beim einfachen Morgenkaffee nicht verletzt wird. Wenn das Messer mit der Klinge vom Teller oder gar ein spezielles Buttermesser auf dem Tisch fehlte, weigerte sich die Aristokratin, das Essen auch nur zu berühren. Alles wurde ausschließlich auf antikem Porzellan mit dem Familienwappen serviert, was Mária insbesondere beim Aufräumen in der Küche Sorgenfalten bereitete. „Die Geschirrspülmaschine war strengstens verboten, alles musste von Hand gewaschen und mit speziellen Tüchern poliert werden. Bis heute zittere ich, wenn ich daran denke, wie mir einmal fast ein kostbares Glas aus dem 19. Jahrhundert entglitten wäre, das wäre mein definitives Ende gewesen“, erinnert sich Mária mit einem Lächeln an ihre schwierigen Anfänge. Am meisten überraschte sie jedoch anfangs die kleine silberne Glocke, die auf dem Tisch lag. Die Baronin rief sie nämlich nie beim Namen, sondern läutete einfach, wenn sie die Suppe aufgegessen hatte, damit Mária den Teller abräumte. „Anfangs erschien mir das etwas erniedrigend, aber mit der Zeit begann ich, es mit Gelassenheit und Humor als reinen historischen Folklore zu betrachten, die einfach zu dieser Atmosphäre gehörte“, gesteht sie.
Keine Jogginghosen, sondern Perlen und Fliege um den Hals
Bei der alten Aristokratie gilt eine grundlegende und unveränderliche Regel, nach der der Status der Familie um jeden Preis aufrechterhalten werden muss, auch wenn die Gelenke schmerzen und das Gedächtnis nicht mehr mitspielt. Im Familienanwesen gab es keine lässigen Tage in Hauskleidung, und die Baronin verlangte gleich nach dem Aufstehen eine vollständige Vorbereitung. Auch wenn sie nirgendwohin ging und den ganzen Tag in einem massiven Sessel saß, musste sie eine perfekt frisierte Haarpracht mit Lockenwicklern, stark fixiertem Haarspray, echte Perlen um den Hals und elegante Kleider tragen. Der strenge Dresscode galt jedoch überraschenderweise auch für die slowakische Pflegekraft, für die Jeans absolut tabu waren und nur dunkle, hochkonservative Kleidung erlaubt war. Mária erzählte uns auch von einer amüsanten Anekdote mit dem benachbarten alten Grafen, der an fortgeschrittener Demenz litt und manchmal zu ihnen auf einen Nachmittagsbesuch kam. „Jeden Morgen bestand er darauf, dass ich ihm eine Fliege binde. Da ich das nicht konnte, lernte ich es heimlich in der Küche anhand eines YouTube-Videos auf meinem Handy. Der Graf saß dann eine Stunde im Salon im Anzug mit Fliege, starrte auf eine leere Wand und tat mit vollster Ernsthaftigkeit so, als würde er wichtige Staatsaudienzen empfangen“, erzählt Mária.
Arktischer Winter und Kilometer in den Beinen
In einem echten Schloss zu wohnen, klingt für einen Einheimischen äußerst romantisch, solange man dort nicht tatsächlich arbeiten und sich um den Haushalt kümmern muss. Die riesigen steinernen Räume mit fünf Meter hohen Decken zu heizen, ist finanziell untragbar, selbst für die einst wohlhabende Aristokratie, die nicht mehr die Einkünfte von früher hat. Mária erinnert sich, dass es im Sommer angenehm war, während sie im Winter in den Fluren des Palastes wirklich harte Zeiten erlebte und sich ordentlich warm anziehen musste. „Ich lief normalerweise in drei dicken Pullovern durch die Flure, während meine Baronin am Kamin eingekuschelt in drei Decken aus teurem Kaschmir saß und mit großer Noblesse mir versicherte, dass die Luft im Raum frisch, kühl und erhaben bleiben müsse“, beschreibt sie die Wintermonate. Neben der ständigen Kälte musste sie im weitläufigen Schloss auch an die absoluten Grenzen ihrer physischen Kräfte gehen. Die Küche befand sich nämlich im Erdgeschoss im alten Wirtschaftsgebäude, während das Schlafzimmer der Klientin im Obergeschoss am völlig anderen Ende des Wohntrakts lag. „Ich brauchte kein Fitnessstudio, es genügte, dreimal am Tag Tee, Medikamente und das Mittagessen zu bringen, und mein Schrittzähler zeigte problemlos zehntausend Schritte nur im Rahmen des Innenraums des Hauses“, fügt die slowakische Pflegekraft hinzu.
Nette Absurditäten: Millionenschwere Vermögen und Cent-Zählerei
Das Leben mit Aristokraten lehrte Mária auch, dass Reichtum ein sehr relativer Begriff ist und die Realität oft verzerrt ist. Diese Familien besitzen zwar in Österreich riesige historische Immobilien, Wälder und alte Schlösser, aber deren Instandhaltung kostet jährlich Millionen Euro, und oft haben sie kein zusätzliches Bargeld auf der Bank. Daher erlebte sie einen leichten Schock, als die Besitzerin des prunkvollen Palastes sie streng kontrollierte, ob sie im Geschäft zufällig zu teure Butter gekauft hatte, die nicht im Angebot war. Ebenso wichtig waren für die ganze Familie die Titel, die zwar in Österreich offiziell durch Gesetze abgeschafft wurden, aber privat von der Familie strikt beachtet wurden. Wenn Mária die Klientin in Eile nur „Frau“ nannte, erhielt sie sofort eine sanfte, aber kühle Korrektur, dass die korrekte Anrede einzig „Frau Baronin“ sei. Wenn dann Altersgenossen aus anderen Adelsfamilien zu ihnen auf einen Tee kamen, fühlte sie sich nach eigenen Worten wie in einem Film für Nostalgiker. „Sie diskutierten darüber, wer 1950 wen geheiratet hat, wer nach dem Krieg Vermögen verloren hat und wer momentan die besseren Rennpferde hat, es waren Debatten aus einer völlig anderen, für mich unverständlichen Welt“, schließt Mária ihre Erzählung über dieses Lebenskapitel ab.
🚀 Všetky rozhovory na jednom mieste!
Máte tip pre Viedenčana? Pošlite nám ho!
Naším cieľom je prinášať vám relevantné a užitočné informácie zo života v Rakúsku. Zameriavame sa predovšetkým na Slovákov vo Viedni a celkovo na Slovákov v Rakúsku, ktorí si zvolili túto krajinu za svoj domov. Ak máte námet na článok, dôležitú informáciu, príbeh z praxe, alebo sa chcete podeliť o svoje skúsenosti s prácou či životom v Rakúsku, neváhajte sa s nami spojiť! Vaše tipy sú pre nás cenné a pomáhajú nám tvoriť obsah, ktorý skutočne zaujíma a pomáha našim čitateľom.
Napíšte nám na redakcia@viedencan.at alebo použite WhatsApp na čísle +43 660 6098140. Tešíme sa na vaše správy!
Páčil sa Vám článok?
Tvorba a aktualizácia obsahu na Viedenčanovi si vyžaduje veľa hodín rešeršovania a písania. Podporte našu prácu pri tvorbe obsahu pre Slovákov v Rakúsku kúpou predplatného. Každá podpora nás motivuje pokračovať ďalej. Ďakujeme! ❤️ S pozdravom Boris, Eva a Janka – Viedencan.at
Tri flexibilné cesty k podpore
Pre našich verných čitateľov sme pripravili Viedenčan+ – prémiovú službu pre čítanie bez kompromisov.
Rok bez reklám (9,99 €):
Nerušené čítanie: Obsah bez komerčných plôch a sponzorovaných odkazov. Sústreďte sa len na to podstatné.
Mesačné predplatné (3,99 €):
Štandardná mesačná platba ponúka plný prístup ku všetkým výhodám. Tento balík neobsahuje žiadnu viazanosť a predplatiteľ ho môže kedykoľvek jednoducho zrušiť v nastaveniach svojho účtu.
Ročné predplatné (29,90 €):
Kupón OKTOBER: Zľava až 50 % na ročné predplatné!
✅ Čítanie bez reklám: Už žiadne bannery ani vyskakovacie okná. Sústreďte sa len na obsah.
🔒 Neobmedzený prístup: Odomknite všetky uzamknuté prémiové a archívne články.
📰 Exkluzívny obsah: Čítajte vybraný nový obsah skôr, ako bude prístupný pre verejnosť.
❤️ Priama podpora: Pomôžte nám budovať silnú a nezávislú redakciu.
Viac o predplatnom nájdete tu: https://viedencan.at/plus/, alebo tu: Viedenčan+: Nová možnosť, ako nás podporiť
Verwendete Quellen:
Foto: https://www.pexels.com/de-de/foto/wien-schonbrunn-20508002/












