"Um drei Uhr morgens wurden wir an den Tankstellen umgeladen." Slowakin beschreibt 15 Jahre harter Arbeit in Österreich

Der Pflegebereich im Ausland ist für Tausende slowakischer Frauen ein Synonym für ein besseres Einkommen. Das Geld, das sie zu Hause nicht verdienen, erkaufen sie sich jedoch oft mit extremer psychischer und physischer Belastung, gefährlichen Transporten und Situationen, über die in der Öffentlichkeit nur wenig gesprochen wird. Ihre Geschichte hat uns eine Leserin aus Žilina geschickt, die fünfzehn Jahre in Österreich gearbeitet hat. Ihr Bericht ist ein rohes Bekenntnis zur dunklen Seite der Arbeit, die viele nur durch die Linse von „leicht verdienten Geld“ sehen.

Wenn sie über ihre Arbeit spricht, beginnt Frau Viera nicht bei den Patienten. Sie beginnt mitten in der Nacht, im Transporter des Fahrers.

„Ich möchte darauf hinweisen, dass es sich nicht um eine leichte Arbeit für verdientes Geld handelt,“ schreibt sie zu Beginn ihres Briefes. Der erste Teil ihrer Geschichte spielt sich auf der Strecke zwischen Žilina und Wien ab. Auf einer Strecke, die sie unzählige Male zurückgelegt hat und die für sich allein schon ein erschöpfendes und gefährliches Ritual darstellt.

Nachtfahrer und menschliche Fracht

Das System des Transports von Pflegekräften, wie sie es erlebt hat, funktionierte in einem unerbittlichen Rhythmus. „Stellen Sie sich vor, die Fahrer brechen manchmal um neun Uhr abends von der Ostslowakei auf,“ beschreibt sie. Während der Transporter die Hälfte des Landes durchquert, ist es tief in der Nacht. „In Žilina, wo ich wohne, kamen sie gegen ein Uhr nach Mitternacht.“

Doch damit endete die Sammlung der „Fracht“ noch nicht. Es folgte eine beschwerliche Reise durch die umliegenden kleinen Dörfer, wo weitere Frauen eingesammelt wurden. Jeder Halt bedeutete verlorene Zeit, jede neue Kollegin war ebenso müde. Ziel war eine anonyme Tankstelle irgendwo an der Grenze, die sie gegen drei Uhr morgens erreichten.

„Dort hatten wir eine Pause von etwa 15 Minuten. Die Fahrer tauschten uns je nach Fahrtrichtung in Österreich aus,“ beschreibt Frau Viera die Szene wie aus einem Logistikdepot. Die Frauen, müde und schläfrig, luden in der frostigen Nacht ihr Gepäck von einem Transporter in den anderen um. Es war ein Umsteigepunkt der menschlichen Kraft.

In Wien kamen sie gegen halb sieben morgens an. Für Frau Viera endete die Reise, für den Fahrer oft nicht. „Einige fuhren weiter, sogar nach Graz,“ fügt sie hinzu.

Der gleiche Kreislauf folgte bei der Rückkehr. Gegen Mittag Abholung in Wien, Ankunft zu Hause in Žilina um vier Uhr nachmittags.

Frau Viera erkannte schnell die Gefahren dieses Modells. „Wenn es nur ein Fahrer war, wundere ich mich nicht, dass sie Mikro-Schlaf bekamen,“ stellt sie fest. Als sie einen der Fahrer direkt fragte, warum sie nicht zu zweit fahren, um sich abwechseln zu können, war die Antwort bitter und wirtschaftlich klar: „Er antwortete, dass sie sonst nicht verdienen würden.“

Dieses System, das auf Gewinnmaximierung und Kostenminimierung ausgelegt war, schickte Frauen bereits erschöpft zur Arbeit. Und wie das weitere Erzählen von Frau Viera zeigt, war Erschöpfung das Letzte, was sie sich bei der Pflege der Patienten leisten konnten.

„Sie schüttete mir das ganze Glas entgegen“

Fünfzehn Jahre in österreichischen Haushalten sind fünfzehn Jahre voller Erlebnisse, die die Grenzen der menschlichen Geduld testen. „Die Arbeit als Pflegekraft ist manchmal herausfordernd,“ schreibt Frau Viera mit überraschender Gelassenheit, bevor sie zu den Beschreibungen der Realität übergeht.

Einer der schwierigsten Diagnosen, mit denen sie konfrontiert war, war Demenz und die damit verbundene Aggressivität. „Wenn meine Patientin nervös war, gab ich ihr ein Glas Wasser und ein Beruhigungsmittel,“ erinnert sie sich. Die Reaktion war sofort und unerwartet. „Sie schüttete das ganze Glas über mich.“

Bei einer anderen Gelegenheit versuchte sie, der Patientin bei der grundlegenden Hygiene zu helfen. „Als ich sie duschte, wollte ich ihr die Haare waschen. Sie nahm den Duschkopf und warf ihn nach mir.“ Es ist schwer vorstellbar, in einer Situation zu sein, in der man versucht, einem Menschen zu helfen, der jedoch mit einem physischen Angriff reagiert.

Aggressivität war jedoch nur eine Seite der Medaille. Die andere war der tiefe Verlust des Kontakts zur Realität, der Situationen an der Grenze zwischen Absurdität und menschlicher Tragödie mit sich brachte.

Frau Viera erinnert sich an Patientinnen, die „Gummihöschen“ wegen Inkontinenz tragen mussten. Eines Morgens erwartete sie eine schreckliche Überraschung. „Ich wachte morgens auf und die Patientin wusch die beschmutzten Höschen in der Küche im Waschbecken.“ In demselben Waschbecken, in dem das Essen zubereitet wurde.

Manchmal traten auch akustische Halluzinationen auf. „Sie stand morgens um vier auf und ging auf die Straße. Sie schrie: ‚Ruhe da, Unverschämtheit!‘ Dabei war es draußen völlig still. Sie hörte Musik in ihren Ohren.“

Vielleicht das traurigsten Bild des psychischen Zustands der Patienten bietet die Erinnerung an eine 84-jährige Frau. „Eine dementielle Dame, alte Jungfer, fragte mich, ob sie jemals Kinder haben würde.“ Wie reagiert man auf eine Frage, die einen so tiefen und unerfüllten Wunsch offenbart, der von der Krankheit überlagert wird? Frau Viera wählte eine ehrliche, wenn auch vielleicht harte Antwort: „Ich antwortete, dass Kinder nur Sorgen sind.“

Einsatz der Feuerwehr um vier Uhr morgens

Das dramatischste Erlebnis ihrer 15-jährigen Karriere ereignete sich jedoch ebenfalls um vier Uhr morgens. Der Moment, in dem sich die Pflegekraft von einer Begleiterin in eine Krisenmanagerin und Retterin verwandelt.

„Dann stand sie um vier Uhr morgens im Schlafzimmer auf, fiel und drückte mit dem Kopf die Tür so, dass ich sie nicht öffnen konnte,“ beschreibt sie die erschreckende Situation. Die Patientin war in ihrem Zimmer gefangen, verletzt und blockierte den einzigen Eingang.

Frau Viera musste sofort handeln. „Ich musste den Arzt anrufen.“ Doch es kam nicht nur der Krankenwagen. Die Situation war so ernst, dass alle Einsatzkräfte kamen – Arzt, Polizei und Feuerwehr.

Die Szene wie aus einem Actionfilm setzte sich fort. „Sie wollten von der Straße durch das Fenster zu der Dame, aber sie hatte das Fenster geschlossen.“ Die Retter konnten nicht hinein. Es gab nur eine mögliche Lösung. „Sie mussten die Tür aus den Angeln nehmen. So gelangten sie zu ihr,“ schreibt Frau Viera.

Die Patientin wurde in den Krankenwagen geladen und ins Krankenhaus gebracht. Der Paradox der gesamten Situation war ihr Zustand. „Sie schlief ganz ruhig im Krankenwagen ein.“ Während die Patientin, die die Krise verursacht hatte, Frieden fand, begann für die Pflegekraft erst die Hölle.

„Und ich war nervös, unausgeschlafen. Ich musste mit ihr ins Krankenhaus,“ erinnert sie sich. Dort wurde die Patientin zur Beobachtung behalten. Frau Viera blieb allein. „Und ich ging um fünf Uhr morgens nach Hause, in ihre Wohnung.“

In die Wohnung mit der aus den Angeln genommenen Tür, nach einer schlaflosen Nacht voller Stress, Angst und Adrenalin.

„Ich könnte Ihnen noch vieles erzählen,“ schließt Frau Viera ihren Brief. Ihr Bekenntnis ist nur ein Bruchstück aus dem Mosaik von Tausenden ähnlichen Geschichten. Geschichten von Frauen, die in der Stille österreichischer und deutscher Haushalte ihren Lebensunterhalt mit einer Arbeit verdienen, die einen Tribut an ihre psychische und physische Gesundheit fordert. Es ist eine Erinnerung daran, dass hinter jedem „verdienten Euro“ Stunden stehen, über die nicht gesprochen wird – verbracht in Transportern mitten in der Nacht, beim Waschen von Fäkalien im Waschbecken oder beim Warten auf die Feuerwehr, während sie die Tür aufbrechen.

🚀 Všetky rozhovory na jednom mieste!

Máte tip pre Viedenčana? Pošlite nám ho!

Naším cieľom je prinášať vám relevantné a užitočné informácie zo života v Rakúsku. Zameriavame sa predovšetkým na Slovákov vo Viedni a celkovo na Slovákov v Rakúsku, ktorí si zvolili túto krajinu za svoj domov. Ak máte námet na článok, dôležitú informáciu, príbeh z praxe, alebo sa chcete podeliť o svoje skúsenosti s prácou či životom v Rakúsku, neváhajte sa s nami spojiť! Vaše tipy sú pre nás cenné a pomáhajú nám tvoriť obsah, ktorý skutočne zaujíma a pomáha našim čitateľom.

Napíšte nám na redakcia@viedencan.at alebo použite WhatsApp na čísle +43 660 6098140. Tešíme sa na vaše správy!

Páčil sa Vám článok?

Tvorba a aktualizácia obsahu na Viedenčanovi si vyžaduje veľa hodín rešeršovania a písania. Podporte našu prácu pri tvorbe obsahu pre Slovákov v Rakúsku kúpou predplatného. Každá podpora nás motivuje pokračovať ďalej. Ďakujeme! ❤️ S pozdravom Boris, Eva a Janka – Viedencan.at

Tri flexibilné cesty k podpore

Pre našich verných čitateľov sme pripravili Viedenčan+ – prémiovú službu pre čítanie bez kompromisov.

Rok bez reklám (9,99 €):

Nerušené čítanie: Obsah bez komerčných plôch a sponzorovaných odkazov. Sústreďte sa len na to podstatné.

Mesačné predplatné (3,99 €):

Štandardná mesačná platba ponúka plný prístup ku všetkým výhodám. Tento balík neobsahuje žiadnu viazanosť a predplatiteľ ho môže kedykoľvek jednoducho zrušiť v nastaveniach svojho účtu.

Ročné predplatné (29,90 €):

Kupón SEPTEMBER2026: Zľava až 30 % na ročné predplatné!

✅ Čítanie bez reklám: Už žiadne bannery ani vyskakovacie okná. Sústreďte sa len na obsah.

🔒 Neobmedzený prístup: Odomknite všetky uzamknuté prémiové a archívne články.

📰 Exkluzívny obsah: Čítajte vybraný nový obsah skôr, ako bude prístupný pre verejnosť.

❤️ Priama podpora: Pomôžte nám budovať silnú a nezávislú redakciu.

Viac o predplatnom nájdete tu: https://viedencan.at/plus/, alebo tu: Viedenčan+: Nová možnosť, ako nás podporiť

Verwendete Quellen:

Illustrationsfoto: https://images.pexels.com/photos/939807/pexels-photo-939807.jpeg

Autor: Boris Zima

Mail: boris.zima@viedencan.at