Museum auf Rezept: Österreichische Ärzte beginnen, Kunst als Therapie zu verschreiben

Es beginnt ein neues Kapitel im österreichischen Gesundheitswesen. Das Projekt „Museum auf Rezept“ im Bundesland Vorarlberg zeigt, dass Kunst nicht nur ein ästhetisches Erlebnis für die Auserwählten ist, sondern auch ein wirksames Werkzeug zur Verbesserung der psychischen Gesundheit, zur Stressreduktion und im Kampf gegen Einsamkeit.

Kann Kunst heilen? Langfristige Studien bestätigen den direkten Zusammenhang zwischen der therapeutischen Wirkung von Kunst und dem Besuch von Museen oder Galerien. Laut der österreichischen Tageszeitung Standard hat das Vorarlberger Museum ein neues Projekt gestartet: Museum auf Rezept. Schauen wir uns dieses Projekt näher an.

Ist es möglich, in kurzer Zeit Stress abzubauen, die Stimmung zu verbessern, die Konzentration zu steigern und innere Ausgeglichenheit zu erreichen? Die Antwort ist klar – ja, es ist möglich, und dafür braucht man keine Zauberei oder Wundermittel. Eine wachsende Anzahl von Forschungen im Bereich der Neurowissenschaften bestätigt deutlich die heilenden Wirkungen der visuellen Kunst. Das aufmerksame Betrachten von Kunstwerken, wie Gemälden oder Skulpturen, hat positive Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit von Kunstinteressierten.

Wissenschaftliche Beweise und Inspiration aus dem Ausland

Im April 2024 wurde eine Studie der Universität Wien öffentlich vorgestellt. Laut dieser wird Kunst oft als Luxus betrachtet, doch die Ergebnisse zeigen, dass aktives Kunstschauen – sei es als Hobby oder gezielte Aktivität – zur Steigerung des psychischen Wohlbefindens beiträgt. Die Leiterin des Forschungsteams, Mackenzie Trupp, die sowohl an der Universität Wien als auch an der Radboud-Universität in den Niederlanden tätig ist, kam zu dem Schluss, dass Kunst negative Gefühle mildern kann und Menschen dabei hilft, stressige Lebenssituationen besser zu bewältigen.

In Großbritannien und Kanada ist es bereits üblich, Kunst als Teil der medizinischen Versorgung zu nutzen. Im Rahmen des Konzepts „soziales Kunstverschreiben“ verschreiben Ärzte den Besuch eines Museums oder einer Galerie direkt als Teil der Behandlung. In Österreich stehen Initiativen zur Kunsttherapie noch am Anfang, sprichwörtlich in den Kinderschuhen, bemerkte die Projektmanagerin Kathrin Dünser. Laut ihr: „Mir ist klar, dass man mit Museumsbesuchen keine Menschen heilen kann, aber wir können versuchen, ihnen zu helfen.“ Die Ergebnisse der Studie sprechen eine klare Sprache: Der Besuch einer Ausstellung hat wohltuende Effekte bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen und dient auch als Prävention gegen Einsamkeit bei älteren Menschen. In Museen lassen sich nämlich leicht Kontakte zu anderen Besuchern knüpfen.

Der Weg zur systematischen Gesundheitsförderung

Seit dem letzten Jahr läuft in Vorarlberg das wegweisende Projekt Museum auf Rezept, das von der Österreichischen Ärztekammer unterstützt wird. In der Pilotphase des Programms wurden 1.000 Freikarten verteilt, die Ärzte in der Region an Patienten ausgaben. Anträge auf Eintrittskarten stellten nicht nur Allgemeinmediziner, sondern auch Fachärzte aus den Bereichen HNO (Hals-Nasen-Ohren), Psychologen, Gynäkologen oder Experten für Arbeitsmedizin. Die Ärzte entscheiden eigenständig, für welche Diagnosen der Museumsbesuch geeignet ist. Nach dem vollständigen Start des Projekts wird jedoch notwendig sein, Unterstützung auf politischer Ebene zu suchen. Bisher hat das Museum die Freikarten aus eigenen Mitteln finanziert, doch für die Zukunft wäre eine Unterstützung seitens des Staates wünschenswert.

Über dieses Thema berichtet auch der Fernsehsender ORF On in einem Dokumentarfilm mit dem Titel Kunst als Medikament. Der Film stellt eine europaweite Studie vor, die die Auswirkungen von Kunst auf Menschen untersucht. Die während des Betrachtens von Kunstwerken gemessenen Gehirnwellen zeigten, dass Kunst eine breite Palette von Emotionen hervorrufen kann. Nicht selten geriet die beobachtete Person in einen Zustand des „Flow“, in dem sie vollständig in das Werk vertieft war. Obwohl Emotionen wie Wut oder Freude keinen direkten Einfluss auf das gesamte Gesundheitsprofil eines Individuums haben müssen, ist die bloße Präsenz von Kunst laut Wissenschaftlern ausreichend.

Der Kunstverein Arts for Health Austria unterstützt seit 2019 Kunst und Kultur im Kontext von Gesundheit und psychischem Wohlbefinden. Laut der Gründerin des Projekts, Edith Wolf Perez, ist es wichtig, Kunst mit Menschen zu verbinden, beispielsweise durch gemeinsame musikalische Produktionen. In Zeiten strenger finanzieller Einsparungen im österreichischen Gesundheitssystem ist es notwendig, alle verfügbaren Therapieformen für breite Bevölkerungsschichten zu nutzen. Ich hoffe, dass sich das Projekt Museum auf Rezept in ganz Österreich und vor allem auch in Wien ausbreitet!

Wir sehen uns bald in den Museen und Galerien auf Rezept!

Schönen Sonntag, eure Jana.

Info: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen sind die des Autors und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten des Herausgebers wider. Für den Inhalt dieses Artikels ist der Autor verantwortlich.

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