Mechanismus „Leihfirma": Warum kann die österreichische Arbeitnehmerüberlassung für Slowaken ein Segen und ein Fluch sein?

Jährlich überschreiten Tausende Slowaken die Grenze in der Hoffnung auf ein stabiles Einkommen in Euro. Ihr erster Kontakt mit dem österreichischen Arbeitsmarkt erfolgt jedoch selten direkt mit dem Endarbeitgeber. Die Eintrittsbarriere ist die sogenannte Leihfirma – eine Agentur für Zeitarbeit. Obwohl in Laienkreisen gelegentlich der verzerrte Begriff „life firma“ auftaucht, handelt es sich im österreichischen Rechtssystem um eine strikt definierte Institution Arbeitskräfteüberlassung.
Ein investigativer Blick hinter die Kulissen dieser Firmen offenbart eine Welt, in der hohe österreichische Standards mit raffinierten Praktiken vermischt werden, die an der Grenze zur Ethik balancieren. Das Jahr 2026 brachte strengere Kontrollen, aber auch ausgeklügeltere Methoden, um von Leiharbeitern zu profitieren.
Gesetzlicher Rahmen und Arbeitnehmerschutz in Österreich
Um zu verstehen, auf was Slowaken in Leihfirmen Anspruch haben, ist es unerlässlich, die österreichische Gesetzgebung zu kennen. Arbeitnehmer (Leiharbeitnehmer:innen) können im Rahmen eines Arbeits- oder Dienstverhältnisses tätig sein. Für alle ausgeliehenen Arbeitskräfte gilt das Gesetz über die Arbeitnehmerüberlassung (AÜG), sowie andere Gesetze, die für Arbeitnehmer gelten, wie z.B. das Urlaubsgesetz, das Arbeitszeitgesetz, das Gesetz über Ruhezeiten usw.
Verbot der Einschränkung des Wechsels
Laut AÜG darf die Leihfirma (Verleiher:in) keine Einschränkungen bei der Anstellung nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses anwenden. Es ist daher verboten, dass die Leihfirma beispielsweise Arbeitnehmer daran hindert, einen Arbeitsvertrag direkt mit dem Entleiher (Beschäftiger:in) durch Vertragsstrafen abzuschließen.
Welcher Kollektivvertrag (KV) gilt?
Für Arbeitnehmer, die im Rahmen eines „Leiharbeitsverhältnisses“ tätig sind, gelten folgende Regeln:
- Für Arbeiter gilt der Kollektivvertrag für Zeitarbeitsagenturen (Kollektivvertrag für Arbeitskräfteüberlasser).
- Für Angestellte (Angestellte) gilt der Kollektivvertrag für Angestellte im Handwerk und Gewerbe (Kollektivvertrag für Angestellte im Handwerk und Gewerbe).
- Wichtig: Während der Überlassungsdauer muss zusätzlich – insbesondere in Bezug auf die Vergütung – auch der Kollektivvertrag des Entleihers berücksichtigt werden.
Pflichtangaben im Dienstzettel (Dienstzettel)
Der Dienstzettel für ausgeliehene Arbeitnehmer muss zusätzliche Punkte enthalten:
- Gründe für eine eventuelle zeitliche Befristung (Befristung).
- Bundesländer oder Staaten, in denen der ausgeliehene Arbeitnehmer beschäftigt sein soll.
Vergütung und „Leerlaufzeiten“ (Stehzeiten)
Die Höhe des Lohns oder Gehalts darf nicht niedriger sein als im Kollektivvertrag der Leihfirma festgelegt. Gleichzeitig darf während der Überlassung der Lohn nicht niedriger sein als der kollektivvertraglich oder gesetzlich festgelegte Mindestbetrag, auf den vergleichbare Arbeitnehmer im Entleiher Anspruch haben.
Wenn im Entleiher aufgrund ihres Kollektivvertrags eine höhere Vergütung für die betreffende Tätigkeit vorgesehen ist, muss die Leihfirma die Zahlung während der Überlassung erhöhen. Schlüsselregel: Wenn Arbeitnehmer nicht eingesetzt werden können (sog. „Stehzeiten“ – Leerlaufzeiten), muss der Arbeitgeber ihnen weiterhin die vereinbarte Vergütung in voller Höhe auszahlen.
Was sind jedoch die realen Erfahrungen? Dazu haben wir direkt bei den Arbeitnehmern der Leihfirma nachgefragt und die Situation auch in Online-Diskussionen untersucht.
Online-Diskussionen sind überschwemmt mit Berichten, die von etwas anderem sprechen. Nutzer beschreiben oft das Gefühl eines „Bürgers zweiter Klasse“. Während Stammangestellte Anspruch auf Boni und Stabilität haben, lebt der über die Leihfirma beschäftigte Arbeitnehmer in ständiger Alarmbereitschaft. Ein Rückgang der Aufträge genügt, und die Agentur teilt Ihnen innerhalb von Stunden das Ende mit – legal, unter Ausnutzung spezifischer Kündigungsfristen in diesem Segment.
Was sagen die realen Erfahrungen? Geschichten aus der Praxis
Um die Vielfalt der Erfahrungen besser zu veranschaulichen, haben wir vier Zeugenaussagen vorbereitet, die die häufigsten Streitpunkte und Erfolge zusammenfassen, die in anonymen Internetbewertungen genannt werden.
Marek (34), Hilfsbauarbeiter: „Die Unterkunft als Geldfilter“
„Über die Leihfirma arbeite ich auf Baustellen in der Umgebung von Graz. Gehaltlich bin ich doppelt so gut wie zu Hause, aber die Agentur holt sich das über die Dienstleistungen zurück. Sie haben mir eine ‚vorteilhafte‘ Unterkunft angeboten, für die mir 550 Euro monatlich abgezogen werden. Die Realität? Ein Zimmer von zehn Quadratmetern, das ich mit einem anderen Mann teile. Im Internet warnen Leute, dass Leihfirmen mit der Unterkunft mehr verdienen als mit dem eigentlichen Provisionssystem vom Arbeitgeber. Wenn Sie eine eigene Wohnung finden, verlieren Sie plötzlich das Interesse, denn für sie verlieren Sie an Attraktivität.“
Jana (42), Lagerarbeiterin: „Ein Rettungsanker für Sprachunkundige“
„Mein Deutsch war auf dem Nullpunkt, daher hätte mich ein direkter Arbeitgeber niemals eingestellt. Die Leihfirma hat alles für mich geregelt – von der e-card (Versicherungskarte) bis zu den Familienbeihilfen. Es ist ein super Service für jemanden, der Angst vor Ämtern hat. Nachteil ist, dass ich in die niedrigste Gehaltsklasse eingestuft wurde, obwohl ich mit schweren Maschinen arbeite. In Online-Diskussionen wurde mir geraten, meine Lohnabrechnung über die Gewerkschaft überprüfen zu lassen. Es stellte sich heraus, dass mir monatlich fast 200 Euro an Diäten fehlten, die die Firma ‚auf ihre Weise erklärt‘ hat.“
Peter (28), zertifizierter Elektriker: „Eine Übergangsstation zur Sicherheit“
„Für mich war die Leihfirma nur eine Brücke. Ich wusste, dass die Firma, bei der ich ausgeliehen wurde, mich behalten wollte, wenn ich gut bin. Nach einem Jahr war es dann auch so. Österreichische Firmen testen über Agenturen im Grunde Menschen. Wenn Sie sich bewähren, bieten sie Ihnen einen Stammvertrag an. Man muss nur darauf achten, dass im Vertrag mit der Leihfirma keine unsinnigen Strafen für den Wechsel zum Kunden stehen. Meine Erfahrung ist positiv, aber man muss seinen Wert kennen und sich nicht mit einem niedrigen Grundgehalt abspeisen lassen.“
Elena (50), Küchenhilfe: „Das Phänomen plötzlicher Enden“
„In unserer Gruppe im Internet nennen wir es ‚Freitags warten auf den Anruf‘. In der Gastronomie ist es über die Leihfirma extrem unsicher. Ich habe vier Monate in einem tollen Hotel gearbeitet, bis eine schwache Woche kam. Die Agentur rief mich am Freitagabend an und sagte, dass ich ab Montag zu Hause bin. Keine Abfindung, keine Sicherheit. Wenn Sie krank werden, entlassen einige unseriöse Leihfirmen Sie lieber sofort, damit sie während der Krankschreibung keine Beiträge für Sie zahlen müssen. Es ist ein hartes Brot.“
Investigative Erkenntnisse: Worauf man im Jahr 2026 achten sollte?
Aus der Analyse verfügbarer Quellen geht hervor, dass der Markt für Zeitarbeit einer Säuberung unterzogen wird. Das österreichische Finanzministerium hat die Aufsicht über „Briefkasten“-Agenturen verschärft, die nur gegründet werden, um keine Steuern zu zahlen. Für Slowaken ist es entscheidend, eine ethische Leihfirma von einem fragwürdigen Vermittler zu unterscheiden.
Warnsignale:
- Registrierungsgebühren: Keine legale österreichische Leihfirma darf eine Gebühr für die Arbeitsvermittlung verlangen. Ihr Gewinn besteht aus der Marge, die ihnen der Entleiher zahlt, nicht der Arbeitnehmer.
- Fehlende Adresse in Österreich: Wenn die Firma nur eine slowakische Handynummer und ein „Büro“ in einer Wohnung in Bratislava hat, obwohl sie Arbeit in Tirol verspricht, steigt das Risiko eines Betrugs.
- Druck zum Unterschreiben ohne Übersetzung: Seriöse Anbieter stellen Verträge in deutscher und slowakischer Sprache zur Verfügung oder ermöglichen eine Beratung durch Dritte.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Diäten
Ein wesentlicher Teil des Einkommens der Slowaken in Österreich sind die sogenannten Taggelder (Diäten). In Online-Bewertungen wird häufig die Beschwerde geäußert, dass die Leihfirma nur am „Netto-Lohn“ interessiert ist, mit dem sie in der Anzeige wirbt. Der Arbeitnehmer muss jedoch wissen, dass Diäten nicht in die Rentenberechnung oder in die Berechnung des Arbeitslosengeldes einfließen. Wenn der Grundlohn (Grundlohn) verdächtig niedrig und die Diäten unverhältnismäßig hoch sind, erhält der Arbeitnehmer im Falle von Krankheit oder Arbeitslosigkeit vom Staat nur das Minimum.
Informiertheit entscheidet
Arbeiten über eine Leihfirma in Österreich ist nicht per se ein Betrug. Es ist ein legitimes wirtschaftliches Instrument, das im Jahr 2026 von mehr als 100.000 Menschen im Land genutzt wird. Die Ermittlungen bestätigen jedoch, dass der Erfolg von zwei Faktoren abhängt: Kenntnisse zumindest der Grundlagen der deutschen Sprache und Bereitschaft, jede einzelne Klausel im Vertrag zu überprüfen.
Slowaken, die die Leihfirma als vorübergehenden Startpunkt betrachten und aktiv nach einem Weg in den Stammstatus suchen, bewerten die Erfahrung meist positiv. Diejenigen, die sich auf den Full-Service der Agentur einschließlich Unterkunft und Transport verlassen, stellen oft fest, dass sie für diesen Komfort eine unangemessen hohe Steuer in Form eines niedrigeren Nettogehalts und null Stabilität zahlen.
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Verwendete Quellen:
- WKO
- Proge.at https://www.proge.at/kollektivvertrag/kollektivvertraege-der-pro-ge/arbeitskraefteueberlassung
- Arbeiterkammer (AK) https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/Arbeitsvertraege/Leiharbeit.html
- Monitoring online Gemeinschaften: Analyse von Diskussionsbeiträgen in Gruppen, die sich auf die Arbeit in Österreich konzentrieren.
Foto: Burst: https://www.pexels.com/de-de/foto/arbeit-business-entwurf-erwachsener-544965/












