Leopoldstadt im Kampf gegen die Hitze: Wien verwandelt den Beton-Dschungel Volkertplatz in eine grüne Oase

Während slowakische Kommunen oft mit einem Mangel an finanziellen Mitteln oder politischem Willen für eine radikale „Entbetonierung“ öffentlicher Räume kämpfen, setzt die österreichische Hauptstadt ihre Offensive gegen Wärmeinseln fort. Das neueste Beispiel für die Umgestaltung des städtischen Umfelds ist der Volkertplatz im zweiten Wiener Bezirk. Das Projekt, das moderne blau-grüne Infrastruktur mit den Bedürfnissen der Gemeinschaft kombiniert, zeigt, wie die Anpassung dichter städtischer Bebauung an die Klimakrise im 21. Jahrhundert aussehen kann.
Der Wiener Bezirk Leopoldstadt gehört zu den Gebieten mit hoher Bebauungsdichte, wo die Sommerhitze die Straßen in glühende Schluchten verwandelt. Die lokale Verwaltung hat sich daher für einen radikalen Schnitt entschieden – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Rahmen der stadtweiten Initiative „Raus aus dem Asphalt“ wird der Volkertplatz umgestaltet, wobei der Hauptfeind der undurchlässige Boden ist.
Das Projekt sieht die Entfernung von Asphalt und Beton auf einer Fläche von mehr als 2.000 Quadratmetern vor. Mehr als die Hälfte dieser Fläche wird in reine Grünflächen umgewandelt. Es geht jedoch nicht nur um eine visuelle Veränderung. Ein zentrales Element ist die Funktionalität: Der neue Belag ist so konzipiert, dass er sickerfähig ist – also in der Lage ist, Regenwasser direkt in den Boden zu leiten.
Dieser Ansatz, fachlich als „Schwammstadt“ bezeichnet, löst zwei Probleme gleichzeitig. Bei Starkregen entlastet er das Kanalsystem, das in Städten oft zusammenbricht, und speichert gleichzeitig wertfeuchte im Untergrund, wodurch das Wurzelsystem der Bäume genährt wird und die Umgebung durch Verdunstung auf natürliche Weise gekühlt wird.
Mehr als nur Bäume: Mikroklima unter Kontrolle
Zur bestehenden Vegetation auf dem Platz kommen 13 neue, ausgewachsene Bäume hinzu. Diese sind strategisch so angeordnet, dass sie einen durchgehenden Schatten über den zukünftigen Erholungszonen schaffen. Ergänzt werden sie durch Dutzende von Sträuchern und ein automatisches Bewässerungssystem, das das Überleben der Vegetation auch in extrem trockenen Monaten sichert.
Stadtplaner wissen jedoch, dass in einer modernen Stadt allein die Bäume nicht ausreichen. Damit der Volkertplatz zu einem echten „Wohnzimmer unter freiem Himmel“ wird, werden moderne Wasserelemente hinzugefügt. Ein zentrales Wasserspiel mit sieben Düsen und drei Nebelsäulen soll die gefühlte Temperatur auf dem Platz um einige Grad senken. Für die Bewohner der umliegenden Häuser, die keinen Zugang zu Klimaanlagen oder eigenen Gärten haben, wird der Platz so zu einem kritischen Rückzugsort während der Sommerhitze.
„Wir bringen Kühlung und eine höhere Lebensqualität in dicht besiedelte Viertel“, erklärt die Wiener Stadträtin für Stadtplanung Ulli Sima. Ihr zufolge ist das Ziel, den öffentlichen Raum in einen Ort zu verwandeln, an dem Menschen gerne Zeit verbringen, und nicht nur schnell hindurchgehen.
Soziale Dimension: Ein Ort für Kinder und Senioren
Die Revitalisierung des Volkertplatzes ist nicht nur ein Umweltprojekt, sondern auch ein soziales Experiment im Teilen von Raum. Auf dem Platz werden rekordverdächtige 100 neue Sitzplätze geschaffen. Von klassischen Bänken bis hin zu atypischen Sitzgelegenheiten unter den Baumkronen – das Ziel ist es, einen Raum für die Inklusion aller Generationen zu schaffen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den jüngsten Bewohnern. Der Spielplatz wird komplett erneuert. Neben modernen Elementen wie einer Nestschaukel oder Balanciersteinen wird besonders auf die Sicherheit geachtet. Alte Beläge werden durch moderne, stoßdämpfende Materialien mit langer Lebensdauer ersetzt. Der angrenzende Ballspielplatz beim Jugendzentrum erhält einen neuen Zaun und begrüntes Barrieren, die nicht nur den Lärm dämpfen, sondern auch einen Rückzugsort für die städtische Biodiversität, beispielsweise für Bestäuber, bieten.
Politische Verantwortung und Ausblick in die Zukunft
Alexander Nikolai, der Bürgermeister von Leopoldstadt, betont, dass bei der Planung auf die realen Bedürfnisse der Bewohner eingegangen wurde. „Es ist mir wichtig, dass hier ein Ort entsteht, der den Bedürfnissen der Nachbarschaft entspricht – von einem sicheren Spielbereich bis hin zu angenehmen Aufenthaltszonen“, sagte er.
Mit diesem Projekt sendet Wien ein klares Signal: Investitionen in öffentliche Räume sind Investitionen in die Gesundheit der Bürger. Die Offensive „Raus aus dem Asphalt“ hat bereits Hunderte erfolgreicher Umsetzungen in der ganzen Stadt hinter sich. Seit Beginn der Kampagne wurden in den Wiener Straßen mehr als 3.300 Bäume gepflanzt und Tausende Quadratmeter Wasserflächen geschaffen.
Für slowakische Städte, die oft mit dem Phänomen „visueller Smog“ und konzeptioneller Betonierung kämpfen, kann der Volkertplatz ein inspirierendes Handbuch sein. Es zeigt, dass Klimaanpassung nicht nur das Pflanzen von ein paar Blumentöpfen bedeutet, sondern einen systemischen Wandel im Denken über die Stadt als lebendigen Organismus, der atmen muss.
Das Projekt am Volkertplatz soll so abgeschlossen werden, dass die Bewohner bereits in der kommenden Sommersaison von seinen Vorteilen profitieren können. Leopoldstadt rückt damit ein Stück näher an die Vision einer modernen, grünen und vor allem lebenswerten Großstadt.
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Quelle: https://www.wien.gv.at/leopoldstadt/volkertplatz-begruenung Foto: Datenquelle: Stadt Wien – data.wien.gv.at












