Kurpark Oberlaa: Ein idealer Ausflugstipp, wo Kinder im Zoo und Erwachsene im Japanischen Garten Spaß haben

Am südlichen Rand von Wien, an den Hängen des einst industriellen Laaer Bergs, erstreckt sich eine Oase der Ruhe und des Grüns, die heute ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens der Bewohner des zehnten Bezirks Favoriten ist. Der Kurpark Oberlaa mit seiner beeindruckenden Fläche von über 600.000 Quadratmetern ist jedoch nicht nur ein gewöhnlicher Park. Er ist ein lebendiges Denkmal einer großartigen Vision aus den 70er Jahren, ein Ort mit überraschend reicher Filmgeschichte und ein Beweis dafür, dass selbst Narben aus industrieller Tätigkeit sich in ein prosperierendes Ökosystem für Menschen und Natur verwandeln können. Seine Wege, Gärten und künstlich geschaffenen Landschaftselemente sind heute zu Recht als Denkmal geschützt.
Die Geschichte des Parks begann an der Schwelle der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Wien, ermutigt durch den enormen Erfolg der Internationalen Gartenbauausstellung (WIG) im Jahr 1964, die den beliebten Donaupark hervorgebracht hatte, beschloss, dieses Format zu wiederholen. Der Blick der Stadtplaner fiel auf das vernachlässigte Areal einer ehemaligen Ziegelei am südöstlichen Hang des Laaer Bergs. Dieser Ort war jedoch nicht nur eine industrielle Einöde. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wählte die Filmgesellschaft Sascha Filmindustrie diesen Ort für ihre monumentalen Projekte, wo große Filme wie Sodom und Gomorrha oder Die Sklavenkönigin gedreht wurden.
Die Stadt Wien erwarb die umliegenden Grundstücke von Gärtnereien und Weinbergen und rief 1969 einen internationalen Architekturwettbewerb aus. Gewonnen hat ihn der deutsche Landschaftsarchitekt Erich Hanke, doch das endgültige Projekt war das Ergebnis der Zusammenarbeit mehrerer internationaler Teams, die ihre besten Ideen zusammenbrachten. Ziel war es, ein großartiges Ausstellungsgelände für die WIG 74 zu schaffen, das nach Abschluss der Veranstaltung in eine dauerhafte Erholungszone für die wachsenden Siedlungen im Süden der Metropole umgewandelt werden sollte.
Die Ausstellung im Jahr 1974 war mit 2,6 Millionen Besuchern ein riesiger Erfolg beim Publikum. Die Fachwelt war jedoch zurückhaltender. Renommierte Architekten wie Gustav Peichl oder Roland Rainer kritisierten das Projekt mit dem Argument, dass Wien eher in Grünflächen im dicht besiedelten Zentrum investieren sollte, als einen teuren Park am Stadtrand zu bauen. Rainer fehlte in dem Konzept „eine gewöhnliche Wiese für Fußball“. Einige der extravaganten Attraktionen erwiesen sich zudem als problematisch. Die futuristische Einschienenbahn war defizitär und musste nach einigen Jahren demontiert werden. Auch der angrenzende Freizeitpark und ein Teil der teuren Ausstattung, einschließlich des sogenannten „Utopischen Gartens“, hielten dem Zahn der Zeit und den Witterungsbedingungen nicht stand.
Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten erwies sich die Umwandlung des Ausstellungsgeländes in einen öffentlichen Park nach 1974 als der richtige Schritt. Der Kurpark Oberlaa gewann schnell die Herzen der Wiener und wurde zu einem Musterbeispiel für erfolgreiche Revitalisierung.
Eine Welt im Kleinen: Spaziergang durch die Themengärten
Was den Kurpark Oberlaa besonders macht, ist seine Vielfalt. Der Besucher kann sich während eines einzigen Spaziergangs nach Japan versetzen, in die Barockzeit zurückkehren oder sich im Blumenlabyrinth verlieren. Jeder Teil des Parks hat seinen einzigartigen Charakter und seine Geschichte.
Einer der beliebtesten Orte ist zweifellos der Japanische Garten (Takasakipark). Dieses Juwel, entworfen von dem Architekten Kunsaku Nakame, war ursprünglich der nationale Beitrag Japans zur WIG 74. Nach deren Ende sollte es, ähnlich wie andere nationale Pavillons, abgerissen werden. Dank der Initiative der japanischen Stadt Takasaki gelang es jedoch, den Garten zu erhalten und in den 90er Jahren unter der Leitung des Architekten Ikeda Tadashi sensibel in seine heutige Form zu rekonstruieren.
Für Geschichtsinteressierte ist die Erinnerung an die Filmära im Bereich namens Filmstadt ein Anziehungspunkt. Hier findet im Sommer das beliebte Freiluftkino statt, das Stummfilme zeigt, die vor hundert Jahren direkt an diesem Ort gedreht wurden. Romantische Seelen suchen hingegen den Liebesgarten mit seinen weißen Blumen, Schaukeln und intimen Ecken auf, der ein beliebter Ort für Hochzeitsfotografen ist.
Der Park denkt jedoch an alle Generationen und Interessen. Familien mit Kindern verbringen Stunden auf dem weitläufigen Spielplatz, der 2001 als erster barrierefreier Spielplatz in Wien eröffnet wurde und gemeinsames Spielen für gesunde und behinderte Kinder ermöglicht. Gleich daneben befindet sich das moderne Skateland mit einer Fläche von 1800 m², das an der Stelle des ehemaligen „Mondspielplatzes“ entstanden ist. Der nahegelegene Streichelzoo bietet den kleinsten Kindern die Möglichkeit, Ziegen, Schafe oder Pfauen zu streicheln.
Experten und Laien werden von dem präzise gepflegten Staudenbeet mit über 11.500 Pflanzen begeistert sein, während Allergiker den Allergiegarten schätzen, wo sie an Informationstafeln alles über die Pollen-Saisons der einzelnen Pflanzen erfahren können.
Der Kurpark Oberlaa ist somit mehr als nur die Summe seiner Teile. Er ist ein komplexer Organismus, der Erholung, Kultur, Bildung und Geschichte verbindet. Er ist der Beweis dafür, dass auch ehrgeizige und teilweise kontroverse Projekte nach Jahrzehnten zu einer Form reifen können, die das Leben der Stadt und ihrer Bewohner auf eine Weise bereichert, die sich die ursprünglichen Schöpfer vielleicht nicht einmal vorstellen konnten. Aus der Narbe im Gesicht der Stadt wurde ihr Juwel.
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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kurpark_Oberlaa Foto: By Funke – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=108172512












